Stell dir vor: ein kleiner Teller mit heißen, runzeligen Salzkartoffeln, daneben zwei Schälchen mit dicken Saucen – eine intensiv grün, die andere dunkelrot. Das sind die papas arrugadas con mojo – eines der bekanntesten Bilder der kanarischen Küche. Aber mojo ist weit mehr als nur eine Beilage zu Kartoffeln. Er begleitet Fisch, Fleisch, Käse und Brot, und jede Insel – und jeder Haushalt – hat sein eigenes, unverwechselbares Rezept.
Ob du gerade mit dem Kopf voller Geschmackserinnerungen von den Kanaren zurückgekehrt bist oder erst eine Reise planst und wissen möchtest, was dich am Tisch erwartet – dieser Leitfaden ist für dich. Du findest hier Rezepte für mojo verde und mojo rojo zum Selbermachen zu Hause, eine Erklärung der Unterschiede zwischen den Varianten sowie praktische Tipps zur Aufbewahrung. Übrigens – wenn dich die kanarische Gastronomie generell interessiert, schau auch in unseren Artikel über den Barraquito – die kanarische Kaffeespezialität aus Teneriffa, die beim ersten Probieren ebenso überrascht.
Was ist kanarisches Mojo – eine kurze Geschichte der Sauce
Das Wort „mojo“ stammt wahrscheinlich aus dem Portugiesischen, wo „molho“ einfach Sauce bedeutet. Die Kanarischen Inseln lagen jahrhundertelang an der Kreuzung der Seewege zwischen Europa, Afrika und Lateinamerika. Schiffe legten hier auf der Durchreise an, und Waren – darunter Gewürze und Zutaten aus fernen Weltgegenden – gelangten auf die Inseln früher als in die meisten europäischen Küchen. Das erklärt, warum die kanarische Gastronomie so außergewöhnlich vielfältig ist.
Die Basis jedes authentischen Mojo bleibt unveränderlich: Knoblauch, Olivenöl und Essig. Zu diesem Dreiklang kommen Zutaten, die den Charakter der jeweiligen Variante bestimmen – Kräuter, Paprika oder Gewürze. Die Tradition unterscheidet zwei Hauptfamilien:
- Mojo verde – auf Basis grüner Zutaten, Koriander oder Petersilie; passt zu Fisch und Gemüse
- Mojo rojo – auf Basis von roter Paprika und Pimentón (geräuchertem Paprikapulver); ideal zu Fleisch, Kartoffeln und Käse
Innerhalb jeder dieser Gruppen gibt es Dutzende von Varianten, die sich je nach Insel, Zutatenverhältnis und Schärfegrad unterscheiden. Es gibt kein einziges „echtes“ Rezept – jede Familie hütet eifersüchtig ihre eigene Version.
Mojo verde – Rezept Schritt für Schritt

Mojo verde ist die frischeste und aromatischste der kanarischen Saucen. Ihre intensiv grüne Farbe kommt von frischen Kräutern, der Geschmack ist kräftig, leicht kräuterwürzig mit einer feinen Säure. Auf Teneriffa und Gran Canaria dominiert die Version mit Koriander, auf La Palma und El Hierro wird häufiger Petersilie verwendet.
Zutaten (4 Portionen):
- 1 großes Bund frischer Koriander
- 3-4 Knoblauchzehen
- 1 TL Kreuzkümmel (ganze Samen)
- 100 ml Olivenöl extra vergine
- 3-4 EL Weißweinessig
- 1 TL grobes Meersalz
- 1 kleine grüne Chilischote (optional, für Schärfe)

Zubereitung:
- Knoblauch schälen und den inneren Keimling entfernen – so wird die Sauce geschmacklich milder und hinterlässt keinen unangenehmen Nachgeschmack.
- Im Mörser Knoblauch mit Salz und Kreuzkümmel zu einer gleichmäßigen Paste verreiben. Das ist der entscheidende Schritt – ein traditioneller Mörser holt aus den Gewürzen deutlich mehr Aroma heraus als ein Mixer.
- Den gewaschenen, abgetrockneten Koriander (mit Stielen) hinzufügen und weiter mahlen, bis die Masse eine gleichmäßige grüne Farbe annimmt.
- Olivenöl langsam einträufeln und dabei ständig rühren – die Sauce beginnt zu emulgieren und einzudicken.
- Zum Schluss Essig hinzufügen, mit einem Löffel (ohne Mörsern) untermischen und nach Geschmack abschmecken.
- Mindestens 30 Minuten vor dem Servieren ruhen lassen – die Aromen brauchen Zeit, um sich zu verbinden.
Praktischer Tipp: Den Essig immer zuletzt hinzufügen – und wenn möglich erst kurz vor dem Servieren, wenn du die intensive grüne Farbe erhalten möchtest. Essig oxidiert das Chlorophyll – der Mojo wird dunkler.
Koriander nicht dein Ding? Die Version mit Petersilie schmeckt milder und ist genauso authentisch. Du kannst auch beide Kräuter im Verhältnis 1:1 kombinieren.
Variante mit Avocado: Für eine modernere Version füge vor dem Mixen das Fruchtfleisch einer halben reifen Avocado hinzu. Die Sauce bekommt eine cremige Konsistenz und einen weicheren Geschmack. Gekühlt servieren.
Mojo rojo – Rezept Schritt für Schritt

Mojo rojo hat einen reichhaltigeren, intensiveren Charakter als sein grünes Pendant. Die rote Farbe kommt von der Paprika – sowohl frisch als auch getrocknet oder geräuchert (Pimentón). Diese Sauce passt zu Grillfleisch, gebackenen Kartoffeln und kanarischen Hartkäsesorten.
Zutaten (4 Portionen):
- 1 große rote Paprikaschote (oder 2 getrocknete Choricero-/Ñora-Paprika, eingeweicht)
- 3-4 Knoblauchzehen
- 1 TL Pimentón dulce (süßes geräuchertes Paprikapulver)
- 1 TL Kreuzkümmel (ganze Samen)
- 100 ml Olivenöl extra vergine
- 3 EL Rotweinessig
- 1 TL grobes Meersalz
- 1 Prise schwarzer Pfeffer

Zubereitung:
- Bei frischer Paprika: Im Backofen bei 200°C etwa 20 Minuten rösten, bis die Haut schwarz wird. Dann in eine Plastiktüte geben und 10 Minuten ruhen lassen (erleichtert das Schälen), Haut abziehen, Kerne entfernen.
- Im Mörser Knoblauch mit Salz und Kreuzkümmel zu einer Paste verreiben.
- Paprikamark und Pimentón hinzufügen, mahlen bis alles gut verbunden ist.
- Olivenöl schrittweise einträufeln und dabei ständig rühren, bis die Sauce eine gleichmäßige Konsistenz hat.
- Essig hinzufügen, unterrühren und abschmecken.
- Mindestens 30 Minuten ruhen lassen.
Tipp: Falls du getrocknete Palmera-Paprika bekommst – weiche sie über Nacht in kaltem Wasser ein und schabe dann das Fruchtfleisch mit einem Löffel heraus. Getrocknete Ñora- oder Choricero-Paprika aus dem Spanien-Regal im gut sortierten deutschen Supermarkt oder im Asia-Laden sind ein guter Ersatz. Zur Not funktioniert auch Tomatenmark aus roter Paprika.
Mojo picón – die scharfe Variante des mojo rojo
Mojo picón ist die Variante für Schärfe-Liebhaber. Diese Version wurde außerhalb der Kanaren am bekanntesten – teilweise durch den Song von Caco Senante, der von der „rica salsa canaria“ sang. Der Unterschied zum normalen mojo rojo ist einfach: Zu den Zutaten kommt eine scharfe Guindilla-Schote oder Cayennepfeffer hinzu.
Anpassungen am mojo rojo-Rezept:
- 1-2 getrocknete Guindilla-Schoten hinzufügen (oder einen halben TL Cayenne) beim Mörsern mit dem Knoblauch
- Pimentón dulce ersetzen durch eine Mischung: zur Hälfte süß, zur Hälfte scharf geräucherter Paprika
- Zum Schluss können auch ein paar Tropfen Tabasco hinzugefügt werden – für eine präzise Schärfekontrolle
Der Schärfegrad ist Geschmackssache – auf den Inseln hat jedes Restaurant und jeder Haushalt seine eigene Proportion. Authentischer mojo picón sollte „beißen“, aber nicht die anderen Aromen überdecken.
Wo findet man wirklich guten mojo picón vor Ort? Auf Gran Canaria empfehlenswert ist das Restaurante El Dedo de Dios in Agaete, auf Teneriffa die traditionellen Guachinches (Familienrestaurants mit eigenem Wein) rund um La Orotava.
Mojo verde oder mojo rojo – was passt wozu?

Die Aufteilung ist einfach und auf den Inseln konsequent angewendet:
Mojo verde (grün):
- Frischer und geräucherter Fisch (Cherne, Sama, Dorada)
- Papas arrugadas als leichteres, frischeres Begleitung
- Gegrilltes und gebackenes Gemüse
- Gofio escaldado (kanarisches Gericht aus geröstetem Getreidemehl)
- Meeresfrüchte
Mojo rojo (rot):
- Gegrilltes und gebackenes Fleisch (besonders Schweinefleisch)
- Papas arrugadas als klassische, intensivere Kombination
- Kanarischer Käse (besonders Queso asado – gegrillter Käse)
- Marinaden und Beizen für Fleisch
- Brot mit Olivenöl als eigenständiger Snack
Die Ausnahme der Regel: Papas arrugadas werden traditionell mit beiden Saucen gleichzeitig serviert. Jeden Kartoffel nach eigenem Belieben eintunken – genau das macht jeder Kanariar am Tisch.
Erwähnenswert sind auch zwei seltenere Varianten. Mojo palmero – typisch für La Palma – enthält gemahlene Mandeln, die ihm eine cremige, dickere Konsistenz und einen nussigen Nachgeschmack geben. Hervorragend zu Ziegenkäse von dieser Insel. Mojo amarillo (gelb) stammt aus La Gomera und enthält Safran – er ist feiner, leicht blumig im Aroma und wird traditionell Suppen und Eintöpfen hinzugefügt.
Wenn du authentisches Mojo als Mitbringsel nach Deutschland nehmen möchtest, schau in unseren Reiseführer zu den besten kulinarischen Souvenirs von Teneriffa – dort findest du bewährte Marken und Geschäfte, wo du Gläser kaufen kannst, ohne Gefahr zu laufen, auf touristische Fälschungen hereinzufallen.
Wie bewahrt man selbstgemachtes Mojo auf?
Sowohl mojo verde als auch mojo rojo lässt sich hervorragend aufbewahren – Olivenöl und Essig wirken als natürliche Konservierungsmittel.
Grundregeln:
- Sauce in ein sauberes, trockenes Schraubglas umfüllen
- Im Kühlschrank aufbewahren
- Mojo rojo hält sich 2-3 Wochen frisch
- Mojo verde am besten innerhalb einer Woche verbrauchen (Kräuter verlieren Farbe und Aroma schneller)
- Vor jeder Verwendung gut schütteln oder umrühren – das Olivenöl setzt sich von den übrigen Zutaten ab
Kann man Mojo einfrieren? Technisch ja, aber nicht empfehlenswert. Nach dem Auftauen verliert die Sauce ihre seidig-glatte Emulsion – sie wird wässrig und trennt sich. Besser eine kleinere Portion zubereiten und frisch verbrauchen.
Wann Essig hinzufügen? Wenn du mojo verde im Voraus zubereitest – gib den Essig erst kurz vor dem Servieren dazu. Früherer Säurekontakt lässt das Grün dunkler werden. Mojo rojo hat dieses Problem nicht – der Essig kann sofort hinzugefügt werden.
FAQ – häufig gestellte Fragen zu den Mojo-Saucen
Mojo verde ist eine traditionelle kanarische Sauce auf Basis frischer Kräuter (meistens Koriander oder Petersilie), Knoblauch, Olivenöl und Weißweinessig. Sie stammt aus der Küche der Kanarischen Inseln und ist ein unverzichtbarer Bestandteil des Servierens von papas arrugadas sowie Fisch.
Der einfachste Ersatz ist frische Petersilie – in der gleichen Menge wie Koriander. Auf den Inseln La Palma und El Hierro wird traditionell Petersilie statt Koriander verwendet. Du kannst auch beide Kräuter in beliebigen Verhältnissen nach eigenem Geschmack kombinieren.
Mojo rojo ist der allgemeine Name für die rote kanarische Sauce, die mild oder leicht scharf sein kann. Mojo picón ist die scharfe Variante – sie enthält eine zusätzliche Menge scharfer Chili (Guindilla oder Cayenne). In der Praxis ist die Grenze fließend, da jeder Koch nach eigenem Ermessen würzt.
Im verschlossenen Glas im Kühlschrank hält mojo rojo 2-3 Wochen, mojo verde etwa eine Woche. Entscheidend ist, dass das Glas sauber und trocken ist. Nach jeder Verwendung das Gefäß gut verschließen und zurück in den Kühlschrank stellen.
