Neue Strategie gegen tödliche Badeunfälle auf den Kanaren
Nach einer Reihe tragischer Badeunfälle mit Todesfolge verstärken die Kanarischen Inseln ihre Bemühungen, Touristen besser vor Gefahren im und am Meer zu schützen. Am 7. Dezember ertranken vier Touristen in Los Gigantes auf Teneriffa nach einem plötzlichen und heftigen Wellenschlag. Nur einen Monat zuvor kamen bereits drei Kreuzfahrtpassagiere am Hafen von Puerto de la Cruz, ebenfalls auf Teneriffa, ums Leben. Diese Vorfälle sind keine Einzelfälle. Der für die Zivilschutz zuständige Regionalminister Manuel Miranda betonte am Dienstag im Parlament, dass „Ertrinken die häufigste nicht-natürliche Todesursache auf den Inseln“ sei. Seit Jahresbeginn sind dort bereits 60 Menschen ertrunken, die Mehrheit davon ausländische Besucher.
Arbeitsgruppe für bessere Warnkommunikation gegründet
Vor diesem Hintergrund haben die Regionalministerien für Tourismus und Raumordnung am 12. Dezember eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Ihr Ziel ist es, die direkte Kommunikation von Warn- und Vorwarnmeldungen an die rund 270.000 Touristen zu koordinieren, die die Inseln wöchentlich besuchen. Diese Maßnahme erfolgt parallel zur Ausarbeitung eines neuen Zivilschutzgesetzes, das spezielle mehrsprachige Informationsprotokolle für Touristen in Notfällen vorsieht. „Wir müssen stabile Kommunikationswege unter Einbeziehung der Branche etablieren, von der wir wissen, dass sie dieses Ziel voll unterstützt“, erklärte Miranda auf eine direkte Frage des konservativen Abgeordneten Carlos Ester.
Zweistufiger Plan: Von Datenaustausch zu klaren Protokollen
Der Plan sieht zwei Phasen vor. In der ersten Phase wird neben der Einrichtung der Arbeitsgruppe daran gearbeitet, Plattformen für den Austausch von Informationen zwischen den Ministerien zu schaffen, Warnmeldungen zu vereinfachen und eine aktuelle, mit den Tourismusunternehmen abgestimmte Verteilerliste zu erstellen. In der zweiten Phase wird die Gruppe dann Protokolle entwickeln, die garantieren, dass diese Warnungen die Besucher „klar und in ihrer Sprache“ erreichen. Zudem soll analysiert werden, wie neue Informationstechnologien in die Kommunikation von Risikosituationen integriert werden können.
Aufklärung für Einheimische und neues Zivilschutzgesetz
Minister Miranda wies auch darauf hin, dass die einheimische Bevölkerung weiterhin Ziel von „Informationskampagnen und Kommunikation über konventionelle Medien“ bleiben müsse. Er betonte die Notwendigkeit, die „Ausbildung der Jugend, schon von Kindesbeinen an, zu vertiefen, damit sie verstehen, wie das Meer funktioniert und wie seine Gezeiten sind“. Bezüglich des neuen kanarischen Zivilschutzgesetzes informierte er, dass bereits mit Fachleuten analysiert werde, wie Risiken in touristischen Gebieten bewertet, spezifische Kommunikations- und Alarmprotokolle für diese Zonen entwickelt und Selbstschutzpläne in touristischen Umgebungen integriert werden können.
Sprachbarriere als große Herausforderung
Die offiziellen Zahlen des Ministeriums von Manuel Miranda unterstreichen die Dringlichkeit. Das Koordinierungszentrum für Notfälle und Sicherheit (Cecoes) 112 verzeichnete in diesem Jahr bislang insgesamt 17.891 Anrufe in anderen Sprachen als Spanisch – ein Anstieg von 8,36 % gegenüber 2024. Bei diesen Anrufen dominiert Englisch (67 %), gefolgt von Deutsch (14,5 %), Italienisch (11,4 %) und Französisch (6,2 %). Der Rest verteilt sich auf Sprachen wie Russisch, Arabisch, Polnisch oder Rumänisch. Laut Daten der Unterabteilung für Notfälle betreffen über 40 % der Alarmmeldungen von Touristen Sicherheitsfragen, knapp 31 % medizinische Probleme, etwa 12,5 % Unfälle und fast 10 % sind reine Informationsanfragen.

