Ein Archipel der Gegensätze
Die Kanarischen Inseln boten heute ein Bild der thermischen Extreme: Während es in einigen Regionen weiterhin drückend heiß war und die Thermometer bis zu 38 Grad anzeigten, sorgten an anderen Orten die sanften und frischen Passatwinde für eine spürbare Abkühlung. Die Hitzewelle, die die Inseln nunmehr über fünf Tage in ihrem Griff hatte, befindet sich langsam in ihrer Auflösungsphase. Die Bedingung für ihr vollständiges Verschwinden ist jedoch ein kräftigerer Wind – und genau der ist im Anmarsch.
Diese Wetterlage entfaltet eine Art Dominoeffekt: Es wird stürmisch mit Böen von über 70 Kilometern pro Stunde, und auch die Meeresoberfläche wird sich aufrauen. Angesichts dieser Entwicklung hat die staatliche Wetteragentur Aemet für Donnerstag gelbe Warnungen (Avisos) vor Küstenphänomenen herausgegeben – sie gelten für den Süden von Gran Canaria und Teneriffa, die Westseite von La Palma sowie für El Hierro und La Gomera.
Warnungen vor Wind und Hitze bleiben aktiv
Parallel dazu bleibt die Warnung vor Windböen mit Geschwindigkeiten zwischen 70 und 80 Kilometern pro Stunde in den Höhenlagen Gran Canarias sowie an den südöstlichen und westlichen Berghängen bestehen. Ebenfalls weiterhin in Kraft sind die Hitzewarnungen für den Süden Gran Canarias sowie den Westen und die Gipfelregionen von La Palma.
Die Regionalregierung der Kanaren hält unterdessen an der bestehenden Brandschutz-Alertsituation auf den gebirgigsten Inseln sowie an der Hitzewarnung für das gesamte Archipel fest. Zudem gelten weiterhin Vorabwarnungen (Prealertas) vor Wind und Küstenphänomenen, wobei diese in den kommenden Stunden voraussichtlich herabgestuft werden. Eine endgültige Entscheidung über eine mögliche Herabsetzung oder Aufhebung der Warnungen soll am Donnerstag fallen.
Immer noch extrem: Temperaturen bis 38 Grad
Trotz des nahenden Passatwinds war es heute auf den Kanaren vielerorts weiterhin sehr heiß, besonders im Süden Gran Canarias. In La Aldea de San Nicolás wurden erneut Höchstwerte von 38 Grad gemessen, während Maspalomas mit 37,1 Grad nur knapp darunter blieb. Auf La Palma lag das Tagesmaximum bei 35,7 Grad, auf La Gomera wurden bis zu 35,5 Grad registriert.
Die erfrischende Wirkung des Alisios war in der vergangenen Nacht noch nicht zu spüren. Stattdessen erlebte der Großteil der Inseln erneut eine tropische Nacht. Nur in den höheren Lagen – etwa in Izaña auf Teneriffa oder in Teror auf Gran Canaria – kühlte es spürbar ab. Besonders extrem war es in San Bartolomé de Tirajana: Dort wurde mit einer Tiefsttemperatur von 31,8 Grad bereits die vierte sogenannte „Höllennacht“ in Folge verzeichnet – ein Wert von über 30 Grad, der für menschlichen Schlaf kaum erträglich ist.
Geduld gefragt: Nur langsame Abkühlung in Sicht
Die Aemet geht davon aus, dass die Temperaturen erst am Samstag wieder in den Bereich des „Normalen“ zurückkehren – und selbst dann lägen sie immer noch über den üblichen Werten für diese Jahreszeit. Víctor Quintero, Delegierter der Aemet in Santa Cruz de Tenerife, erklärt, dass der Temperaturrückgang nur sehr langsam vonstattengehen wird. Besonders betroffen sind Orte in Beckenlagen mit schwieriger Luftzirkulation, wie La Aldea de San Nicolás auf Gran Canaria oder Las Mercedes auf Teneriffa.
Und die Aussichten für die kommende Woche geben ebenfalls keinen Anlass zur Entwarnung: Quintero kündigt bereits für die Mitte der nächsten Woche einen erneuten Temperaturanstieg im Archipel an.
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