Saharastaub erreicht den Archipel
Die Kanarischen Inseln bekommen es in den kommenden Stunden mit einer neuen Calima-Welle zu tun. Eine Luftmasse voller Saharastaub aus Nordafrika zieht über den Atlantik und wird den Himmel über dem Archipel eintrüben. Zwar liegt der Staub hauptsächlich in höheren Luftschichten, doch die Sicht wird merklich schlechter. Parallel dazu steigen die Temperaturen an, und in einigen Regionen sind kräftige Windböen zu erwarten.
So breitet sich die Calima aus
Die Staubwolke zieht von Osten nach Westen. Die ersten Inseln, die sie erreicht, sind Gran Canaria, Fuerteventura, Lanzarote und La Graciosa – schließlich liegen sie dem afrikanischen Kontinent am nächsten. Bereits am heutigen Montagnachmittag breitet sich die Calima auf den Rest des Archipels aus. Am morgigen Dienstag ist dann die gesamte Inselgruppe betroffen. Der Spuk hält voraussichtlich bis Mittwoch an. Dann beginnt die Staubzunge sich bereits in den frühen Morgenstunden Richtung Süden zurückzuziehen.
Hitzeschub nach milden Tagen
Bislang blieb der Archipel von der ersten großen Hitzewelle des Sommers verschont, die andere Teile Spaniens und Europas heimgesucht hat. Dank des Azorenhochs und verstärkter Passatwinde lagen die Höchsttemperaturen in den letzten Tagen auf den Kanaren meist bei angenehmen 25 Grad. Doch damit ist jetzt Schluss. Mit dem Wochenstart kurbelt eine veränderte Höhenwindströmung den Zustrom heißer Luft aus der Sahara an. Besonders am Montag und Dienstag wird es merklich wärmer, mit Spitzenwerten von über 30 Grad in den windabgewandten Lagen. In den südlichen Regionen Gran Canarias, die der Hitze besonders ausgesetzt sind, werden sogar 38 bis 39 Grad erwartet. Auch in anderen, vor Süd- und Westwind geschützten Gebieten der Inseln sind mehr als 34 Grad möglich. Die höchsten Temperaturen werden in mittleren Höhenlagen und im Landesinneren erreicht, wo die heiße, trockene Luft länger erhalten bleibt.
Vorsicht: Hohe Brandgefahr
Die Mischung aus großer Hitze, niedriger Luftfeuchtigkeit und starkem Wind ist brandgefährlich. Die Behörden appellieren an die Bevölkerung, in Wäldern und Naturschutzgebieten äußerste Vorsicht walten zu lassen, denn das Risiko von Waldbränden steigt massiv.
Der spanische Wetterdienst Aemet hat bereits gelbe Warnungen vor starkem Wind herausgegeben. Auf La Gomera sind Böen von bis zu 90 km/h möglich. Auch im Kanal zwischen Teneriffa und Gran Canaria bläst der Nordostwind kräftig mit 50 bis 60 km/h. Das kann das Fahren auf exponierten Straßen und Aktivitäten im Freien beeinträchtigen. Auch die See wird rauer. Die stärksten Böen treten erfahrungsgemäß dort auf, wo die Topografie der Inseln den Wind beschleunigt, vor allem an den Südost- und Nordwesthängen der höheren Inseln.
Auch wenn der Staub sich vor allem in der Höhe konzentriert und die Luftqualität insgesamt als akzeptabel eingestuft wird, kann die Calima für empfindliche Menschen Probleme bereiten. Die Schwebeteilchen reizen die Augen, die Nase und den Rachen und können Husten oder Kurzatmigkeit auslösen. Besonders feine Partikel dringen tief in die Atemwege ein und verschlimmern Erkrankungen wie Asthma, COPD oder Herz-Kreislauf-Leiden. Daher wird gefährdeten Personen geraten, körperliche Anstrengungen im Freien zu vermeiden, Fenster geschlossen zu halten und bei Aufenthalten im Freien eine FFP2-Maske zu tragen, wenn die Belastung besonders hoch ist.
Am Dienstag ist die Staubwolke über dem gesamten Archipel präsent. Ab Mittwoch zieht sie dann langsam nach Süden ab, und die Sicht sowie die Luftqualität bessern sich zunehmend. Bis dahin bleibt der Himmel weißlich oder gelblich verfärbt, und in den hitzebetroffenen Gebieten ist die gefühlte Temperatur noch einmal höher. Die allgemeine Empfehlung lautet: die offiziellen Wettervorhersagen verfolgen, körperliche Anstrengung in den heißesten Stunden meiden und besonders auf Kinder, ältere Menschen sowie Personen mit Atemwegserkrankungen oder solche, die im Freien arbeiten, Acht geben.

