„Das ist unkontrollierbar“ – Der wachsende Widerstand gegen Großfeste
„Das ist unkontrollierbar, und was man nicht kontrollieren kann, darf man nicht tolerieren, man muss es verbieten.“ Mit diesen Worten brachte Julia Martínez, die Vorsitzende des Einzelhändlerverbands im Zentrum von Valencia, diese Woche die Frustration zum Ausdruck, die viele Anwohner angesichts der Belästigungen durch die Fallas in der valencianischen Hauptstadt empfinden. Große Volksfeste in urbanen Gebieten haben immer mehr Gegner, und das Urteil gegen die Feierlichkeiten des Karnevals von Las Palmas de Gran Canaria in La Isleta ist eines der deutlichsten Beispiele für den zunehmenden Konflikt zwischen dem Recht auf Ruhe und dem Recht auf Vergnügen. Dieser Konflikt hat auch den Karneval von Santa Cruz de Tenerife in Atem gehalten.
Präzedenzfall auf Gran Canaria: Gericht gibt Anwohnern Recht
Das Verwaltungsgericht Nummer 5 von Las Palmas de Gran Canaria hat diese Woche ein Urteil gefällt, in dem es elf Anwohnern aus dem Viertel Puerto Recht gab. Diese hatten die Karnevalsfeiern des Jahres 2024 auf den Plätzen La Luz, Manuel Becerra und Los Patos angezeigt. Obwohl die Stadtverwaltung bereits angekündigt hat, gegen den Beschluss Berufung einzulegen, verbietet dieser vorerst die erneute Nutzung dieser Flächen für die Festlichkeiten. Zudem sprach das Gericht den Klägern eine Entschädigung von 2.000 Euro pro Person und Tag zu.
Dies ist nicht der einzige Rückschlag für den Karneval in den letzten zwei Jahrzehnten, der die Bereiche in der Stadt, in denen auf der Straße gefeiert werden darf, immer weiter einschränkt – paradoxerweise wurde in diesem Jahr das 50-jährige Jubiläum des Festes in Freiheit nach dem Verbot während der Diktatur begangen. Doch Tatsache ist, dass der Protest gegen Massenveranstaltungen und die Einschränkungen des Nachtlebens in spanischen Städten immer häufiger werden.
Valencias Fallas: Vom Fest des „Kollaps“ und „Sauf-Tourismus“
Der Fall der Fallas von Valencia ist der jüngste. In den letzten zwei Wochen waren die Straßen und Plätze der Hauptstadt der Region Valencia besetzt von Böllerschüssen, Open-Air-Partys und Festzelten. Tausende Menschen, Einheimische wie Besucher, haben die Stadt in diesen Tagen überfüllt. Eine Situation, die bei den Bewohnern der betroffenen Zone – zumindest bei einem Teil von ihnen – zu zahlreichen Belästigungen führte: Lärm, Dreck, Einschränkungen der Bewegungsfreiheit. Anwohner- und Händlervereinigungen haben ihren Unmut bereits öffentlich kundgetan und erklärten, die Lösung für den Lärm und die „unerträgliche Auswüchse“ liege in einem Verbot und der Verlegung der Partys aus den Innenstadtstraßen. „Die Feste des Kollaps“, so bezeichnete es der Oppositionssprecher im Stadtrat von Valencia am Freitag. Eine Situation, die nach Ansicht vieler Bewohner in diesem Jahr durch den „Sauf-Tourismus“ eskalierte.
Wirtschaftsfaktor vs. Lebensqualität: Ein unlösbarer Konflikt?
Ähnlich wie der Karneval der grancanarischen Hauptstadt sind die Fallas von Valencia Feste von internationalem touristischem Interesse. In einem Land wie Spanien, dessen Wirtschaft stark auf den Tourismus ausgerichtet ist, ziehen diese Feste massenhaft immer mehr Publikum aller Art an. Dies geschieht in einer Zeit, in der das Bedürfnis, an allen möglichen Events teilzunehmen – ein unter Jugendlichen als ‚Fomo‘ (Fear of missing out) bekannter Trend –, die alternde Bevölkerung und veränderte Gewohnheiten zusammenkommen. All dies hat einen Cocktail geschaffen, der Feierlichkeiten infrage stellt, die bis vor wenigen Jahren noch unantastbar schienen.
Diese Art von Festen stellt das Recht auf Ruhe infrage, generiert aber gleichzeitig Wirtschaftskraft. Allein der Karneval der Hauptstadt Gran Canarias bringt einer Berechnung der Universität von Las Palmas (ULPGC) zufolge einen wirtschaftlichen Rückfluss von 40 Millionen Euro. Neben ausgebuchten Hotels und Konsum in Bars und Restaurants verdienen mehr als 70 Gruppen, darunter Orchester und DJs, im Februar ihr Jahresgehalt.
Eine landesweite Bewegung: Von Madrid bis Cádiz
Der Karneval von Las Palmas de Gran Canaria, dessen Ausgaben seit 2002 Gegenstand von Gerichtsverfahren sind, ist nicht das einzige Massenfest, das bereits Urteile gegen sich hat. 2015 gab die Justiz Anwohnern des Madrider Viertels Chueca wegen der Menschenansammlungen und des Lärms auf dem gleichnamigen Platz während der LGTBIQ+-Pride-Eröffnungsrede Recht. Seit 2016 finden die Veranstaltungen auf dem größeren Pedro-Zerolo-Platz statt. Im vergangenen Dezember kündigten Anwohner in Vigo an, die Belästigungen durch das „Chaos“ der Weihnachtsfeierlichkeiten gerichtlich anzufechten. Die großen Besuchermassen, die Lichter, der Lärm und die Mobilitätseinschränkungen seien immer spürbarer, so ihre Klage. Den Anwohnern zufolge ignoriert die Stadtverwaltung von Vigo die Dezibel-Grenzwerte, da es sich um eine „Akustisch gesättigte Zone“ (ZAS) handele.
Einen Prozess gegen Weihnachtsfeiern haben Anwohner im toledanischen Dorf Ocaña gewonnen. In diesem Fall finden die Festlichkeiten seit drei Jahren nicht mehr auf dem traditionellen Hauptplatz statt, nachdem eine Gruppe von Anwohnerinnen ein Urteil erstritt, das die Gemeinde zur Suche nach einer Alternative zwang. In Andalusien zweifelte der Anwalt Joaquín José Herrera die Zelte des Karnevals von Cádiz an, da sie „gegen das Recht auf Gesundheit und die Unverletzlichkeit der Wohnung“ verstießen. Herrera gehört der Vereinigung „Juristen gegen Lärm“ an, deren Vorsitzende Yomara García ist – die Anwältin, die zwei der Urteile gegen den Karneval von Las Palmas de Gran Canaria erstritt.
Teneriffas Karneval: Tradition und dezentrale Konzerte
Beim Karneval von Santa Cruz de Tenerife haben auch Anwohner des Zentrums versucht, die Straßenfeste zu stoppen. Die Karnevalisten füllen Jahr für Jahr die Straßen der „chicharrera“-Hauptstadt mit Bühnen an verschiedenen Orten wie dem Prinzenplatz oder dem Platz La Candelaria. 2007 wies der Richter den Antrag auf Absage des Festes ab; damals beantragte der Anwalt Felipe Campos die Aussetzung der verschiedenen Open-Air-Veranstaltungen wegen der Belästigungen durch Buden, Bühnen und Bars. Der damalige Bürgermeister von Santa Cruz, Miguel Zerolo, argumentierte, einen anderen Standort für die Feste in diesem Moment zu finden, sei „undurchführbar“, da es keine Alternative gebe. Zudem führte er an, dass der Karneval „schon immer im Zentrum der Hauptstatt gefeiert wurde, es ist eine historische Tradition“. Er brachte jedoch die Uferpromenade ins Spiel, wo heute die größten Konzerte stattfinden.
Trotz dieser Dezentralisierung der Straßenveranstaltungen haben die Kritiken unter den Anwohnern angehalten, auch wenn sie den juristischen Kampf vorerst nicht wiederaufgenommen haben. Die Stadtverwaltung von Santa Cruz hat andere Maßnahmen ergriffen, wie die Begrenzung der Öffnungszeiten, die Einzäunung von Bereichen oder Änderungen bei der Ausrichtung der Lautsprecher. Maßnahmen, die die meisten Städte mit Fest-Problemen kopiert haben und die dennoch weiter zu Beschwerden führen.
„Eine Folter“: Der Ruf nach Korrekturen wird lauter
Genau solche Korrekturmaßnahmen fordern Anwohner in Carabanchel, Madrid, während der San-Isidro-Feste im Mai. Im vergangenen Jahr gründeten sie eine Plattform gegen Lärm, deren Mitglieder die Situation sogar als „eine Folter“ bezeichneten. Auf den Transparenten einer Demonstration während der letzten Ausgabe war zu lesen: „Ja zur Wiese und zur Wallfahrt, nein zu 15 Tagen Vergnügungspark, Riesenkonzerten, Saufmeile und Unzumutbarkeit.“ Diese Aussagen ähneln denen der klagenden Anwohner von La Isleta in Las Palmas de Gran Canaria, die oft wiederholt wurden – sie zeigten die Konzerte an, nicht den Umzug oder die Galas und Wettbewerbe. Und das, obwohl die Stadtverwaltung Maßnahmen ergriffen hat. In diesem Jahr etwa änderten sie die Ausrichtung der Bühnen an der Playa de La Luz und am Markt im Hafen, um den Schall umzuleiten.
Zaragoza mit den Fiestas del Pilar, Bilbao mit der Aste Nagusia, Barcelona während La Mercé und Pamplona mit den Sanfermines sind weitere spanische Städte, in denen Anwohner öffentlich gegen beliebte Volksfeste protestiert haben. Viele haben sich zur Gründung von Anti-Lärm-Plattformen entschlossen. Denn die Lärmbelästigung ist eine Konstante in den Städten, die sich während Volksfesten, die Tausende Menschen mobilisieren, noch verschärft und so das Recht auf Vergnügen und das Recht auf Ruhe gegeneinander ausspielt.

