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Bio-Konsum auf den Kanaren wächst, liegt aber unter dem Schnitt

Bio-Konsum auf den Kanaren: Aufholbedarf bei wachsendem Markt

Der Konsum von ökologischen Produkten auf den Kanarischen Inseln gewinnt an Stärke, liegt jedoch weiterhin deutlich unter dem nationalen Durchschnitt. Während in Spanien durchschnittlich 66 Euro pro Kopf für Bio-Lebensmittel ausgegeben werden, sind es im Archipel nur 33 Euro – also gerade einmal die Hälfte. Diese Differenz zeichnet ein klares Bild: Zwar festigt sich der ökologische Konsum auf den Inseln, aber das Tempo ist langsamer als im Rest des Landes. Dass man dennoch nur knapp unter dem Schnitt liegt, zeigt aber auch ein erhebliches Wachstumspotenzial für den Bio-Markt auf den Kanaren.

Flächennutzung und Kaufkraft als entscheidende Faktoren

Laut dem Bericht „Produktion und ökologischer Konsum in Spanien“ von Ecovalia greifen in Spanien zwei von drei Haushalten zu Bio-Lebensmitteln. Während im mediterranen Raum – besonders in Andalusien und Murcia – über 30 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche für den ökologischen Landbau verwendet werden, sind es auf den Kanaren 14 %. Damit befindet sich der Archipel in der nationalen Rangliste im oberen Mittelfeld. Einer der Hauptgründe für die regionale Diskrepanz ist die Kaufkraft. Obwohl die Zahl der Hektar für Bio-Produktion gestiegen ist – trotz „gewisser Defizite“ –, bleibe der Konsum durch die wirtschaftlichen Bedingungen der Inselbewohner begrenzt, erklärt Víctor Afonso, Leiter des Ladens „La Acequia – Alimentación ecológica“.

Wissenslücke und Zielgruppe: Über 50 mit gutem Einkommen

Hinzu komme mangelndes Wissen: „Trotz aller Bemühungen, über den Konsum von Bio-Produkten aufzuklären, ist das Wissen in Regionen mit größerer Tradition wie Katalonien, Andalusien, Valencia und dem Norden historisch gewachsen. Dort wird schon länger ökologisch angebaut, es gibt sogar universitäre Ausbildungsgänge, und diese Art der Landwirtschaft ist gesellschaftlich viel stärker verankert“, so Afonso. Der Bericht spiegelt diese Realität wider: Über 70 % der Ausgaben für Bio-Produkte entfallen auf Personen über 50 Jahre, vor allem auf Paare mit mittlerem bis hohem Einkommen und Haushalte von Rentnern. „Die wirtschaftlichen Umstände der Kanaren führen dazu, dass der Konsum auf diejenigen mit mittlerem bis höherem Einkommen beschränkt ist. Und obwohl Bio-Kost nicht so teuer ist, wie viele denken, hält sich das Gefühl, dass es teuer ist“, fügt Afonso hinzu.

Preisstabilität und höhere Wertschöpfung als Vorteile

Francisco Armas, Inhaber von „Zanahoria Bioglobal“, teilt diese Einschätzung: „Der steigende Konsum von Bio-Produkten ist dem Erwachen des Verbraucherbewusstseins geschuldet. Die Menschen interessieren sich immer mehr für ihre Gesundheit und einen gesünderen Lebensstil.“ Die Preise für Bio-Produkte im Vergleich zu konventionellen können erheblich schwanken. Der konventionelle Markt unterliegt starken Schwankungen, während Bio-Produkte tendenziell stabilere Preise über das Jahr hinweg aufweisen. Tatsächlich können lokal angebaute Bio-Gemüse zu bestimmten Zeiten sogar günstiger sein als konventionelle Ware, da Letztere viel stärkere Preisschwankungen erfährt. Die aktuelle geopolitische Lage mit Knappheit bei Erdöl – eng verbunden mit Düngemitteln – lasse Preiserhöhungen bei konventionellen Produkten erwarten, während Bio-Preise stabiler blieben.

Einer der wichtigsten Vorteile, so Afonso, sei die Wertschöpfung von Bio-Obst und -Gemüse in der Küche: „Auch wenn der Preis leicht höher sein mag, der Verlust im Haushalt, also die Abfallmenge, ist viel geringer. Am Ende ist es also rentabler.“ Hinzu kämen die positiven Effekte für Umwelt und Gesundheit, da „konventionelle Lebensmittel Pestizide und chemische Dünger verwenden“, während Bio-Produkte natürlicher und nachhaltiger hergestellt würden.

Schwächepunkt: Geringer Anteil an ökologischer Tierhaltung

Der Bericht, der den Umsatz im Bio-Lebensmittelmarkt auf etwa 3.250 Millionen Euro schätzt, führt das Wachstum auf eine Kombination aus sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Faktoren zurück. Dazu gehören eine auf Qualität ausgerichtete Ernährungstradition, die Vorliebe für lokale Produkte und ein höheres Bildungsniveau, das das Umweltbewusstsein fördert. In ihrem Einkaufskorb bewerten Bio-Konsumenten Qualität über Preis. Obwohl pflanzliche Produkte 67,7 % des Gesamtvolumens ausmachen, entfällt mehr als die Hälfte der Ausgaben (51,4 %) auf tierische Produkte. Bei Letzteren steht das Tierwohl im Fokus. Ein Schwachpunkt der Kanaren ist dabei die ökologische Tierhaltung, die mit nur 0,84 % am nationalen Gesamtbestand kaum ins Gewicht fällt. Diese Zahl macht deutlich, dass der Archipel im Vergleich zu anderen autonomen Gemeinschaften einen sehr kleinen ökologischen Viehzuchtsektor hat: Andalusien beispielsweise vereint 56 % der spanischen Bio-Tierhaltung auf sich.

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