Hetze mitten im Stadtzentrum
Viele mögen denken, man solle solche Angriffe ignorieren, da ihre Verbreitung Intoleranten, Rassisten und der sogenannten „antisystemischen“ extremen Rechten nur in die Hände spiele. Doch die Geschichte ist voll von Beispielen, die zeigen, welch fataler Fehler es ist, zu schweigen, wegzusehen oder zu glauben, dass Untätigkeit und Gleichgültigkeit die Lösung sind – solange einen das Problem nicht direkt betrifft. Daher hier der Bericht über einen Vorfall, der sich an diesem Wochenende, mindestens seit vergangenem Freitag, in Puerto de la Cruz, der wichtigsten Touristenstadt im Norden Teneriffas, ereignete.
Widerliches Plakat vor Unterkunft für Minderjährige
Eine winzige Gruppe der extremen Rechten, deren Mitglieder vermutlich in wenigen Autos Platz fänden, brachte ein widerliches, abstoßendes und potenziell strafbares Plakat direkt gegenüber einer der Aufnahmeeinrichtungen für minderjährige Migranten in der Gemeinde an, mitten im Stadtkern. Dieses Plakat war allerdings bis zum Sonntagmittag bereits wieder entfernt worden. Abgesehen von einem offensichtlichen und eklatanten Vergehen der Volksverhetzung erfüllt die „Warnung“ vor einer „multikulturellen Zone“ perfekt die seit langem – eigentlich seit jeher – propagierte Kernbotschaft der rassistischen und intoleranten extremen Rechten. Diese hat in einer Demokratie keinen Platz, doch ihre Botschaft sickert immer weiter in die Gesellschaft ein, wie man allein an den jüngsten oder auch aktuellen Wahlergebnissen, beispielsweise in Aragonien auf dem spanischen Festland, sehen kann.
Politische Reaktionen und Kritik
Die Sozialistische Fraktion im Stadtrat von Puerto de la Cruz verurteilte am Sonntag in ihren sozialen Netzwerken das Erscheinen und die Präsenz dieses Plakats, das mindestens zwei Tage lang mitten in der Stadt gehangen hatte. Es befand sich in einer der belebtesten Gegenden Puerto de la Cruz‘, direkt gegenüber dem Zentrum und in der Nähe einer bekannten, täglich geöffneten Diskothek. Es handelte sich um einen neuralgischen Punkt mit der Plaza El Charco direkt in der Nähe und einem großen Angebot an Nachtleben, Bars, Restaurants und Unterkünften. Die Sozialisten kritisierten, dass zu spät gehandelt worden sei und das Plakat früher hätte entfernt werden müssen, auch wenn es Sonntagmittag nicht mehr da war.
Allerdings teilte der Erste Beigeordnete des Bürgermeisters, David Hernández von der „Asamblea Ciudadana Portuense“ (ACP), ebenfalls in den sozialen Medien mit, dass er ein gleiches Plakat in der Nähe des Rathauses entfernt habe. In diesem Fall wurde also, nach seiner unmissverständlichen Anzeige, so gehandelt, wie es sein sollte.
Die Sorge vor eskalierender Gewalt
Das Problem ist, dass solche Beispiele Schule machen könnten und dies eines Tages in Angriffe auf Minderjährige münden könnte. Diese jungen Menschen tun niemandem etwas zuleide und haben sich, in ihrer überwältigenden Mehrheit, in die Stadt integriert wie jede andere Person auch – unabhängig von ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft oder ihren Träumen und Hoffnungen.

