Polizist soll Touristen zu Geldautomaten begleitet haben
Ein Beamter der Lokalpolizei von Mogán auf Gran Canaria, der am vergangenen Montag festgenommen wurde, soll sich etwa 135.000 Euro aus Verkehrsstrafen angeeignet haben, die er hauptsächlich an Touristen mit Mietwagen verhängte. Dies geht aus den Ermittlungen der Guardia Civil hervor. In einer am Mittwoch verbreiteten Mitteilung lieferte die Polizei weitere Details zur Operation mit dem Codenamen „Paycash“, die im Juni 2025 begann, nachdem die Gemeindeverwaltung von Mogán selbst Unregelmäßigkeiten bei Bußgeldverfahren festgestellt hatte.
Systematisches Vorgehen über fünf Jahre
In nur fünf Jahren leitete der Polizist etwa tausend Bußgeldverfahren wegen Verkehrsverstößen ein. Im Laufe der Ermittlungen kontaktierte das Team der Kriminalpolizei von den Festnahmen betroffene Touristen. Diese schilderten, dass der nunmehr Festgenommene, mit den Initialen O.L.S.N., von ihnen die Zahlung dieser Strafen in bar verlangt habe. Diese Schilderungen decken sich mit dem Vorgehen, das in einigen in sozialen Netzwerken von Bürgern der Gemeinde veröffentlichten Beiträgen beschrieben wurde.
Bargeld-Abzocke an Geldautomaten
„Der Polizist, der ausnutzte, dass er alleine Streife fuhr, belegte Touristen mit Strafen für Verkehrs- und Verkehrssicherheitsverstöße und begleitete sie zu Geldautomaten, damit sie das Bargeld abhoben. Anschließend zahlte der Beamte diese Beträge nicht in die öffentlichen Kassen ein, sondern behielt sie für sich und annullierte die Strafen ohne rechtliche Rechtfertigung, wodurch der entsprechende Verwaltungsweg unterbrochen wurde“, erläutert die Guardia Civil.
Zielgruppe: Touristen mit Mietwagen
In Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung von Mogán und der Leitung der Lokalpolizei wurde eine umfangreiche Studie und Analyse der vom Beamten annullierten Verfahren durchgeführt. Dabei wurde festgestellt, dass das vorherrschende Profil der Bestraften Touristen mit Mietwagen waren, so die Mitteilung. Im Laufe der Ermittlungen, die am vergangenen Montag mit der Festnahme endeten, führte die Guardia Civil Observationen und eine Kontrolle der polizeilichen Aktivitäten des Beamten durch. Dabei wurde verifiziert, dass er sich strategisch in verschiedenen Zonen des Ortes Puerto Rico positionierte.
Festnahme im Dienst und Aussageverweigerung
Wie bereits am Dienstag berichtet, war der festgenommene Beamte, der 2024 von der Gemeinde Mogán für 25 oder mehr Jahre Dienstzeit mit einem Kreuz für langjährigen aktiven Dienst ausgezeichnet worden war, in der Tourismus-Einheit der Lokalpolizei tätig. Seine Schicht dauerte von neun Uhr morgens bis sechs Uhr abends. Er war stets alleine unterwegs, auf einem Motorrad. O.L.S.N. wurde am Montag in Uniform und während des Dienstes festgenommen. Nach einer Nacht in der Zelle wurde er am Dienstagmorgen dem Haftrichter vorgeführt und machte von seinem Recht Gebrauch, keine Aussage zu machen. Der Richter der Abteilung 3 der Ermittlungsabteilung des Gerichts erster Instanz von San Bartolomé de Tirajana (ehemals Ermittlungsgericht 3) ordnete seine vorläufige Freilassung an.

