Ein unsichtbarer Verbündeter im Bananenland
Verborgen im fruchtbaren Boden einer Bananenplantage im Süden Teneriffas überlebt ein mikroskopisch kleiner Pilz, der noch nie zuvor gesehen, gesammelt oder von der Wissenschaft beschrieben wurde. Vielleicht ist er nicht der erste seiner Art, aber er ist der erste, der von Wissenschaftlern entdeckt wurde. In ihm sehen sie heute einen möglichen Schutzschild gegen den Hauptfeind dieser in den Kanaren vorherrschenden landwirtschaftlichen Flächen: die Panamakrankheit, auch bekannt als „Mal de Panamá“ oder „Veta Amarilla“.
Die Familie der „guten Pilze“
Trychoderma ichasaguae – so wurde die neue Art getauft – gehört zur großen Familie der Trychoderma, in der 400 verschiedene Pilztypen zusammenleben. Die meisten von ihnen haben eine gemeinsame Eigenschaft: Sie können Schädlinge in landwirtschaftlichen Böden bekämpfen. „Sie gehören zur Gattung Trychoderma, die wir als ‚gute Pilze‘ bezeichnen, weil es sich um nützliche Mikroorganismen handelt“, erklärt die Biotechnologin Raquel Correa, Forscherin am Kanarischen Institut für Agrarforschung (ICIA) und verantwortlich für diesen Fund, der zusammen mit ihrem Kollegen Federico Laich in der Fachzeitschrift Current Microbiology veröffentlicht wurde. Diese Familie ist insbesondere für ihre Fähigkeit bekannt, organisches Material abzubauen und das Wachstum der Pflanzenwurzeln zu fördern.
Ein zufälliger Fund mit großer Bedeutung
Die Entdeckung war ebenso zufällig wie überraschend. „Auf den Kanaren gab es bisher keine Studie über diese Pilze als biologische Kontrolle der Panamakrankheit“, so Correa. Allerdings habe man Studien zum pathogenen Pilz, der die Krankheit verursacht, durchgeführt. Diese Krankheit betrifft mindestens 23 % der Bananenparzellen auf Teneriffa, wie eine Studie von AgroCabildo zeigt. „Landwirte kaufen oft Fungizide außerhalb der Inseln, und wir wussten, dass es wahrscheinlich ist, dass die Böden selbst diese pilzlichen Verbündeten bei der Schädlingsbekämpfung beherbergen“, betont Correa.
Die Suche in den kanarischen Böden
Die beiden Forscher starteten ein Forschungsprojekt, um die Zusammensetzung der kanarischen Böden zu entschlüsseln. Dazu nahmen sie Proben aus den Böden von etwa zwanzig Bananenplantagen. „Die Idee war, die Pilze zu kultivieren, DNA zu extrahieren und phylogenetische Analysen durchzuführen, um zu sehen, welche Arten von ‚guten Pilzen‘ wir in den kanarischen Agrarflächen finden“, erklärt die Forscherin. „Wir erhielten bis zu 12 Arten dieser Gattung, aber eine hatte nichts mit dem bisher Beschriebenen zu tun“, so Correa.
Eigenschaften des neuen kanarischen Pilzes
Obwohl mit bloßem Auge unsichtbar, ist dieser Pilz Teil der komplexen und reichhaltigen Gemeinschaft von Mikroorganismen, die im Boden leben und zum Gleichgewicht des Agrarökosystems beitragen. Unter Laborbedingungen entwickelt Trychoderma ichasaguae schnell wachsende Kolonien mit grünlichen Tönungen, typische Merkmale vieler Arten dieser Gattung. Unter dem Mikroskop zeigte der Pilz eine charakteristische verzweigte Struktur, mit einer Silhouette ähnlich einem Baum. Außerdem kann Trychoderma ichasaguae Chlamydosporen bilden, Strukturen, die ihm Widerstandsfähigkeit verleihen und es ihm ermöglichen, unter widrigen Umweltbedingungen zu überleben und lange Zeit inaktiv zu bleiben.
Ein Name mit historischem Gewicht
Die kanarischen Wissenschaftler haben es nicht nur geschafft, diese neue Art in die weltweite Liste der neuen Entdeckungen aufzunehmen, sondern sie auch mit kanarischem Ursprung zu versehen. Die neue Art leitet ihren Artnamen von der altkanarischen Tradition ab. Trychoderma ichasaguae bezieht seine Nomenklatur auf Ichasagua, ein Mitglied des alten Guanche-Adels von Adeje – genau dem Ort, an dem diese neue Art gefunden wurde. „Für uns war es wichtig, diesem Pilz einen Namen aus der kanarischen Kultur zu geben“, erklärt die Forscherin und betont, dass auf diese Weise „eine symbolische Brücke zwischen der heutigen Biodiversität und dem historischen Gedächtnis der Insel geschlagen wird“.
Potenzial für eine nachhaltigere Landwirtschaft
Die Entdeckung untermauert die Idee, dass die kanarischen Agrarflächen wahre Schatzkammern einer noch wenig bekannten Biodiversität sind. In einem Kontext, in dem die Landwirtschaft nach nachhaltigeren Lösungen sucht, können lokale Mikroorganismen, die an die einzigartigen klimatischen Bedingungen der Inseln angepasst sind, eine Schlüsselrolle als natürliche Verbündete bei der Bekämpfung von Krankheitserregern spielen, die strategische Kulturen wie die Banane bedrohen. „Jetzt haben wir einen kanarischen Pilz, der uns viel Arbeit vorwegnehmen kann“, so die Forscherin.
Die Forschung geht weiter
Die Forscher vertiefen diese Untersuchung nun mit dem Ziel, das Abwehrpotenzial dieses und anderer Pilze derselben Gattung gegen die Panamakrankheit zu testen. „Wenn wir zu dem Schluss kommen, dass dieser Pilz in der Lage ist, eine Infektion zu verhindern, wissen wir, dass alle Böden, die ihn enthalten, vor dem Erreger geschützt sind“, erklärt Correa. In den kommenden Monaten werden die Forscher Proben von Bananenplantagen auf La Palma und Gran Canaria nehmen, um den Untersuchungsradius zu erweitern. „Nicht nur um zu sehen, ob diese Art an mehr Orten vorkommt, sondern auch, ob es noch mehr gibt. Dieser Fund zeigt, dass es eine enorme Menge an Vielfalt gibt und es möglich ist, dass wir Dinge übersehen haben“, schließt sie.

