Schwere Strafen für Schleuser nach tödlicher Überfahrt
Das Provinzgericht (Audiencia Provincial) von Santa Cruz de Tenerife hat drei senegalesische Staatsangehörige wegen ihrer Beteiligung an einer irregulären Seereise verurteilt, die mit der Ankunft eines Cayucos im Hafen von La Restinga auf El Hierro endete. Bei der Ankunft war einer der Insassen tot und ein weiterer verletzt. Das Gericht verhängte gegen jeden der drei Angeklagten eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren und vier Monaten, was einer Gesamtstrafe von 22 Jahren für alle drei entspricht. Sie wurden wegen eines Verbrechens gegen die Rechte ausländischer Bürger, fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung schuldig gesprochen.
Die Angeklagten als verantwortliche Bootsführer
Die Sechste Kammer des Gerichts stellte fest, dass die drei Verurteilten nicht als einfache Passagiere reisten. Stattdessen übernahmen sie im Auftrag der Organisatoren der Reise die Führung des Bootes, nachdem sie von den Insassen Geld für die Überfahrt von der afrikanischen Küste zu den Kanaren kassiert hatten. Der Cayuco war mit 47 Menschen an Bord, darunter zwei Minderjährigen, in Mauretanien gestartet.
Strapazen während der tagelangen Überfahrt
Das Boot war in einem prekären Zustand, für die Hochseefahrt ungeeignet und verfügte nicht über ausreichende Sicherheitsmittel für die Insassen, die gedrängt an Bord reisten. Die Überfahrt zog sich über mehrere Tage hin, ohne dass die genaue Dauer konkretisiert wurde. Während der gesamten Reise litten die Menschen unter Wassermangel und fehlenden Nahrungsmitteln. Das Gericht sieht einen direkten Zusammenhang zwischen diesem Ressourcenmangel und der fortschreitenden körperlichen Verschlechterung der Passagiere, von denen einige bei der Ankunft an Land medizinische Hilfe benötigten.
Tod und schwere Verletzungen an Bord
Einer der Migranten starb während der Reise. Ein weiterer erlitt Verletzungen, die eine medizinische Behandlung erforderlich machten: Geschwüre am Gesäß, verursacht durch langes Sitzen auf einem mit Meerwasser getränkten Holzbrett, sowie Dehydrierung, Unterkühlung und Hypernatriämie (ein erhöhter Natriumspiegel im Blut). Es gab weitere Verletzte, deren Leiden jedoch keine juristische Relevanz für das Urteil hatten.
Ankunft in La Restinga und erste Zeugenaussagen
Der Cayuco erreichte den Hafen von La Restinga am 24. Juni 2024. Kurz nach der Ankunft nahmen Polizeibeamte mehrere Insassen zur Befragung auf und nahmen ihre Aussagen in den Bericht auf. In diesen ersten Erklärungen identifizierten einige Passagiere die Angeklagten als diejenigen, die die Rolle der Bootsführer (Patrones) übernommen hatten. Das Gericht unterstrich die Bedeutung dieser Aussagen aufgrund ihrer „zeitlichen Nähe zu den Geschehnissen“, auch wenn die Zeugen später Präzisierungen vornahmen.
Verteidigung und gerichtliche Bewertung
Während der mündlichen Verhandlung stellten die Verteidigungen den Beweiswert dieser ersten Aussagen in Frage. Sie verwiesen auf den physischen und emotionalen Zustand der Zeugen nach mehreren Tagen auf See und wiesen auf Widersprüche zu späteren Aussagen hin. Das Provinzgericht kam jedoch zu dem Schluss, dass die Variationen in diesen Zeugenaussagen den wesentlichen Kern der Schilderung nicht beeinträchtigten. Tatsächlich wertete das Gericht es positiv, dass einige Zeugen ihre Angaben korrigierten oder präzisierten, wenn sie sich nicht absolut sicher waren.
Hintergrund eines Passagiers und Rechtsmittel
Einer der Insassen des Cayucos erklärte, sein Leben sei im Senegal aufgrund seines christlichen Glaubens in Gefahr gewesen, was ihn zur Überfahrt bewogen habe. Das Urteil führt dieses Zeugnis als Teil der Beweisaufnahme an, ohne ihm eine entscheidende Bedeutung für die Verurteilung beizumessen. Die Verteidigungen hatten zudem Verfahrensfehler geltend gemacht und die Ungültigkeit des Verfahrens beantragt. Das Gericht wies diese Einwände jedoch vollständig zurück. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und wird nach Angaben einer der Verteidigungen vor dem Obersten Gerichtshof der Kanarischen Inseln (Tribunal Superior de Justicia de Canarias, TSJC) angefochten.

