Neues Observatorium gegen Identitätsverlust
Die Inselregierung (Cabildo) von Lanzarote hat die Einrichtung eines „Observatorio Insular de la Identidad Canaria“ (Insel-Observatorium für die kanarische Identität) beschlossen. Dieser Schritt ist eine direkte Reaktion auf die Herausforderungen, die das massive demografische und touristische Wachstum der Insel mit sich bringt. Das neue Gremium soll fortlaufend die soziale, kulturelle und territoriale Entwicklung von Lanzarote und der kleinen Nachbarinsel La Graciosa analysieren.
Frühwarnsystem für den sozialen Zusammenhalt
Das primäre Ziel ist es, Risiken frühzeitig zu erkennen, die den sozialen Zusammenhalt, die Verwurzelung der ansässigen Bevölkerung und die Bewahrung der kulturellen Identität des Archipels bedrohen könnten. Zu den konkreten Aufgaben des Observatoriums gehören:
- Die Beobachtung der Entwicklung der insularen kulturellen Identität.
- Die Bewertung der Auswirkungen von Bevölkerungs- und Tourismuswachstum auf den sozialen Kitt.
- Die Erkennung von Prozessen, die zur Verflachung und Banalisierung der Kultur führen.
- Das Erarbeiten von Maßnahmenvorschlägen für die Bereiche Bildung, Raumordnung und Kultur.
Unabhängige Expertise für politische Entscheidungen
„Es handelt sich um einen unabhängigen Analyse-Raum, der politisches Bewusstsein für jene Themen schaffen soll, die in jeder Verwaltung verbessert werden können“, erklärt das Cabildo. Das Observatorium soll mit fachkundigen, überparteilichen Experten besetzt werden, die fundiertes Wissen generieren, um öffentliche Entscheidungsprozesse zu lenken. So sollen unkontrollierte Entwicklungen wie der demografische Druck oder beschleunigtes Wachstum verhindert werden, die zu einem fortschreitenden Identitätsverlust führen könnten.
Antwort auf den intensivsten Wandel der Geschichte
Armando Santana, zuständiger Berater für offene Regierungsführung, betonte, dass die Schaffung dieses Instruments eine strategische Antwort auf den tiefgreifenden Transformationsprozess der Inseln sei. „Lanzarote und La Graciosa erleben den intensivsten demografischen, wirtschaftlichen und sozialen Wandel ihrer jüngeren Geschichte“, so Santana. Phänomene wie Bevölkerungswachstum, touristischer Druck, steigende Wohnungspreise oder städtebauliche Veränderungen böten zwar Chancen, erforderten in begrenzten Gebieten wie Inseln aber besondere Analyse und Planung.
„Die Frage ist nicht, ob wir wachsen wollen oder nicht. Die Frage ist, ob wir die Auswirkungen dieses Wachstums auf unseren sozialen Zusammenhalt und unsere kollektive Identität angemessen messen“, stellt Santana klar. Er warnt davor, Identitätsverluste zu wiederholen, wie sie in anderen Regionen bereits stattgefunden haben: „Der demografische Druck kann eine Gesellschaft bereichern, aber er verlangt auch, das zu schützen, was uns ausmacht.“
Manriques Vermächtnis und globale Standardisierung
Santana erinnerte an das Vermächtnis des lanzarotenischen Künstlers und Umweltschützers César Manrique, der bereits betonte, dass das Territorium ein wesentlicher Teil der Identität Lanzarotes sei. Für Manrique war die Landschaft nicht nur eine wirtschaftliche Ressource, sondern ein kultureller Wert. „Die Globalisierung standardisiert urbane, ästhetische und kulturelle Modelle. Inseln, die keine eigenen Analyse-Instrumente entwickeln, wenden am Ende Standardlösungen auf Probleme an, die zutiefst insular sind“, so Santanas Analyse.
Datenbasierte Politik für die Zukunft
Das Observatorium soll es ermöglichen, auf Basis von Daten und Erkenntnissen öffentliche Politiken zu gestalten, die die Verwurzelung der Bevölkerung, die soziale Integration und den Respekt für die lokale Kultur fördern. Der Präsident des Cabildo, Oswaldo Betancort, begrüßte die breite Unterstützung für diese Initiative, die er für strategisch entscheidend hält: „Dieses Observatorium wird es uns ermöglichen, den Herausforderungen des Wachstums von Lanzarote vorauszusehen. Wir wollen ein offenes, prosperierendes und diverses Gebiet bleiben, aber auch eine Insel, die ihre Identität, ihr Territorium und den Zusammenhalt ihrer Gesellschaft schützt.“

