Großrazzia gegen Camorra-Clan erreicht Teneriffa
In einer gemeinsamen internationalen Operation haben die spanische Policia Nacional, die italienischen Carabinieri und der Spezialdienst ROS (Raggruppamento Operativo Speciale) eine mutmaßliche kriminelle Organisation der Camorra zerschlagen. Das Netzwerk der neapolitanischen Mafia reichte bis nach Teneriffa, wo die Beamten den Unternehmer Filippo Capaldo festnahmen. Capaldo ist der Neffe des Clanchefs Michele Zagaria, Anführer der Zagaria-Fraktion des historischen Casalesi-Clans.
Festnahme auf Teneriffa und Millionen-Beschlagnahmungen
Die von der Staatsanwaltschaft Neapel koordinierte Untersuchung führte zur Zerschlagung der Zagaria-Fraktion und zur Festnahme von 23 Personen. Von diesen wurden 19 in Untersuchungshaft genommen, vier stehen unter Hausarrest. Den Beschuldigten werden in unterschiedlichem Maße Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, Erpressung, Gewalt, Drohungen, Geldwäsche, Drogenhandel und Waffenbesitz vorgeworfen. Wie die Behörden gestern, am 30. März 2026, auf einer Pressekonferenz in Italien mitteilten, beschlagnahmten sie Vermögenswerte im Wert von 40 Millionen Euro. Ein Großteil des Geldes aus den Clan-Aktivitäten sei, so der Verdacht der Staatsanwaltschaft, auf Teneriffa und in Dubai gelandet.
Clan-Nachfolger leitete Immobilienfirma auf der Insel
Filippo Capaldo war 2019 nach Teneriffa gezogen, wo er mutmaßlich eine Immobilienfirma leitete. Seit 2022 ist er als alleiniger Geschäftsführer der Firma eingetragen. Seine Festnahme auf der Kanareninsel übernahm die Flüchtlingsfahndungsgruppe der Drogen- und Organisierten Kriminalitätseinheit (Udyco) von Teneriffa. Unter den weiteren Festgenommenen befinden sich auch Carmine und Antonio Zagaria, die Brüder des ehemaligen Gruppenführers Michele Zagaria. Dieser war 2011 nach 16 Jahren auf der Flucht gefasst und inhaftiert worden. Man fand ihn damals in einem unterirdischen Versteck unter fünf Metern Stahlbeton in seinem eigenen Haus in Casapesenna in der Region Caserta.
Attraktive Insel: Steuervorteile und unauffällige Integration
Die Ermittler machen deutlich, dass die Kanarischen Inseln für einige dieser kriminellen Gruppen attraktiv sind, um zu investieren und Handelsgesellschaften zu gründen. Grund ist das vorteilhafte Steuerregime. Doch das ist nicht der einzige Grund für die Wahl Teneriffas: Italienische Staatsbürger haben hier große Chancen, unauffällig unterzutauchen. In der letzten Dekade sind sie zur zweitgrößten ausländischen Gemeinschaft auf der Insel geworden.
Geldwäsche durch legale Geschäfte
Das Vorgehen der Zagarias ist nicht neu. Eines ihrer Geschäftsfelder war der Vertrieb von Lebensmitteln in Dutzenden Supermärkten in der Region Caserta. Darüber hinaus kontrollierten sie Läden, Baufirmen, Dienstleistungsunternehmen und andere Handelsgesellschaften. Die Staatsanwaltschaft vermutete, wie das Medium Cronachedi bereits im August berichtete, dass genau in diese legalen Aktivitäten das illegale Geld reinvestiert wurde. Den Ermittlern gelang es, den Geldfluss zu verfolgen. „Wir sind der Spur des Geldes gefolgt, um das Herz der mafiösen Organisation zu finden, und in diesem Fall haben wir es gefunden“, sagte Oberst Paolo Vincenzoni, stellvertretender Kommandeur des ROS, gestern laut der Zeitung „La Repubblica“.
Erpressung und lokale Komplizen
Ein Großteil der Einnahmen stammte mutmaßlich aus Erpressungen und Provisionen. Die Organisation forderte für den Verkauf von Grundstücken in Caserta eine Provision, die je nach Immobilie zwischen 15.000 und 125.000 Euro schwankte. Wie italienische Medien weiter berichten, soll die Gruppe auch die Komplizenschaft lokaler Politiker gehabt haben. Über eine Abfallentsorgungsfirma habe sie Drogen in die Region Kampanien eingeschleust.

