lehrer erpressung fake profil schueler gran canaria

Lehrer zahlt 500 Euro nach Erpressung durch eigenen Schüler

Lehrer fällt auf Fake-Profil herein und wird erpresst

Ein Lehrer des Privatkollegs Claret auf Gran Canaria ist vorübergehend von seinem Dienst suspendiert worden. Der Grund: Er führte Chats über soziale Medien mit einer angeblichen Minderjährigen, hinter der sich jedoch mutmaßlich ein 16-jähriger Schüler desselben Zentrums verbarg. Der Jugendliche soll dem Pädagogen eine Falle gestellt haben, indem er ein Fake-Profil einer 15-jährigen Teenagerin anlegte. Inzwischen hat der betroffene Lehrer selbst Anzeige wegen Erpressung gegen den Schüler erstattet, der ihn täuschte und damit drohte, die Chat-Verläufe zu veröffentlichen, wenn er nicht 500 Euro zahle.

So lief der Betrug über Instagram ab

Die Vorfälle spielten sich auf Instagram ab. Wie aus Ermittlungskreisen bekannt wurde, erhielt der Lehrer eine Nachricht von einer angeblichen 15-Jährigen. Diese gab vor, einen Schulwechsel in Erwägung zu ziehen, und bat um Informationen über das Claret-Kolleg. Die Minderjährige existierte jedoch nicht. Hinter dem Account soll sich ein Schüler versteckt haben, der nach unbedeutenden schulischen Meinungsverschiedenheiten mit dem Lehrer einen Täuschungsplan ausgeheckt hatte. Nach den Interaktionen, deren Inhalt unbekannt ist, gab der Schüler vor, der Vater des fiktiven Mädchens zu sein. Er drohte dem Lehrer damit, die Konversationen zu verbreiten und ihn wegen Pädophilie anzuzeigen, falls er kein Geld überweise. „Ich werde dein Leben ruinieren“, soll er gesagt haben – eine Drohung, die den Pädagogen derart einschüchterte, dass er dem Erpressungsversuch nachgab.

Geldübergabe im Park und spätere Rückzahlung

Der Schüler forderte, dass der Lehrer 500 Euro in einem Park hinterlegen solle. Diesen Vorgang filmte der Jugendliche aus der Distanz. Anschließend, von Angst getrieben, informierte der Lehrer die Schulleitung über die Geschehnisse. Die Direktion wiederum meldete den Vorfall der UFAM (Unidad de Atención a la Familia y a la Mujer) der Nationalpolizei, die nun ermittelt. Als vorsorgliche Maßnahmen hat die Schule ein Disziplinarverfahren gegen den Lehrer eingeleitet, ihn eine Vertraulichkeitserklärung unterzeichnen lassen und ihn vorläufig von seinem Posten entfernt, den er seit über 30 Jahren innehat. Zudem wurde für diesen Dienstag eine Informationssitzung mit den Elternvertretern einberufen, bei der weitere Details zu den ergriffenen Maßnahmen mitgeteilt werden sollen.

Schulinterner Konflikt und juristische Schritte

Trotz der vereinbarten Vertraulichkeit sandte das Kollegium am Freitag eine Mitteilung an die Eltern, in der von einem „unangemessenen Verhalten“ eines Pädagogen über ein soziales Netzwerk die Rede war und mitgeteilt wurde, dass die Mechanismen des schuleigenen Sicherheitsprotokolls aktiviert worden seien. Das Claret betonte, die Suspendierung sei eine Vorsichtsmaßnahme „in Erwartung der Aufklärung der Fakten“. Unterdessen reichte der Anwalt des Lehrers, Juan Carlos González Díaz von Lexus Abogados, am Samstag Strafanzeige wegen mutmaßlicher Erpressung ein. Diese Anzeige wurde am Montag erweitert, nachdem der Vater des mutmaßlich beteiligten Schülers dem Lehrer die 500 Euro per Bizum (einem spanischen Bezahlsystem) zurücküberwiesen hatte. Der Lehrer lehnte das Geld ab und überwies es sofort an den Vater zurück. Für die Verteidigung stellt dieser Vorgang ein klares Eingeständnis der Verantwortung und Beteiligung des Jugendlichen dar.

Mehrere Straftatbestände im Raum

Der Anwalt des Lehrers vertritt die Auffassung, dass der Schüler sich der Erpressung mit Nötigung schuldig gemacht habe, da sein Mandant den Forderungen nur aus Angst vor einer Anzeige wegen einer schweren Straftat nachgegeben habe. Zudem sieht er den Tatbestand der bedingten Drohung erfüllt, da der Lehrer unter Androhung der Veröffentlichung schädlicher Informationen für ihn und sein Umfeld erpresst worden sei. Weiterhin könnten die Handlungen des Schülers eine Straftat gegen die Ehre (mit Veröffentlichung) sowie Verleumdung darstellen, da dieser wissentlich mit einem Fake-Profil agiert und anschließend Chat-Inhalte verbreitet habe. Schließlich wird auch ein Vergehen gegen die moralische Integrität des Lehrers und seiner Familie in Betracht gezogen.

Polizeiliche Ermittlungen laufen

Der Lehrer hat der Nationalpolizei sein Mobiltelefon zur Verfügung gestellt, damit die Beamten eine vollständige Datenauswertung vornehmen und den Umfang der Konversationen bestimmen können. Die Polizei wird die möglichen strafrechtlichen Konsequenzen des Falls prüfen, den Inhalt der ausgetauschten Nachrichten analysieren und die Rolle des 16-jährigen Schülers untersuchen. Zudem soll geklärt werden, ob der Jugendliche den Plan allein schmiedete oder ob weitere Personen, möglicherweise Mitschüler aus anderen Gruppen, beteiligt waren.

Verteidigung fordert Rehabilitation des Lehrers

Die Verteidigung des Lehrers hat inzwischen ein Schreiben an das Claret-Kolleg gesandt. Darin wird gefordert, die vorsorgliche Suspendierung des Pädagogen aufzuheben, da erwiesen sei, dass es sich um ein Fake-Profil handelte und sich kein Mädchen dahinter verbarg. Zusätzlich verlangt der Anwalt, dass die Schule einen Kommuniqué mit den neuen Erkenntnissen veröffentlicht und eine öffentliche Richtigstellung vornimmt. Der ursprüngliche Grund für die Suspendierung – das angebliche unangemessene Verhalten – habe sich damit als nicht existent erwiesen.

Source

Nach oben scrollen
Share via
Copy link