sonnenfinsternis kanaren 12 august 2026

Eclipse am 12. August: Kanaren rüsten sich für das Himmelsspektakel

Ein „Biss“ in die Sonne: Kanaren im Eclipse-Fieber

Die partielle Sonnenfinsternis am 12. August ist das astronomische Ereignis des Jahres – und die Kanaren sind in heller Aufregung. Zwar wird der Mond der Sonne auf dem Archipel nur einen „Biss“ verpassen und sie nicht vollständig verdecken, dennoch ist die Vorfreude riesig. Schließlich gab es ein vergleichbares Phänomen in den letzten zwei Jahrzehnten nicht. Die Begeisterung ist so groß, dass in den vergangenen Tagen tausende Menschen die Wissenschaftsmuseen der Kanaren stürmen, um das unverzichtbare Utensil für die Beobachtung zu ergattern: eine zertifizierte Sonnenfinsternis-Brille.

Allein am Museo de la Ciencia y el Cosmos auf Teneriffa wurden am vergangenen Wochenende alle 2.000 zur Verfügung stehenden Brillen an Besucher ausgegeben. Auch das Elder Museum of Science and Technology auf Gran Canaria, das erst heute damit begonnen hat, rund 4.000 Brillen als Geschenk zum Kauf einer Eintrittskarte zu verteilen, verzeichnet einen deutlichen Anstieg der Besucherzahlen.

Brillen vergriffen: Ansturm auf die Museen

„Es ist der Wahnsinn, in nur zwei Tagen waren alle Brillen weg, obwohl wir gar nicht so viel Werbung gemacht haben“, staunt Antonia Varela, Direktorin des Museo de la Ciencia y el Cosmos. Auch Gregorio de La Fuente vom Elder Museum bestätigt den spürbaren Ansturm: „Die Brillen werden rasant verteilt“, so de La Fuente, der betont, dass viele Besucher gezielt wegen dieser Brillen kommen.

Beide Institutionen – sowie das kleine Museum „Ojos al cielo“ in Los Cancajos auf La Palma – beteiligen sich an einer Initiative der ONCE-Sozialgruppe und des spanischen Ministeriums für Wissenschaft, Innovation und Universitäten. Ziel der Kampagne „Una vista única. Cuídala“ (Ein einzigartiger Blick. Schütze ihn) ist es, zwei Millionen Brillen kostenlos zu verteilen, um das Naturschauspiel sicher zu genießen. Die ONCE-Sozialgruppe steuert 1,7 Millionen Exemplare bei, das Wissenschaftsministerium über die Spanische Stiftung für Wissenschaft und Technologie (FECYT) die restlichen 300.000. Von diesen sind über 6.000 Stück auf den Kanaren angekommen.

Für Varela ist das große Interesse der Bevölkerung ein „Zeichen der Erwartung“, das der Eclipse auf dem Archipel erzeugt. „Auch wenn auf den Inseln keine totale Sonnenfinsternis zu sehen sein wird, ist es doch eine partielle, bei der 70 Prozent der Sonne bedeckt werden. Das erzeugt einen Effekt, den man unbedingt gesehen haben sollte“, betont die Direktorin des tinerfeñischen Museums.

Brille teilen, sparen und sicher beobachten

Angesichts der großen Nachfrage hat de La Fuente einen praktischen Tipp: „Die Brille kann man problemlos mit Familienmitgliedern oder Freunden teilen – der Eclipse dauert ja immerhin zwei Stunden.“ Alternativ sind die zertifizierten Brillen auch in großen Supermärkten erhältlich und kosten dort nur rund 1,50 Euro. Wichtig ist jedoch: Auch mit Brille sollte man das Schauspiel nicht ununterbrochen und zu lange beobachten.

Das Elder Museum hat zusätzlich ein Kontingent an Brillen zurückgelegt, die am 12. August selbst kostenlos verteilt werden. Dies geschieht im Rahmen der Aktion „Atalayas cósmicas“ (Kosmische Wachtürme), einer Beobachtungsveranstaltung, die auf allen Inseln stattfindet.

„Atalayas cósmicas“: Sternstunden auf allen Inseln

Organisiert werden öffentliche Beobachtungspunkte in Tejeda (Gran Canaria), Playa de San Juan (Teneriffa), La Santa (Lanzarote), El Cotillo (Fuerteventura), Valle Gran Rey (La Gomera), Tazacorte (La Palma), La Frontera (El Hierro) und Caleta de Sebo (La Graciosa). Ein Team von Experten wird dort Wissenswertes über die Natur von Finsternissen erklären, die verschiedenen Phasen erläutern und die Besucher bei der Beobachtung begleiten.

Solche gemeinschaftlichen Beobachtungs-Events sind auch der Grund, warum auf Teneriffa so viele Brillen in so kurzer Zeit verteilt wurden. Die Insel bietet zusätzlich ein besonderes Highlight: Im Parque del Montillo in La Matanza de Acentejo verwandelt der Veranstalter CIT Nordeste ein astronomisches Treffen in ein wahres Fest für die Wissenschaft. Neben Vorträgen zur Astronomie und einer gemeinsamen Beobachtung des Eclipses warten Live-Musik, Verkostungen lokaler Produkte und eine Auswahl an Foodtrucks auf die Gäste.

Augenschutz: Diese Regeln retten Ihre Sehkraft

Bei der Beobachtung einer Sonnenfinsternis ist die richtige Ausrüstung überlebenswichtig. Es dürfen ausschließlich zertifizierte Eclipse-Brillen mit der Norm ISO 12312-2 verwendet werden, die zudem nicht abgelaufen sein dürfen. Vor dem Gebrauch sollte man die Brille gegen das Licht halten und prüfen, ob sie zerkratzt, gerissen, durchlöchert oder anderweitig beschädigt ist. Bei jedem noch so kleinen Defekt: nicht benutzen!

Die Anwendung selbst erfordert Disziplin: Die Brille aufsetzen, bevor man zur Sonne blickt, nur für wenige Sekunden schauen und dann den Blick wieder senken. Diese Vorgehensweise sollte man immer mit Pausen wiederholen. Die Brille darf erst abgenommen werden, nachdem man den Blick von der Sonne abgewendet hat.

Absolut tabu ist der Blick durch Ferngläser, Teleskope oder Kameras – selbst mit Brille –, solange kein professioneller Sonnenfilter vor der Frontlinse montiert ist. Die direkte Sonneneinstrahlung kann irreversible Schäden an den Augen verursachen, die zunächst unbemerkt bleiben.

Die Gefahr ist tückisch: Während einer Finsternis reduziert sich das Licht, wodurch sich die Pupille weitet. Dadurch dringt eine noch größere Menge an Strahlung ins Auge ein. Dies kann eine sogenannte Sonnen-Retinopathie auslösen – eine Schädigung der Netzhaut, die besonders die Makula trifft, die Zone des schärfsten Sehens. Der Schaden entsteht ohne Schmerz und ohne unmittelbare Symptome, sodass man die Verletzung im Moment der Beobachtung oft gar nicht bemerkt.

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