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Doppeleinsatz in Afterclub: Polizei ohne Taser und Ausbildung

Doppeleinsatz in Afterclub offenbart Sicherheitslücken

Am Sonntagmorgen mussten mehrere Einheiten der Polizei von Las Palmas de Gran Canaria (Policía Local) innerhalb kurzer Zeit zweimal in den bekannten Afterclub „El Teteo“ in der Calle Grau Bassas ausrücken. Der Beamtenverband CSIF, dem viele der Einsatzkräfte angehören, nutzte die Vorfälle für eine öffentliche Anklage: Er beklagt den eklatanten Mangel an angemessenen Mitteln, um solche Situationen zu bewältigen, und legt damit gravierende Defizite bei Ausstattung und Ausbildung der lokalen Polizei offen.

Erster Einsatz: Messerattacke auf Kellnerin

Der erste Notruf führte die Beamten zu einer Schlägerei innerhalb des Etablissements. Laut dem CSIF griffen die Polizisten ein, nachdem eine Frau offenbar eine Kellnerin mit einem Messer angegriffen hatte. Die Situation war bereits angespannt, doch es sollte nicht der letzte Vorfall an diesem Morgen bleiben.

Zweiter Einsatz: Mann mit Schreckschusswaffe

Nur wenige Stunden später kam es zu einem zweiten Einsatz am selben Ort. Diesmal wurde ein Mann identifiziert, der innerhalb des Clubs eine Attrappe oder Schreckschusswaffe bei sich trug. In diesem Fall leiteten die Beamten zwei Anzeigen nach dem spanischen Gesetz zum Schutz der öffentlichen Sicherheit (Ley de Seguridad Ciudadana) wegen des Führens gefährlicher Gegenstände ein. Beide Situationen spielten sich in einem Club mit mehr als 30 anwesenden Personen ab, was die Intervention aufgrund der knappen Personalressourcen zusätzlich erschwerte.

Fehlende Taser und ausgefallene Spezialeinheit

Einer der kritischsten Punkte, die der Verband anprangert, ist das Fehlen nicht-tödlicher Waffen wie Taser-Pistolen, die die Polizei in ernsten Gefahrensituationen einsetzen kann. Obwohl die Stadtverwaltung (Ayuntamiento) mehrfach um die Bereitstellung dieser Geräte gebeten wurde, stehen der gesamten Policía Local nur fünf Taser zur Verfügung. Zum Zeitpunkt der Vorfälle im Afterclub war keines dieser Geräte verfügbar.

Laut Javier Pascua, dem Delegierten des CSIF, war zudem die spezielle Interventions-Einheit der Polizei zu diesem Zeitpunkt nicht einsatzbereit. Dies führte dazu, dass sechs normale Streifenbeamte einen Einsatz bewältigen mussten, für den nach Ansicht des Verbands besser ausgebildetes und ausgerüstetes Personal nötig gewesen wäre. Taser, obwohl als nicht-tödlich eingestuft, sind entscheidend für den Einsatz in extremen Situationen, in denen das Leben oder die körperliche Unversehrtheit von Polizisten oder anderen Personen auf dem Spiel steht. Ihr Fehlen erhöht die Gefahr bei Einsätzen, bei denen Beamte bewaffneten oder gewalttätigen Personen gegenüberstehen.

Alarmierende Ausbildungsdefizite bei Schießtraining

Der Verband wirft der Polizeiführung zudem ein schwerwiegendes Ausbildungsdefizit vor. Den internen Vorschriften zufolge muss jeder Beamte mindestens alle sechs Monat ein Schießtraining absolvieren, um seine Qualifikation aufrechtzuerhalten. Der CSIF hat jedoch angeprangert, dass zum Ende des Jahres 2025 mehr als 80 Prozent der Belegschaft nicht ein einziges solches Training durchgeführt hat. Dies beeinträchtigt die operative Fähigkeit und die Sicherheit der Beamten erheblich.

Hinzu kommt, dass der bereits 2022 von der Stadtverwaltung angekündigte neue Schießstand noch immer nicht in Betrieb ist. Die Beamten konnten ihn daher nicht für Trainingszwecke nutzen. Zwar wurden einige Schießausbilder im September geschult, doch die Gründe, warum die regelmäßigen Trainings für die gesamte Mannschaft dennoch ausblieben, sind unklar. Diese Situation verschärft den Mangel an Einsatzbereitschaft weiter.

CSIF fordert sofortige Maßnahmen von der Stadt

Für den Verband CSIF ist der Mangel an Mitteln und Ausbildung ein unverantwortliches Risiko, besonders in einem Umfeld, in dem sich Beamte zunehmend Situationen mit echten oder nachgemachten Waffen gegenübersehen. Einsätze an Orten mit vielen Menschen, wie dem Afterclub in der Calle Grau Bassas, unterstreichen die dringende Notwendigkeit einer angemessenen Ausstattung mit Schutzausrüstung, kontinuierlicher Ausbildung und nicht-tödlichen Mitteln.

Der CSIF hat die Stadtverwaltung von Las Palmas de Gran Canaria aufgefordert, die Bereitstellung von Ausrüstung und die Ausbildung der Beamten zu priorisieren, um deren Sicherheit und die der Bürger in Risikosituationen zu gewährleisten. Besonders betont der Verband die Wichtigkeit von elektronischen Kontrollgeräten wie Taser-Pistolen und die Inbetriebnahme der neuen Schießstände, damit die Polizisten ihre Fähigkeiten auf dem aktuellen Stand halten können.

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