Schwerer Fall von Tierquälerei auf Gran Canaria aufgedeckt
Die Guardia Civil hat über ihren Natur- und Umweltschutzdienst (Seprona) einen der schwerwiegendsten Fälle von Tierquälerei und -vernachlässigung der jüngeren Zeit auf Gran Canaria unterbunden. Der Einsatz fand auf einem ländlichen Anwesen im Ortsteil Vecindario der Gemeinde Santa Lucía de Tirajana statt, wo die Beamten mehr als dreißig Tiere in kritischem Zustand retteten.
Anonyme Anzeige führt zu grausamem Fund
Die Ermittlungen wurden durch einen anonymen Hinweis am 4. November in Gang gesetzt. Der Anrufer machte auf einen sichtlich kranken und vernachlässigten Einhufer aufmerksam. Bei einer ersten Sichtung von außerhalb des Grundstücks konnte der Seprona bereits die extreme Abmagerung des Tieres sowie ein schwerwiegendes, gesundheitsgefährdendes Überwachsen der Hufe feststellen, das dem Tier das normale Gehen unmöglich machte.
Desaströse Zustände auf der Finca
Die offizielle Durchsuchung erfolgte am 12. Dezember, nachdem die Beamten den mutmaßlich Verantwortlichen für das Anwesen ausfindig gemacht hatten. Im Inneren bot sich ihnen ein erschütterndes Bild: Tiere ohne Futter und Wasser, in einer Umgebung mit gravierenden hygienischen Mängeln und Zuständen, die mit dem Tierwohl absolut unvereinbar waren. Insgesamt fanden die Einsatzkräfte:
- Einen Esel in sehr ernstem Zustand.
- Drei Hunde, von denen zwei an schwerer Unterernährung litten und von Flöhen befallen waren.
- Ein junges Schwein.
- Dreiundzwanzig Vögel und Hühner, unter denen sich drei Kadaver befanden.
- Drei Ziegen, darunter ein Zicklein mit sichtbaren, schweren Verletzungen.
- Ein Pelibuey-Schaf, ebenfalls in schlechtem Gesundheitszustand.
Die Vielfalt der Arten und die Anzahl der Tiere belegten eine Situation lang anhaltender Vernachlässigung, mit einem völligen Fehlen tierärztlicher Versorgung und einer verantwortungslosen Bewirtschaftung des Geländes.
Notfall-Evakuierung und tierärztliche Versorgung
Wegen des lebensbedrohlichen Zustands des Esels forderte der Seprona sofort die Unterstützung einer spezialisierten Tierärztin an. Diese begutachtete die Situation vor Ort und ordnete den sofortigen Transport des Tieres in eine Tierklinik an. Ihr detaillierter Untersuchungsbericht wird eine zentrale Rolle im folgenden Gerichtsverfahren spielen.
Die übrigen Tiere wurden von den Gemeindebehörden in Zusammenarbeit mit Fachdiensten umgesiedelt. Die Hunde wurden in das Tierauffangzentrum (CETA) von Vecindario gebracht, wo sie die notwendige tierärztliche Behandlung und Nahrung für ihre Genesung erhielten.
Festnahme und laufendes Gerichtsverfahren
Die Ermittlungen führten am 25. November zur Identifizierung und Festnahme des mutmaßlich für das Anwesen Verantwortlichen. Ihm wird ein schwerer Fall von Tierquälerei und -vernachlässigung zur Last gelegt. Nach seiner Vernehmung wurde der Mann vorläufig auf freien Fuß gesetzt, steht aber weiter unter richterlicher Aufsicht, während das Verfahren fortgesetzt wird.
Die Bearbeitung des Falls obliegt nun dem Ermittlungsgericht (Juzgado de Instrucción) von San Bartolomé de Tirajana. Das Gericht wird die Beweissammlung fortsetzen, unter anderem durch die Erweiterung des offiziellen tierärztlichen Gutachtens. Dieses Gutachten wird als entscheidend angesehen, um den rechtlichen Umfang der Tat zu bestimmen und eine mögliche Verurteilung vorzubereiten.
