Teide zeigt mehr Aktivität – aber keine Anzeichen für eine baldige Eruption
„Es ist zu erwarten, dass es weitere Erdbebenschwärme geben wird und einige Erdbeben möglicherweise auch zu spüren sein könnten.“ Mit diesen Worten hat Itahiza Domínguez, Direktor des Nationalen Geografischen Instituts (IGN), die aktuelle Situation am Teide zusammengefasst. Anlass war die Sitzung des Ausschusses des Sonderplans für Zivilschutz und Notfallversorgung bei vulkanischer Gefahr der Kanarischen Inseln (Pevolca), die aufgrund der gestiegenen Aktivität einberufen worden war. Der Teide zeigt bereits seit Februar verstärkte Regungen. Bei dem Treffen kamen die Wissenschaftler und die Regionalregierung überein, künftig alle drei Monate zusammenzukommen, um die Entwicklung des Vulkans noch enger zu verfolgen. Eine Eruption in kurz- oder mittelfristiger Zukunft schlossen die Experten erneut aus. „Wir sind der Ansicht, dass die Überwachung regelmäßig erfolgen sollte“, betonte Domínguez.
Deutlich mehr Erdbebenschwärme als in den Vorjahren
„Wir registrieren weiterhin eine Aktivität, die über der der vergangenen Jahre liegt“, so Domínguez. Allein in diesem Jahr wurden zehn Erdbebenschwärme westlich von Las Cañadas del Teide registriert. Diese Zahl liegt fast doppelt so hoch wie im Zeitraum zwischen 2016 und 2025, in dem insgesamt nur sechs solcher Schwärme erfasst wurden. Die Aktivität verteilte sich in diesem Jahr auf zwei große Perioden, wobei der Vulkan in den vergangenen sechs Monaten nie ganz zur Ruhe gekommen ist. Die erste Aktivitätsphase ereignete sich zwischen Februar und März. Domínguez sprach hier von einer „bedeutenden Aktivierungsphase“. In dieser Zeit wurden die meisten Schwärme des Jahres registriert – insgesamt sieben an der Zahl. Zudem wurden erstmals seismische Pulse mit sehr niedriger Frequenz festgestellt.
Zwischen April und Mai nahm die Aktivität im Inneren Teneriffas wieder ab und glich lediglich einem Grundrauschen. Der zweite Anstieg folgte dann in den Monaten Juni und Juli, als erneut drei Erdbebenschwärme detektiert wurden. „Jeder von ihnen hatte seine eigenen Besonderheiten und Charakteristiken“, erklärte der IGN-Direktor. Allen Bewegungen sei jedoch gemeinsam, dass sie „mit der Bewegung von Fluiden“ in großer Tiefe zusammenhingen. Seit Ende Juli wurden keine solchen Erdbebenserien mehr unter den Flanken des Teide festgestellt.
Länger und intensiver: Die neuen Schwärme unterscheiden sich
Die neue Aktivität des Teide ist nicht nur ausgeprägter, sie hält auch länger an. „Vor 2026 dauerten die Erdbebenschwärme nur wenige Stunden“, erinnerte Domínguez. In diesem Jahr gab es jedoch Schwärme, die sich über mehrere Tage erstreckten. „Ein Beispiel dafür ist der Schwarm vom 22. Juli, der sich über zwei Tage hinzog.“ Auch die Struktur der Beben hat sich verändert. Waren die Schwärme früher klar einzelne Ereignisse, die nach wenigen Stunden endeten, handelt es sich heute um regelrechte Serien. „Wir hatten einen Schwarm, der einige Stunden dauerte, und dann war Schluss. Jetzt erleben wir Serien von Schwärmen.“
20 Jahre Daten – 100 Jahre Wartezeit
Trotz der erhöhten Aktivität bleibt die Frage, in welchem Stadium sich das vulkanische System Teneriffas befindet, schwer zu beantworten. Der Grund ist ein Mangel an historischen Daten. „Wir wissen, dass das Aktivitätsniveau über dem liegt, was wir zuvor gemessen haben, aber wir müssen bedenken: Wir verfügen über gerade einmal 20 Jahre an Daten, während das Vulkansystem auf Teneriffa statistisch gesehen nur etwa alle 100 Jahre einmal ausbricht“, erläuterte Domínguez. Daher sei es „schwierig zu sagen, ob wir einer Eruption näher sind oder nicht“.
Klar scheint aus wissenschaftlicher Sicht jedoch: Keiner der gemessenen Schwärme erhöht das Risiko einer Eruption in den kommenden Monaten oder Wochen. Allerdings, so betonen die Forscher, könne nie ausgeschlossen werden, dass bereits am nächsten Tag andere, eindeutigere Signale auftauchen. „Besorgniserregend wäre es, wenn wir Ereignisse in geringerer Tiefe, höhere Magnituden und schnelle Bodenverformungen feststellen würden“, sagte Domínguez. Für einen Vulkanausbruch bedarf es laut Domínguez einer magmatischen Intrusion – also eines Aufsteigens von Magma in die Erdkruste. Dies sei bisher nicht geschehen.
Entwarnung: Die Vorwarnzeit beträgt Wochen oder Monate
Domínguez rief angesichts der Zahlen zur Gelassenheit auf: „So etwas kann irgendwann passieren, aber es bleibt genug Zeit, denn eine präeruptive Phase kann Wochen oder sogar Monate dauern.“ Auf La Palma etwa dauerte diese Phase vor dem Ausbruch 2021 nur eine Woche, während sie auf El Hierro im Jahr 2011 mehrere Monate andauerte. Zudem gilt es festzuhalten: Alle Erdbeben, die seit 2016 im Untergrund Teneriffas registriert wurden, hatten eine Magnitude von weniger als 2 und waren von der Bevölkerung nicht zu spüren. Auch die Bodenverformung, die seit 2023 gemessen wird, schreitet nur sehr langsam voran. „Wir haben leichte Veränderungen in der Deformation festgestellt, aber nichts, was von Bedeutung wäre“, fasste der Geophysiker zusammen.
Was in den nächsten Monaten zu erwarten ist
Für die kommenden Monate erwarten die Wissenschaftler eine Fortsetzung der Schwarmbeben. Es sei sogar möglich, dass einige Erdbeben von der Bevölkerung „leicht“ wahrgenommen werden könnten. Die Aktivität könne dabei weiterhin schwerpunktmäßig im Westen von Las Cañadas auftreten, „aber sie kann auch woanders stattfinden“. Domínguez wies in diesem Zusammenhang auf eine wichtige Erkenntnis hin: Erdbeben zeigen nicht immer genau an, wo sich das Magma befindet. „Das Magma übt Druck auf die Erdkruste aus und kann dadurch Erdbeben auch in anderen Zonen auslösen.“ Dies erschwere es, die sismo-vulkanische Aktivität auf ein bestimmtes Gebiet zu begrenzen. Umso wichtiger sei die kontinuierliche Überwachung. Diese erstreckt sich nicht nur auf Erdbeben, sondern auch auf andere Phänomene wie Gasemissionen oder Bodenverformungen.
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