Künstliche Intelligenz auf dem Karnevalsplakat: Kunst oder Kompromiss?
Die Diskussion um den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) ist allgegenwärtig und erfasst zunehmend auch die Kunstwelt – oft begleitet von scharfer Kritik. Genau dieser Streit entzündet sich seit Tagen am offiziellen Plakat für den diesjährigen Karneval in La Orotava. Die Gemeinde auf Teneriffa blickt auf starke Karnevalstraditionen in den 80er und frühen 90er Jahren zurück, die später gegenüber den Festen in Puerto de la Cruz und vor allem Santa Cruz an Strahlkraft verloren. Dennoch hat sich in La Orotava ein institutionalisierter Karneval gehalten, der in den letzten Jahren trotz zeitweiliger Pausen für die traditionelle Gala der Karnevalskönigin wieder an Stärke gewonnen hat.
Ein Plakat, das Fragen aufwirft
Der Konflikt in diesem Jahr dreht sich um das Ankündigungsplakat. Obwohl die Künstlerin Laura Pérez dies bestreitet und die Gemeindeverwaltung betont, dass die Wettbewerbsbedingungen eingehalten und das Motiv von der gemischten Karnevalskommission ausgewählt wurde, weist das Werk für viele Betrachter eindeutige Merkmale einer KI-Generierung auf. Dabei sollte es das Motto dieser Ausgabe visualisieren: die Welt des Kinos in einer Gemeinde mit vielfältigen Drehorten. La Orotava kann mit 72% des Teide-Nationalparks, einer der schönsten Altstädte der Kanaren sowie Stränden und landwirtschaftlichen Zonen wie El Rincón aufwarten und beherbergt zudem ein prestigeträchtiges Kurzfilmfestival, initiiert von Enrique Rodríguez.
Kritik von Künstlern und aus den sozialen Medien
Die Situation ist in den sozialen Medien nicht unbemerkt geblieben. Einige Kreative gaben sogar an, deshalb nicht am Wettbewerb teilgenommen zu haben, weil die Ausschreibung keine klare Absage an den Einsatz von KI formulierte. Ihrer Argumentation nach kann sich eine Gemeinde wie La Orotava, die auf ein reiches Erbe an Künstlern (Maler, Bildhauer, Holzschnitzer) zurückblickt und Wiege einer weltweit bekannten ephemeren Kunstform ist – den seit mindestens 1846 traditionellen Blumen- und Sandteppichen in den Straßen – eine solche Unterlassung nicht erlauben. Im Gegenteil: Sie sollte die authentische, von technologischen Hilfsmitteln freie Kreation fördern, auch wenn Grafikdesign selbstverständlich eine komplexe und anspruchsvolle Kunstform ist.
Die Verteidigung von Künstlerin und Gemeinde
Das diesjährige Plakat bewegt sich für viele jedoch in einer Grauzone und überschreitet das in solchen Wettbewerben Erlaubte oder Empfehlenswerte. Die Designerin Laura Pérez verteidigte ihr Werk bei der Präsentation: Es entstamme der Idee, den Karneval von La Orotava als große Filmpremiere zu präsentieren, bei der das Fest, die Kultur und die Teilnahme der Bevölkerung die wahren Hauptdarsteller seien. Der rote Teppich symbolisiere die Einladung, in diesen „Film“ einzutreten, während die Masken die Essenz des Karnevals verkörperten: Kreativität, Verkleidung und Meinungsfreiheit. Die an den klassischen Film angelehnte Ästhetik solle Emotion und Vorfreude wecken und gleichzeitig Tradition und festlichen Charakter der Gemeinde betonen, indem erkennbare Elemente La Orotavas integriert würden.
Zur angewandten Technik führte Pérez aus, das Plakat sei mittels digitalem Grafikdesign entstanden, unter Arbeit mit Ebenen, visueller Hierarchie und Balance der Elemente, mit besonderem Augenmerk auf Farbe, Licht und Texturen, um einen filmischen Look zu erreichen. Die Gemeindeverwaltung unterstreicht gegenüber „Canarias Ahora“, dass die festgelegten Wettbewerbsbedingungen vollständig eingehalten worden seien, und zeigt sich verwundert über die entstandene Kontroverse, die in den letzten Tagen dennoch stetig an Schärfe gewonnen hat.

