Seltene Entdeckung vor den Kanaren
Einem Forscherteam des Spanischen Instituts für Ozeanografie (IEO, CSIC) ist in Zusammenarbeit mit den Universitäten von Vigo und La Laguna ein bedeutender Fang gelungen: Erstmals wurde der mesopelagische Fisch Bregmaceros atlanticus in spanischen Gewässern nachgewiesen. Die im Fachjournal „Marine Biodiversity“ veröffentlichte Studie erweitert das Wissen über die geografische Verteilung dieser rätselhaften Art erheblich.
Circumglobaler Mythos aufgeklärt
Bislang ging die Wissenschaft davon aus, dass der Antennen-Dorschling, so der deutsche Trivialname, circumtropisch verbreitet sei – also in den tropischen und subtropischen Regionen des Atlantiks, Indiks und Pazifiks vorkomme. Die aktuellen Analyseergebnisse stützen jedoch eine andere These. „Unsere Forschungsergebnisse legen nahe, dass das tatsächliche Verbreitungsgebiet der Art auf den Atlantik beschränkt sein könnte“, erklärt Rafael Bañón, Forscher am Ozeanografischen Zentrum von Vigo des IEO und Hauptautor der Studie, in einer Pressemitteilung. Die Studie basiert auf der Untersuchung von drei Exemplaren, die rund um den Kanarischen Archipel gefunden wurden.
Von der Tiefsee an den Strand
Zwei der Fische wurden bereits 2012 während der ozeanografischen Kampagne CETOBAPH an Bord des Forschungsschiffs „Cornide de Saavedra“ vor der Insel El Hierro gefangen. Der dritte und für die Forschung besonders wertvolle Fund gelang jedoch an Land: Im Jahr 2024 wurde ein Exemplar an einem Strand im Süden Teneriffas angespült. Es handelt sich dabei um den ersten dokumentierten Fall einer Strandung dieser Art überhaupt.
Genetischer Fingerabdruck bestätigt Art
Um die Identität der Tiere zweifelsfrei zu klären, führte das Team eine detaillierte Analyse der morphologischen Merkmale durch und erstellte eine Gensequenz des COI-Gens – dem Standardmarker für internationale molekulare Artbestimmung. Die Analyse ordnete das kanarische Exemplar sicher einer spezifischen genetischen Gruppe (BIN AAV0298) zu, die mit Bregmaceros atlanticus assoziiert ist. „Unsere Ergebnisse kombinieren die klassische morphologische Untersuchung mit modernen molekulargenetischen Werkzeugen, um die Identität der Art zu verifizieren“, so Bañón. Traditionell basierte die Fischbestimmung auf äußeren Merkmalen. „Doch immer häufiger setzen wir auf integrative Taxonomie-Ansätze, die morphologische und molekulare Informationen vereinen, um komplexe taxonomische Fragen bei wenig erforschten Fischgruppen zu lösen“, fügt der Forscher hinzu.
Ein Winzling mit besonderen Merkmalen
Bregmaceros atlanticus, im Spanischen „bacalete antena“ genannt, verdankt seinen Namen dem charakteristischen, verlängerten Rückenflossenstrahl, der wie eine Antenne über seinem Kopf thront. Es handelt sich um eine kleine, pelagische Fischart, die in ozeanischen und mesopelagischen Zonen lebt – meist zwischen der Wasseroberfläche und mehreren hundert Metern Tiefe. Aufgrund seiner geringen Größe, seiner versteckten Lebensweise und der großen Ähnlichkeit mit anderen Arten derselben Gattung gestaltete sich seine Bestimmung historisch als äußerst schwierig.
Eine Gattung voller Geheimnisse
Die Analyse der in internationalen Datenbanken verfügbaren Gensequenzen förderte zutage, dass mehrere, klar voneinander abgrenzbare genetische Gruppen existieren, die vermutlich zu verschiedenen, noch nicht taxonomisch überarbeiteten Arten gehören. Für die Autoren unterstreicht diese Situation den dringenden Bedarf, die Gattung Bregmaceros intensiver zu erforschen, die sich durch eine hohe Diversität und eine komplexe taxonomische Geschichte auszeichnet.
Die Kanaren als Hotspot der Biodiversität
Der Fund unterstreicht einmal mehr die Bedeutung der kanarischen Gewässer als strategisches Gebiet für die Erforschung der marinen Tiefseebiodiversität. Möglicherweise hängt die Strandung des Exemplars auf Teneriffa mit besonderen ozeanografischen Prozessen des Archipels zusammen, wie der Forscher Bañón andeutet: „Denkbar ist die Interaktion von Meereswirbeln, Auftriebsgebieten und lokalen Strömungen, die mesopelagische Organismen gelegentlich in Küstennähe treiben.“
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