Über 90 Mikrobeben in zwei Tagen registriert
Auf Teneriffa hat die Erde in dieser Woche zwischen Montag und Dienstag kräftig gezittert. Südwestlich der gewaltigen Caldera von Las Cañadas, in der sich der Teide erhebt, registrierten die Messgeräte mehr als 90 kleine Erdbeben. Trotz dieser auf den ersten Blick beeindruckenden Zahl gibt das Kanarische Vulkanologische Institut (Involcan) auf seinen Social-Media-Kanälen Entwarnung: Dieser sogenannte Erdbebenschwarm kündigt keinen bevorstehenden Vulkanausbruch auf Teneriffa an.
Involcan: Ausbruchswahrscheinlichkeit bleibt niedrig
„Dieses seismische Ereignis bedeutet keine Veränderung der Wahrscheinlichkeit für einen Vulkanausbruch, weder kurzfristig noch mittelfristig. Sie bleibt nach wie vor gering“, versichern die Experten von Involcan. Das Institut betont, dass die in den letzten Tagen gemessene Erdbebenaktivität zwar „leicht über dem üblichen Durchschnitt“ liege, dies aber „nicht als ungewöhnlich für die Insel Teneriffa“ angesehen werden könne. Der Wissenschaftler zufolge erreichte das stärkste Beben in dieser Serie eine Magnitude von lediglich 1,8 auf der mbLg-Skala.
Teil des natürlichen Inselverhaltens
Allein im vergangenen Jahr hat das Institut 2.320 Erdbeben lokalisiert, was einem Durchschnitt von etwa 6,35 seismischen Ereignissen pro Tag entspricht. Diese Zahlen zeigen, dass das Auftreten solcher kleiner Erdstöße zum natürlichen Verhalten der Vulkaninsel gehört. Auch bei den mehr als 90 Mikrobeben der letzten Tage weisen die Experten darauf hin, dass deren Magnituden „sehr niedrig“ waren und ihre Herde in einer Zone lagen, in der Erdbeben üblich sind. Dies unterstreiche, dass es sich nicht um ein außergewöhnliches Ereignis handelt.
Ursache: Bewegung hydrothermaler Fluide
Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus der Analyse von Involcan betrifft die Ursache dieser Mikrobeben. Demnach stehen die registrierten seismischen Ereignisse höchstwahrscheinlich in Zusammenhang mit der Bewegung hydrothermaler Fluide – also heißer Wasser- und Gasgemische – im Inneren der Insel. Diese Aktivität ist Teil des „Druckaufbauprozesses im magmatisch-hydrothermalen System, der auf Teneriffa seit Ende 2016 beobachtet wird“.
Langfristige Veränderungen in der Tiefe
Seit Ende 2016 wurden auf Teneriffa etwa 130 solcher Erdbebenschwärme registriert. Parallel dazu gab es „signifikante Anstiege“ bei der diffusen Emission von Kohlendioxid (CO2) aus dem Krater des Teide, wo sich die wichtigsten sichtbaren Manifestationen vulkanischer Gase (Fumarolen) der Insel konzentrieren. „Diese Beobachtungen zeigen deutlich, dass die vulkanische Aktivität Teneriffas in der Tiefe im Laufe der letzten neun Jahre relevante Veränderungen erfahren hat“, so Involcan. Der jüngste Erdbebenschwarm verstärke die Beweislage, dass der Anstieg der vulkanischen Aktivität in der Tiefe der Insel keine Anzeichen eines Nachlassens zeige. Für die Oberfläche und die Bewohner bedeutet dies jedoch weiterhin keine unmittelbare Gefahr.

