Aufbereitet mit Hilfe künstlicher Intelligenz auf Grundlage spanischsprachiger Informationen. Quelle unter dem Artikel.
27 Tage Albtraum: 83 Tote bei Irrfahrt im Atlantik vor Gran Canaria
Eine fast einmonatige Irrfahrt über den Atlantik ist mit einer erneuten Tragödie auf der tödlichsten Migrationsroute der Welt zu Ende gegangen. Ein mit 128 Menschen besetztes Holzboot, das am 7. August von Gambia aus in Richtung Kanarische Inseln aufgebrochen war, wurde am Donnerstag vor der Küste Gran Canarias entdeckt. Nur 45 Menschen überlebten die Extremreise, die von Hunger, Qual und Tod geprägt war.
Leichen an Bord: Rettungskräfte stehen vor grausiger Bilanz
Die Überreste von 83 Menschen, darunter eine Babyleiche und drei tote Frauen, konnten nicht geborgen werden. Die meisten Opfer starben während der tagelangen Irrfahrt und wurden den Wellen übergeben. Fünf Leichen lagen noch an Bord des Cayucos, als ein Aufklärungsflugzeug der spanischen Seenotrettung (Salvamento Marítimo) das Boot rund 120 Kilometer südlich von Gran Canaria ortete. Als die Rettungskräfte schließlich das Fischerboot erreichten, verhinderte der raue Seegang eine schnelle Überführung der Toten an Land. Sie mussten vorerst an Bord bleiben, während sich die Helfer auf die Versorgung der Überlebenden konzentrierten.
Die Überlebenden wurden in den frühen Morgenstunden an den Hafen von Arguineguín gebracht. Drei von ihnen befanden sich in einem so kritischen Zustand, dass sie per Helikopter in Krankenhäuser in Las Palmas de Gran Canaria geflogen werden mussten – zwei ins Hospital Doctor Negrín, einer ins Hospital Insular. Die übrigen 42 Migranten kamen gegen 3:30 Uhr völlig entkräftet an Land. „Die Überlebenden waren in einem sehr schlechten Zustand: Erschöpfung, Müdigkeit und Dehydrierung“, schildert José Antonio Rodríguez, Leiter der Notfallhilfe des Roten Kreuzes auf den Kanaren. „Sie wussten nicht einmal mehr, wie viele Tage sie auf See waren – es waren so viele. Sie erzählten, dass sie Salzwasser getrunken hatten.“
Zusammenbruch am Hafen: Retter kämpfen mit den Folgen der Qualreise
Die Szenen am Ankunftspunkt waren erschütternd: Als Polizisten die Personalien der Migranten aufnehmen wollten, brachen einige vor Erschöpfung buchstäblich über den Tischen zusammen. Sechs der Geretteten mussten wegen schwerer Dehydrierung, Verwirrtheit und Symptomen, die auf die Aufnahme von Salzwasser hindeuten, in Krankenhäuser gebracht werden. Zwei erlitten zudem Verletzungen. Alle Überlebenden sind männlich und stammen aus Gambia und Mali.
Motorpanne als Auslöser? NGO vermutet technischen Defekt
In Gambia, dem Ausgangspunkt der tragischen Reise, wird das Unglück mit großer Anteilnahme verfolgt. Erste Erkenntnisse deuten auf einen Motorschaden hin, der das Boot manövrierunfähig machte und die fast 27-tägige Drift im Atlantik auslöste. Ebrima Drammeh von der NGO „Migrants Situation Gambia“ sprach von einer „weiteren verheerenden Tragödie, die gambische Migranten betrifft“. Über soziale Medien teilte er ein Bild des Bootes von vor der Abfahrt und schickte den Angehörigen der Opfer sein Beileid: „Jetzt bleiben Familien ohne Antworten zurück.“
Kein Einzelfall: Die jüngste Tragödie in einer langen Kette
Dieser Vorfall ist kein Einzelfall. Erst Ende Juli hatte ein ähnliches Drama die Kanaren erschüttert: Ein Cayuco, der zwei Wochen auf See getrieben war, forderte rund 150 Todesopfer. Auch diese Reise war in Gambia gestartet. Das Land hat sich angesichts der verstärkten Grenzkontrollen in Mauretanien und anderen Staaten der Region zu einem der wichtigsten Ausgangspunkte für die gefährliche Überfahrt entwickelt.
Rückgang der Zahlen, aber nicht der Toten: Route wird tödlicher
Obwohl die Zahl der Ankünfte auf der Atlantikroute nach offiziellen Angaben des Innenministeriums in diesem Jahr deutlich gesunken ist – zwischen Januar und August 2026 erreichten 6.963 Menschen die Inseln, ein Rückgang von 57,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum –, ist die Route nicht sicherer geworden. Ganz im Gegenteil: Sie ist tödlicher geworden. Die Menschenrechtsorganisation Caminando Fronteras beziffert in ihrem Bericht „Monitoreo del derecho a la vida 2026“ die Zahl der Todesopfer in den ersten fünf Monaten des Jahres auf 635. Zwar ist auch diese Zahl gesunken (2025 waren es im gleichen Zeitraum 1.930), aber die Rate ist alarmierend: Während die Ankünfte um 72,1 Prozent zurückgingen, sanken die Todesfälle nur um 57,2 Prozent.
Die Statistiken zeigen eine grausame Entwicklung: Starb 2025 noch etwa eine von 14 Personen pro 100 Ankünften, so war es 2026 bereits eine von fünf. Die Dunkelziffer dürfte noch höher liegen, da viele Boote verschollen bleiben und nie eine Spur von ihnen gefunden wird. Ihre Insassen und ihr Schicksal bleiben unbekannt.
Empörung und Trauer: Kanaren-Präsident fordert Umdenken in Europa
Der Präsident der Kanarischen Inseln, Fernando Clavijo, zeigte sich nach dem jüngsten Unglück tief betroffen und richtete deutliche Worte an Madrid und Brüssel. „Es ist unerträglich, dass weiterhin Leben verloren gehen. Die Kanaren dürfen sich nicht daran gewöhnen, dass der Atlantik eine Todesroute ist. Spanien braucht eine staatliche Migrationspolitik, und Europa muss seiner Verantwortung endlich gerecht werden. Wir dürfen Migration nicht weiter von Krise zu Krise verwalten. Es geht um Leben und Würde“, schrieb er in den sozialen Medien.
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