Festnahme im Einkaufszentrum San Fernando
Die Nationalpolizei hat auf Gran Canaria die Inhaberin eines Reisebüros wegen Betrugsverdachts festgenommen. Bei der Festgenommenen handelt es sich um B.M.A.P., die Eigentümerin der Reiseagentur Aray Tours Canarias, die im Einkaufszentrum San Fernando im Süden der Insel ansässig ist. Wie Polizeiquellen dieser Zeitung bestätigten, erfolgte die Festnahme am Mittwoch. Voraussichtlich wird die Frau am Freitag einem Richter vorgeführt.
Betrogene Karnevalsurlauber
Hintergrund der Ermittlungen sind bereits mehr als zwanzig Anzeigen von Kunden, die bei der Agentur ein Pauschalreise-Paket für die Teilnahme am „Los Indianos“-Fest auf La Palma gebucht hatten. Das farbenfrohe „Los Indianos“ ist ein Höhepunkt des Karnevals auf La Palma, der tausende Besucher anlockt. Die betrogenen Kunden hatten bis zu 1.900 Euro als Anzahlung geleistet, erhielten aber weder Flugtickets, eine Hotelreservierung noch ihr Geld zurück.
Falsche Versprechungen per WhatsApp
Laut den Anzeigen übermittelte die nun festgenommene Reisebüroleiterin den Kunden die Reisebedingungen per WhatsApp. Das Paket sollte einen Direktflug und die Unterkunft in Los Cancajos auf La Palma beinhalten, mit der Option auf Ratenzahlung. Im Juli des vergangenen Jahres informierte sie die Betroffenen, die Flugplätze seien bereits gesichert. Dennoch schickte sie weder Tickets noch eine Buchungsnummer.
Als sich der Reisetermin näherte und weiterhin keine Buchungsbestätigungen eintrafen, wurden die Kunden misstrauisch. Ihre Nachfragen bei den Hotels und Fluggesellschaften brachten ans Licht: Unter ihren Namen existierten keinerlei Reservierungen. Die Geschädigten legten der Polizei daraufhin die Banküberweisungen – die auf ein Konto auf den Namen der Geschäftsführerin, nicht der Firma, gingen – sowie die WhatsApp-Konversationen und öffentliche Google-Rezensionen vor, in denen andere Bürger von ähnlichen Erfahrungen berichteten.
Vorbestrafte Geschäftsführerin
Die Reisebüro-Chefin ist kein Unbekannte für die Justiz. Wie kürzlich berichtet, ordnete die Provinzialgericht von Las Palmas am 9. Februar die Wiederaufnahme eines Verfahrens gegen B.M.A.P. an. In diesem Fall wird ihr vorgeworfen, fünf Kunden um 17.000 Euro für eine Mittelmeerkreuzfahrt betrogen zu haben. Bislang hat sie davon weniger als 2.000 Euro zurückerstattet.
Erst in der vergangenen Woche hatte die Inhaberin in einer Mitteilung an ihre Kunden behauptet, das Unternehmen habe einen „finanziellen Zusammenbruch“ erlitten. „Wir arbeiten intensiv daran, die notwendigen Mittel zusammenzubringen und unsere Verpflichtungen Ihnen gegenüber so schnell wie möglich zu erfüllen“, hieß es darin. Den zahlreichen betrogenen Kunden, die auf ihre Reise zum berühmten Karnevalsfest hofften, nützt diese Aussage nun wenig.

