Aufbereitet mit Hilfe künstlicher Intelligenz auf Grundlage spanischsprachiger Informationen. Quelle unter dem Artikel.
Der „Tarifazo“ bleibt aus: Aena darf Gebühren kaum erhöhen
Der von Aena geplante „Tarifazo“ – die drastische Gebührenerhöhung – ist vom Tisch. Zumindest fast. Die Regierung von Pedro Sánchez hat die Forderungen des Flughafenbetreibers ignoriert und die durchschnittliche Tarifsteigerung für die Jahre 2027 bis 2031 auf jährlich 0,33 Prozent begrenzt. Das entspricht rund drei Cent pro Passagier und Jahr – und liegt damit weit entfernt von den 3,82 Prozent (43 Cent), die das teilprivatisierte Unternehmen angestrebt hatte. Die Entscheidung beruhigt die Fluggesellschaften nach sieben Monaten erbitterten Ringens mit dem halbstaatlichen Konzern unter dem Vorsitz von Maurici Lucena. Sie beruhigt auch den Tourismussektor und die Kanarische Regionalregierung.
DORA III: Die neuen Regeln für fünf Jahre
Der Ministerrat verabschiedete am Dienstag das dritte Dokument zur Flughafenregulierung (DORA III), das für die kommenden fünf Jahre gilt. Die durchschnittliche Gebühr wird im kumulierten Zeitraum der nächsten fünf Geschäftsjahre um 1,65 Prozent steigen. Die ersten Erhöhungen greifen ab März 2027 und beziehen sich auf die bereits in diesem Jahr geltenden 11,02 Euro maximalen adjustierten Einnahmen pro Passagier. In der Praxis friert die Regierung in Madrid die Preise, die Aena den Fluggesellschaften für die Nutzung ihrer Anlagen in Rechnung stellt, damit nahezu vollständig ein.
Eine Korrektur von Aenas Fahrplan
Die Vereinbarung stellt eine grundlegende Korrektur des im vergangenen Februar von Aena vorgelegten Fahrplans dar. Der Betreiber – bis zu 49 Prozent seines Kapitals befinden sich in privater Hand – hatte damals eine jährliche Erhöhung von 3,82 Prozent vorgeschlagen, gestützt unter anderem auf eine Verkehrswachstumsprognose von 1,3 Prozent. Die Fluggesellschaften kritisierten, diese Berechnung unterschätze die Passagierentwicklung und überbewerte sowohl die Betriebskosten als auch die vom Unternehmen geforderte Rentabilität.
Besonders brisant für die Kanaren
Der Vorschlag stieß besonders auf den Kanaren auf heftigen Widerstand. Die Inselflughäfen gehören zu den rentabelsten des Netzes und sind zugleich eine unverzichtbare Infrastruktur für die Mobilität der Residents, den territorialen Zusammenhalt und ihre wichtigste Wirtschaftsbranche: den Tourismus. Die Regionalregierung forderte sogar eine Einfrierung der Tarife und stellte infrage, dass die Inselflughäfen eine weitere Erhöhung tragen sollten, um den Erhalt des Gesamtsystems mitzufinanzieren.
Kanarische Regierung spricht von „guter Nachricht“
Diesmal fällt die Reaktion der Kanarischen Regierung freilich ganz anders aus. Die Regionalministerin für Präsidentschaft, öffentliche Verwaltung, Justiz und Sicherheit, Nieves Lady Barreto, bezeichnete die Vereinbarung als „gute Nachricht“. Der Unterschied zwischen dem von Aena Geforderten und dem von Madrid Genehmigten beträgt fast dreieinhalb Prozentpunkte pro Jahr – eine Erleichterung für die Fluggesellschaften und für ein Gebiet, das wie kein anderes in Spanien vom Luftverkehr abhängig ist.
Zwischen Wettbewerbsbehörde und Betreiberinteressen
Die Entscheidung der Zentralregierung orientiert sich zudem viel stärker an den Kriterien der Nationalen Kommission für Märkte und Wettbewerb (CNMC) als an den Wünschen von Aena. Die CNMC hatte im Juni eine jährliche Senkung von 0,59 Prozent vorgeschlagen, nachdem sie die Verkehrswachstumsprognose von 1,3 auf 2,2 Prozent angehoben und die vom Verwalter des nationalen Flughafennetzes veranschlagten Betriebskosten um 741 Millionen Euro reduziert hatte. Madrid entschied sich schließlich für einen Mittelweg: Aena verlangte eine Erhöhung der Gebühren um 3,82 Prozent, die Fluggesellschaften verteidigten eine Senkung um 4,9 Prozent, die Wettbewerbsbehörde empfahl eine Reduzierung um 0,59 Prozent – und die Regierung beschloss eine Erhöhung um 0,33 Prozent.
Prognose: 358 Millionen Passagiere bis 2031
Das Ministerium rechnet nun mit einem durchschnittlichen jährlichen Passagierwachstum von 1,8 Prozent und erwartet, dass das Netz im Jahr 2031 die Marke von 358 Millionen Nutzern überschreitet – gegenüber den ursprünglich von Aena geschätzten 346,7 Millionen. Der Dachverband der Fluggesellschaften (ALA) begrüßt, dass die Zentralregierung die Forderungen des Betreibers gebremst hat, bedauert jedoch, dass die von den Unternehmen geforderte Senkung nicht akzeptiert wurde. Ryanair, die während des Konflikts am kämpferischsten auftrat und sogar einige kleinere spanische Flughäfen aufgegeben hat, feiert die letztlich vom Gobierno getroffene Entscheidung ebenfalls, ist allerdings der Ansicht, dass diese eine „Gelegenheit“ verpasst habe, den Verkehr, den Tourismus und die Beschäftigung durch eine Tarifsenkung anzukurbeln.
Der Streit um die Mitverwaltung geht weiter
Auf den Kanaren endet die Diskussion jedoch nicht bei den Tarifen. Die Regierung von Fernando Clavijo hält an ihrer Forderung fest, an der Verwaltung der acht Inselflughäfen beteiligt zu werden, um damit Artikel 160 des Autonomiestatuts vollständig Wirksamkeit zu verleihen. Barreto betonte erneut, die Inseln könnten sich nicht darauf beschränken, zu in Madrid erstellten Dokumenten Stellungnahmen abzugeben. Die Erhöhung ist entschärft – doch der Kampf um die Mitverwaltung bleibt offen.
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