Grünes Leuchten in der Nacht
Nur wenige Minuten vor Mitternacht am Samstag riss eine grüne Lichtspur den Nachthimmel über den Kanarischen Inseln auf und ließ tausende Menschen staunend gen Himmel blicken. Sekunden später klingelten die Telefone der Notrufzentrale 112, als hätte es seit Jahrzehnten keinen solchen Ansturm gegeben. Zahlreiche Teleskope hielten das intensive smaragdgrüne Leuchten fest.
Ein Himmelskörper in Orangegröße
Die vorläufigen Analysen des Instituto de Astrofísica de Canarias (IAC) zeigen nun, dass das kosmische Feuerwerk von einem Boliden ausging, der etwa die Größe einer Orange oder eines Fußballs hatte – also zwischen 10 und 30 Zentimeter Durchmesser. Das bestätigt der IAC-Astrophysiker Javier Licandro, ein Experte für die Überwachung von Meteoriten und anderen Himmelskörpern. Er gibt zudem an, dass der Brocken über der Ost- und Nordostseite der Kanaren in Richtung des Sternbilds Pegasus niederging, was erkläre, warum er von La Palma und Teneriffa aus gleich gut zu sehen war.
Von den leistungsstärksten Teleskopen erfasst
Der Himmelskörper wurde tatsächlich von der Himmelskamera des Gran Telescopio Canarias (GTC) eingefangen, der sich auf dem Observatorio del Roque de los Muchachos auf La Palma befindet. Auch die Kameras des AMOS-Experiments (All-Sky Meteor Orbit System) registrierten das Phänomen – sowohl am Observatorio del Teide als auch am Roque de los Muchachos.
Keine Gefahr für die Inseln
Entwarnung gibt es für alle Besorgten: Der Gesteinsbrocken hat an keiner Stelle in der Nähe der Kanaren den Boden erreicht. Aufgrund seiner geringen Größe verglühte er höchstwahrscheinlich vollständig beim Eintritt in die Erdatmosphäre. Wäre er größer gewesen, so erklärt der Forscher, hätte er die Inseln wohl ebenfalls verfehlt und wäre stattdessen relativ weit entfernt im Ozean niedergegangen.
Spurensuche im Datenmaterial
Alle weiteren Erkenntnisse hängen nun von der Auswertung der AMOS-Daten ab. Dieses System ermöglicht es, die Flugbahn des Boliden zu triangulieren und anhand der während seines Vorbeiflugs aufgenommenen Spektren sowohl seine Helligkeit als auch seine Zusammensetzung zu analysieren. Diese Auswertung wird derzeit von einem slowakischen Wissenschaftsteam durchgeführt. Das AMOS-System besteht aus einer Fischaugenlinse, einem Bildverstärker, einer Projektionslinse und einer digitalen Videokamera. Dieser einfache Aufbau wurde eigentlich für die Beobachtung von Meteoren entwickelt, könnte aber auch für meteorologische, geophysikalische, aeronautische oder satellitengestützte Beobachtungen genutzt werden.
112 nahm Dutzende Anrufe entgegen
Bevor diese wissenschaftlichen Details bekannt wurden, hatte die Notrufzentrale 112 bereits bestätigt, dass sie gegen 23.37 Uhr zahlreiche Anrufe von verschiedenen Standorten der Kanarischen Inseln erhalten hatte. Die Anrufer beschrieben das Phänomen übereinstimmend als einen hellen „Lichtpunkt“, der über den Himmel zog. Die genaue Natur des Leuchtens konnte der Notdienst zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht bestimmen.

