Tödliche Unfälle zeigen dringenden Handlungsbedarf
Ein heftiger Wellenschlag forderte am Sonntag, dem 7. Dezember, vier Todesopfer in den natürlichen Meeresschwimmbecken von Los Gigantes im Gemeindegebiet von Santiago del Teide auf Teneriffa. Dies ist leider kein Einzelfall. Bereits Anfang November riss das Meer am Kai von Puerto de la Cruz mehrere Kreuzfahrtpassagiere mit, die lediglich ein Selfie machen wollten. Die Urlauber kannten die Gewalt des Atlantiks nicht, wenn er gegen die Küste peitscht. Dieser kurze, aber verheerende Moment hätte noch mehr Opfer gefordert, hätte nicht ein Kellner eines nahegelegenen Lokals drei Personen retten können. Eine niederländische Frau ertrank jedoch.
Neue Gesetze für mehr Sicherheit im Tourismus
Diese und andere Vorfälle während des letzten Sturms auf den Inseln unterstreichen die Notwendigkeit, die der für den Zivilschutz zuständige Regionalminister Manuel Miranda bereits erkannt hat: In das künftige Zivilschutzgesetz sollen spezifische Informationsprotokolle für die touristische Bevölkerung im Notfall aufgenommen werden. Diese sollen mehrsprachige Informationen für Besucher enthalten, die kein Spanisch sprechen. Aus dem Ministerium heißt es, dass Hotels und Kreuzfahrtkapitäne stets über Stürme informiert würden, man räume jedoch ein, dass nicht garantiert sei, dass diese Warnungen auch die Touristen erreichen. Genau diese unterbrochene Kette zwischen der behördlichen Warnung und dem Endbesucher soll das neue Gesetz korrigieren.
Die Herausforderung: 18 Millionen Besucher pro Jahr
„Die Kanaren sind ein sicheres Reiseziel, aber damit das so bleibt, müssen wir verbessern, wie wir Informationen weitergeben“, räumt der Vizeminister für Notfälle, Marcos Lorenzo, ein. Seine Abteilung verwaltet ein Archipel mit 2,5 Millionen Einwohnern, das jährlich über 18 Millionen Touristen empfängt. Viele von ihnen sind sich der natürlichen Risiken der Inseln nicht bewusst. Die Realität ist ernüchternd: An den kanarischen Küsten sterben jedes Jahr Dutzende Menschen, besonders unter Personen, die die Kraft des Meeres oder die Selbstschutzregeln nicht kennen.
Sprachbarriere als Risikofaktor
Die Zahlen sprechen für sich. In den ersten Monaten dieses Jahres bearbeitete das Koordinierungszentrum für Notfälle und Sicherheit (Cecoes) 112 bislang insgesamt 17.891 Anrufe in anderen Sprachen als Spanisch – ein Anstieg von 8,36 % gegenüber 2024. Englisch ist die dominierende Sprache (67 %), gefolgt von Deutsch (14,59 %), Italienisch (11,41 %) und Französisch (6,24 %). Der Rest verteilt sich auf Russisch, Arabisch, Polnisch oder Rumänisch. Laut Lorenzo sind über 40 % der Notfälle bei Touristen sicherheitsrelevant, fast 31 % betreffen Gesundheitsfragen, 12,48 % sind Unfälle und fast 10 % sind Informationsanfragen. Diese Vielfalt zeigt, dass Besucher nicht immer wissen, an wen sie sich wenden oder wie sie handeln sollen, besonders wenn die Sprachbarriere im Weg steht.
Technische Lösungen sind vorhanden, Prävention das Ziel
Das Cecoes verfügt bereits über Operatoren, die vor Ort in fünf Sprachen helfen können, sowie über eine externe Plattform, die simultane Übersetzung in über 40 Sprachen anbietet. So kann praktisch jeder ausländische Anruf ohne Zeitverlust beantwortet werden. Doch, wie der Vizeminister betont: „Das Problem liegt nicht in der Bearbeitung des Notfalls, sondern darin, ihn zu verhindern.“ Sicherheit hängt nicht nur von Flaggen, Rettungsschwimmern oder Warnungen ab: Es ist notwendig, dass die Inselbesucher Informationen in ihrer Sprache erhalten, klar und ohne Alarmismus. Und hier soll die künftige Gesetzgebung ansetzen, um präventive Informationen zu einem Mehrwert des Reiseziels zu machen.
Direkter Informationsfluss zum Gast geplant
Wetterwarnungen, Sicherheitsempfehlungen und Risikohinweise sollen künftig direkt die Touristen über offizielle Kanäle, Hotels, Reedereien und Tourismusveranstalter erreichen, ohne etwas dem Zufall zu überlassen. „Eine Kultur des Zivilschutzes muss auch diejenigen einschließen, die uns besuchen“, fasst der Vizeminister zusammen. Die Regierung arbeitet bereits an einem Kontaktnetzwerk mit dem Tourismussektor, der Arbeitgebervereinigung, Rettungsschwimmern sowie Hotel- und Kreuzfahrtunternehmen, um sicherzustellen, dass Informationen unverfälscht beim Touristen ankommen.
Traurige Bilanz unterstreicht Dringlichkeit
Ohne diesen Zwischenschritt könnten sich Tragödien wie in Puerto de la Cruz wiederholen. Im Jahr 2024 starben 72 Menschen an den kanarischen Küsten. Im Jahr 2025 liegt die Zahl der Todesfälle zu diesem Zeitpunkt bereits über 60. Eine Statistik, die die Regionalregierung sehr beunruhigt. Die Idee der Regierung ist, dass niemand sein Leben riskiert, weil er nicht weiß, dass das Meer auf den Kanaren manchmal gefährlich tobt oder dass die Schönheit der Landschaft eine tödliche Topografie verbergen kann. „Wir wollen keine Angst vermitteln, sondern Sicherheit“, schließt der Notfallbeauftragte.

