Kanaren vor Eskalation: Grippe-Szenario 2 droht über Weihnachten
Die Kanarischen Inseln bereiten sich darauf vor, noch während der Weihnachtsfeiertage die Maßnahmen des Grippe-Szenarios 2 zu aktivieren. Dies entspricht einem moderaten Risiko, wie interne Quellen der regionalen Gesundheitsbehörde (Consejería de Sanidad) voraussehen. Grund ist der exponentielle Anstieg der Fallzahlen in den ersten Dezemberwochen – die Zahl der Infektionen hat sich in nur zwei Wochen verdoppelt. Dies deutet darauf hin, dass die Schwelle für den Übergang zum Szenario 2 bald erreicht sein wird. Diese liegt bei 157,42 Fällen pro 100.000 Einwohner. Es würde daher bereits ausreichen, wenn die Ansteckungen in dieser Woche um 25 % zunehmen – in der vergangenen Woche lag der Anstieg bereits bei 68 % –, um restriktivere Maßnahmen zur Eindämmung des Virus in Kraft zu setzen.
Was die Aktivierung des Szenario 2 bedeuten würde
Die Aktivierung des Szenario 2 würde zusätzliche Maßnahmen zur Kontrolle der Ausbreitung dieses Atemwegsvirus mit sich bringen. Konkret würde das Tragen einer Maske in allen Räumen von Gesundheitszentren, Krankenhäusern, Notaufnahmen (CAE) oder Seniorenheimen empfohlen werden. Bislang gilt diese Empfehlung nur für Bereiche, in denen man sich mit vulnerablen Personen aufhalten könnte. Diese Empfehlung würde dann auch auf vulnerable Personen selbst sowie auf Personen mit Symptomen ausgeweitet.
In diesem Szenario könnten sozio-gesundheitliche Einrichtungen die Einschränkung von Besuchen prüfen. In den Krankenhäusern würden die Notfallpläne aktiviert, was eine Erhöhung der Kapazitäten in den Notaufnahmen und auf den Intensivstationen (ICU) bedeuten könnte, falls dies aufgrund des Patientendrucks notwendig wird. In dieser Phase müssten die Krankenhäuser ihre Versorgungskapazitäten und Grundressourcen wie persönliche Schutzausrüstung überprüfen sowie eine Bedarfsprognose und Beschaffung vornehmen.
Koordination und präventive Maßnahmen
Die öffentliche Gesundheitsbehörde (Salud Pública) und die verschiedenen Versorgungsdienste würden sich regelmäßig treffen, um die Entwicklung der Virusübertragung zu bewerten. Zudem würde die frühzeitige Diagnose bei Personen mit Symptomen, die auf eine Atemwegsinfektion hindeuten, gefördert. Es würde auch die Einführung bestimmter nicht-pharmazeutischer Maßnahmen an öffentlich zugänglichen Orten oder an Arbeitsplätzen empfohlen. In diesem Zusammenhang wird eine Verstärkung der Lüftungs-, Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen am Arbeitsplatz sowie das Tragen einer Maske für Personen, die im Publikumsverkehr arbeiten, nahegelegt. Ebenso soll die Förderung von Präventionsmaßnahmen zur Vermeidung von Menschenansammlungen in geschlossenen Räumen vorangetrieben werden.
Noch normale Lage in den Notaufnahmen – mit Ausnahmen
Trotz dieses exponentiellen Anstiegs der Fälle haben sich die Ansteckungen bisher noch nicht in den Notaufnahmen der Krankenhäuser bemerkbar gemacht, die eine „erträgliche“ Woche erlebt haben. Wie Quellen aus dem Gesundheitswesen bestätigen, werden täglich etwa 1.200 und an Wochenenden etwa 900 Personen versorgt. Zahlen, die im normalen Rahmen liegen. Die Mitarbeiter der Krankenhäuser bestätigen dies, fürchten jedoch, dass sich die Situation in den kommenden Wochen verschärfen könnte. „Wir sehen einen praktisch senkrechten Anstieg der Fälle. Aus Erfahrung kann das auf einen sehr harten Monat hinauslaufen, wenn sich der Trend nicht ändert“, verrät ein Mitarbeiter der Notaufnahme des Hospital Universitario Nuestra Señora de Candelaria in Teneriffa.
Obwohl es keinen signifikanten Anstieg der Nachfrage gegeben hat, waren einige Notdienste in der vergangenen Woche überlastet. Dies war der Fall im Hospital Insular de Gran Canaria und im Hospital Universitario de Canarias (HUC) auf Teneriffa, die an einigen Tagen unter Patientenstau litten, weil sie nicht über ausreichende Ressourcen verfügten, um den Dienst zu „entlasten“. Die Ärztegewerkschaft führt dies auf den Mangel an Aufnahmebetten zurück, von denen viele zudem von sozio-gesundheitlichen Patienten belegt seien. „Wenn wir nicht mehr Betten bekommen, wird der Winter sehr schwierig für uns“, bedauert Levy Cabrera, Generalsekretär des Sindicato Médico de Santa Cruz de Tenerife.
Streik als zusätzlicher Belastungsfaktor
Interne Quellen der Gesundheitsbehörde führen die aktuelle Überlastung jedoch hauptsächlich auf den bundesweiten Ärztestreik im Protest gegen das sogenannte „Estatuto Marco“ (Rahmenstatut) zurück. Dieser Streik habe zur Reorganisation vieler Dienste gezwungen und die Reaktionsfähigkeit verringert.

