Ein Schild gegen den digitalen Blackout
Die Kanarischen Inseln wollen ihre Mobilfunkabdeckung in diesem Jahr gegen großflächige Telekommunikationsausfälle abschirmen. Bis Ende 2026 wird das öffentliche Unternehmen Canalink – eine Tochter des Inselrats (Cabildo) von Teneriffa – im Rechenzentrum des Instituts für Technologie und Erneuerbare Energien (ITER) in Granadilla einen zentralen Knotenpunkt in Betrieb nehmen. An diesen können sich alle Mobilfunkanbieter, sowohl regionale als auch große nationale Betreiber, anschließen.
Notfallnetz für essentielle Dienste
„Von dort aus werden wir zunächst die Datenübertragung für essentielle Dienste gewährleisten“, erklärt Rubén Molowny, Geschäftsführer von Canalink. Er betont, dass dieses Projekt entscheidend sei, um dem Archipel eine gewisse – wenn auch nie vollständige – Unabhängigkeit zu verschaffen. Dadurch sollen die Mobilfunk- und Telefonnetze auf den Kanaren auch dann weiter funktionieren, wenn es auf dem spanischen Festland zu kompletten Stromausfällen kommt, wie etwa am 28. April 2024 geschehen.
Die erste Phase der Inbetriebnahme dieses Datenaustauschpunkts soll im letzten Quartal 2026 starten. „Wir müssen bis Jahresende eine Lösung haben, das ist das Ziel, das wir uns gesetzt haben“, stellt Molowny klar. Er versichert, dass das Projekt bereits „sehr weit fortgeschritten“ sei. Konkret seien bis jetzt bereits etwa zwölf Kooperationsvereinbarungen mit regionalen Anbietern und sogar die Zustimmung eines großen nationalen Netzbetreibers unterzeichnet worden.
Unabhängigkeit, aber keine Isolation
Zunächst wird dieser Dienst nur dazu dienen, die Kontinuität lebenswichtiger Dienste wie die Notrufnummer 112 oder die Kommunikation der Kanarischen Regierung zu garantieren. „Auf diese Weise stellen wir sicher, dass wir für die Endkommunikation nicht auf Verbindungen außerhalb des Archipels angewiesen sind“, so Molowny. Gleichzeitig räumt er ein, dass die Kanaren trotz dieses Strebens nach Unabhängigkeit „niemals völlige Unabhängigkeit haben können“, weil „das Internet nun einmal offen für die Welt ist“.
Ambitionierte Pläne: Glasfaserring und Kontinental-Anbindung
Das Notfallnetz ist nur eines von mehreren Projekten, die Canalink in diesem Jahr vorantreibt. Das Unternehmen expandiert kräftig, um die Kanaren zu einem strategischen Knotenpunkt für Internetverbindungen auszubauen. Eines der ehrgeizigsten Vorhaben ist „Ring“. Dabei soll ein 553 Kilometer langer Ring aus Unterwasser-Glasfaserkabeln verlegt werden, der die östlichen Inseln Gran Canaria, Lanzarote und Fuerteventura verbindet.
Mit einem Budget von 34 Millionen Euro, von denen 23 Millionen von der Europäischen Union beigesteuert werden, soll das bestehende Netz dupliziert werden. So wird vermieden, dass alle Verbindungen über ein einziges, veraltetes Kabelnetz laufen. „Das ermöglicht nicht nur eine Verbesserung des Telekommunikations-Glasfasernetzes in der Provinz Las Palmas, sondern auch eine Anbindung an den Süden Marokkos“, erläutert Molowny.
Tatsächlich ist dieses Projekt ein zentraler Baustein in der Expansionsstrategie des Unternehmens und verknüpft sich mit einem weiteren Großvorhaben: der Unterwasser-Verbindung zwischen den Kanaren und Tarfaya in Marokko. Für Canalink ist dies eine strategische Initiative von großer Tragweite, da sie die digitale Konnektivität zwischen Europa und Afrika stärken wird. „Diese Abzweigung wird uns eine Verbindung zwischen den Kontinenten ermöglichen“, unterstreicht der Geschäftsführer.
Mehr Wettbewerb und Anbindung der Westinseln
Ein weiteres Ziel von Canalink ist es, durch all diese Unterwasserkabel mehr Wettbewerb auf den Markt zu bringen. „Es sollte nicht nur Routen geben, die im Besitz des dominierenden Betreibers sind“, erklärt Molowny. Mit dem neuen Netz stünden „offene Routen“ zur Verfügung, die verschiedene Anbieter nutzen könnten.
Ein letztes großes Projekt, das in diesem Jahr umgesetzt werden soll, ist das Unterwasserkabel zwischen Caletillas auf Teneriffa und Tamaduste auf El Hierro. Das 225 Kilometer lange Glasfaserkabel wird das Telekommunikationsnetz der kleinsten Kanareninsel modernisieren und ihr Zugang zu Hochgeschwindigkeitsinternet verschaffen. Das Projekt sieht die Installation von Unterwasser-Verzweigungseinheiten vor, die einen potenziellen Ausbau von Abzweigungen nach La Palma und La Gomera ermöglichen. Dies würde eine schnelle und sichere Verbindung aller Inseln der westlichen Provinz des Archipels schaffen.
Canalink rechnet damit, dass diese Verbesserung die digitale Kluft in den abgelegensten Gebieten der Inseln verringern wird. Zugleich wird der Zugang zu essentiellen Diensten wie Telemedizin oder E-Commerce erleichtert.

