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Staatsanwaltschaft fordert 25 Jahre Haft für mutmaßliche Schleuser

Staatsanwaltschaft hält an hohen Haftstrafen fest

Die Staatsanwaltschaft von Santa Cruz de Tenerife beharrt auf ihrer Forderung nach 25 und 22 Jahren Gefängnis für zwei Angeklagte. Ihnen wird vorgeworfen, im Juni 2025 ein völlig überladenes Holzboot (sogenanntes Cayuco) nach Teneriffa gesteuert zu haben. An Bord befanden sich 67 Menschen. Die Überfahrt endete in einer Tragödie: Es gab vier Tote, drei Verletzte und bis zu achtzig Vermisste.

Beweise und letzte Verhandlung

Als Hauptbeweise legte die Anklage die Aussagen von zwei der 14 befragten Zeugen sowie Fotos vom Rettungsmoment vor. Auf diesen Bildern, die von einem Kreuzfahrtschiff aufgenommen wurden, sollen die Angeklagten zu sehen sein, wie sie unter den Reisenden für Ordnung sorgen. Das Provinzgericht von Teneriffa (Audiencia Provincial) hielt diesen Donnerstag die zweite und letzte Verhandlung in diesem Verfahren ab, das sich auf eine der tragischsten Überfahrten auf der Route zwischen Afrika und den Kanaren konzentriert. In einer separaten Verhandlung werden drei weitere beschuldigte Personen vor Gericht gestellt, für die ebenfalls Haftstrafen von 22 Jahren gefordert werden.

Entschädigungen und Verteidigungsstrategie

Für alle Angeklagten fordert die Staatsanwaltschaft insgesamt Entschädigungszahlungen in Höhe von 150.000 Euro an die Familien der Verstorbenen und 5.800 Euro an drei verletzte Reisende. Die Verteidiger der beiden Hauptangeklagten kritisieren hingegen einen „absoluten“ Mangel an schlüssigen Beweisen. Ihrer Ansicht nach basieren die Strafanträge auf Zeugenaussagen, deren Prämisse es sei, „aus Prinzip anzuklagen“, sowie auf manipulierten Aussagen. Sie beantragen daher den Freispruch ihrer Mandanten.

Wer war wirklich der Kapitän?

Eine Verteidigerin wies darauf hin, dass die Zeugenberichte eher darauf hindeuteten, dass die einzige Person, die als Bootsführer identifiziert wurde, während der Überfahrt ums Leben gekommen sei. Eine Entschädigung an dessen Vater würde daher „dazu dienen, die kriminellen Netzwerke in den Herkunftsländern zu finanzieren“. Es bestehen auch Zweifel, ob nicht zwei andere Besatzungsmitglieder, die ins Krankenhaus eingeliefert wurden, die Steuerung übernommen hatten. Einer von ihnen gab einen falschen Namen an.

22 Tage Höllenfahrt ohne Essen und Wasser

Sachverständige gaben an, dass die Todesfälle und Verletzungen auf Multiorganversagen aufgrund von Nahrungs- und Wassermangel sowie der bewegungslosen Haltung während der 22-tägigen Überfahrt zurückzuführen seien. Die Hälfte dieser Zeit seien die Vorräte und der Treibstoff bereits aufgebraucht gewesen. In den bereits protokollierten Zeugenaussagen ist zu hören, dass die meisten Befragten angaben, nicht zu wissen, wer das Boot steuerte, aufgrund ihrer Sitzposition. Ein Zeuge beobachtete, wie Leichen über Bord geworfen wurden, darunter eine, die als für die Essensverteilung verantwortlich identifiziert wurde.

Leere Versprechungen der Schleuser

Andere Zeugen erklärten, sie hätten vor der Abreise lediglich „Ratschläge“, aber keine Anweisungen erhalten. Sie wurden aufgefordert, eigenes Essen, Getränke und eine Schwimmweste mitzubringen. Man versicherte ihnen, die Überfahrt würde weniger als eine Woche dauern. Einer der Angeklagten sagte vor Gericht aus, er sei Händler, kenne sich mit Navigation nicht aus und könne nicht einmal schwimmen. Der andere gab an, Maurer zu sein und aufgrund politischer Verfolgung zur Auswanderung gezwungen worden zu sein. Beide beteuerten, wie alle anderen auch für die Überfahrt bezahlt zu haben.

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