„Es reicht!“ – Kanaren-Regierung greift Flughafen-Chaos an
Der kanarischen Regierung ist der Kragen geplatzt: Sie sagt dem Chaos an den Passkontrollen des Flughafens Teneriffa Süd (Tenerife Sur) ein entschiedenes „Basta ya“ – „Es reicht!“. Die Regionalministerin für Tourismus und Beschäftigung, Jessica de León, prangerte am Donnerstag (26. März 2026) die „unhaltbare“ Situation an der Grenzkontrollstelle im Flughafen von Granadilla de Abona an und kündigte an, von der Zentralregierung in Madrid eine „dringende“ Lösung zu fordern.
Britische Touristen leiden am meisten unter den Schlangen
Die langen Warteschlangen am internationalen Flughafen, auch bekannt als Reina Sofía, treffen vor allem Touristen aus Ländern außerhalb des Schengen-Raums. Besonders betroffen sind britische Urlauber, die die größte Besuchergruppe auf Teneriffa stellen. Nach wiederholten Beschwerden der Inselregierung (Cabildo) von Teneriffa und Wirtschaftsverbänden über die image- und tourismusschädigende Situation hatte das für Grenzkontrollen zuständige Innenministerium bereits Maßnahmen angekündigt. So wollte das Ressort von Minister Fernando Grande-Marlaska im vergangenen Juli die Zahl der Nationalpolizisten am Flughafen um 32 Beamte aufstocken und 36 biometrische Erkennungsgeräte installieren, um die Passkontrollen zu beschleunigen.
Biometrische Scanner außer Betrieb – Versprechen nicht gehalten
Die Mängel bestehen jedoch fort, vor allem weil die große Mehrheit der versprochenen Scanner nicht funktioniert. In einer parlamentarischen Kommission antwortete Regionalministerin de León auf eine Frage der Vox-Abgeordneten Paula Jover und betonte, sie habe ihrem Unmut beim spanischen Tourismusminister Jordi Hereu Luft gemacht. Grund sei die „mangelnde Voraussicht“ sowohl des Verkehrs- als auch des Innenministeriums. Aus Sicht von Jessica de León hätte das Innenministerium das Flughafennetz auf den Kanaren „verstärken“ müssen, „in der Voraussicht, dass diese Geräte nicht funktionieren“ würden. Dies sei besonders wichtig, seit durch den Brexit neue Regelungen gelten, zumal die Kanaren „sechs von zehn britischen Touristen empfangen, die nach Spanien einreisen“.
Inselregierung warnt seit über einem Jahr vor dem Kollaps
Bereits zuvor hatte Lope Afonso, Vizepräsident und Tourismusdezernent der Inselregierung von Teneriffa, die mangelnde Ausstattung des siebtgrößten Passagierflughafens Spaniens (2025: fast 14 Millionen Passagiere) scharf kritisiert. „Die sollen uns in Madrid nichts erzählen angesichts dessen, was wir im Reina Sofía durchmachen“, so Afonso. Er stellte klar, dass das Cabildo das Innenministerium seit über einem Jahr vor dem drohenden Kollaps warne. Bereits im Mai 2025 hatten die Präsidentin der Inselregierung, Rosa Dávila, und Lope Afonso selbst ein dringendes Treffen mit dem Regierungssubdelegierten in der Provinz Santa Cruz de Tenerife, Jesús Javier Plata Vera, und mit Verantwortlichen der Flughafenbetreibergesellschaft Aena gefordert, um die Schlangen an der Passkontrolle in Teneriffa Süd zu besprechen.
500 Passagiere stundenlang in überfüllter Halle
Dieser Schritt folgte auf einen Vorfall einige Tage zuvor, bei dem nachts mehr als 500 Passagiere stundenlang in einer überfüllten Wartehalle auf die Grenzkontrolle warten mussten. Eine Situation, die von den Betroffenen selbst angeprangert wurde und nach Ansicht von Dávila und Afonso „die gravierenden Mängel in diesem essenziellen Service“ offenlegte. Dieses chaotische Szenario zu Beginn des Urlaubs für Tausende Teneriffa-Touristen hat sich seither wiederholt.
Wirtschaft warnt vor Schaden für wichtigsten Tourismusmarkt
José Fernando Cabrera, Präsident des Forums „Amigos del Sur de Tenerife“ (FAST), wies auf die Auswirkungen dieser „wiederkehrenden“ Situation auf den wichtigsten Tourismusmarkt Teneriffas, die Briten, hin. „Es ist ein eingefleischtes Problem am Flughafen Reina Sofía, das Aena bis jetzt nicht gelöst hat.“ Auch der Hotelverband der Provinz Teneriffa (Ashotel) schloss sich der Kritik an. Ashotel macht die „gemeinsame Untätigkeit“ von Aena, verantwortlich für die Flughafeninfrastruktur, und des Innenministeriums, zuständig für Polizeibeamte und Grenzkontrollgeräte, verantwortlich. Das Ergebnis, so der Verband, sei „eine stetige Verschlechterung der Besuchererfahrung in einem der wichtigsten Touristenflughäfen des Landes, dem ersten Einreisepunkt nach Europa für Tausende von Nicht-EU-Reisenden“.
Videos mit Millionen-Aufrufen sorgen für internationales Echo
Das Problem hat inzwischen internationale Aufmerksamkeit erregt, nachdem mehrere Videos in den sozialen Medien viral gegangen sind. Eines davon, mit über acht Millionen Aufrufen, zeigt die massiven Schlangen von Passagieren vor der Polizeikontrolle. Ein weiteres Video dokumentiert mindestens ein Dutzend außer Betrieb stehender biometrischer Scanner, ohne ausreichendes Personal, das deren Funktion übernehmen könnte.
