Extreme Hitze erfasst den gesamten Archipel
Die Kanarischen Inseln steuern auf das erste große Hitzewochenende des Jahres zu. Was am Mittwoch mit ersten hohen Temperaturen auf Gran Canaria begann, hat sich inzwischen auf den gesamten Archipel ausgeweitet. Die Bewohner und Urlauber müssen sich bis mindestens Dienstag auf eine intensive Hitzephase einstellen, die von einer dichten Calima begleitet wird. Besonders drückend ist die Schwüle, die bereits seit Mittwoch über den Inseln lastet und als Vorbote eines extremen Wochenendes gilt: Auf Gran Canaria und Fuerteventura könnten die Thermometer die 40-Grad-Marke erreichen, auf Teneriffa und La Palma bis zu 37 Grad.
Gran Canaria als Hitzepol – 40 Grad am Donnerstag
Am Donnerstag zeigte sich bereits, wo derzeit die heißesten Ecken der Kanaren liegen. Gran Canaria meldete mit 40 Grad in La Aldea de San Nicolás, 39,7 Grad in San Bartolomé de Tirajana und 38,6 Grad in Agüimes die Spitzenwerte des Tages. In der westlichen Provinz wurden die höchsten Temperaturen auf El Hierro in El Pinar mit 36,2 Grad sowie auf La Palma in El Paso mit 35,2 Grad gemessen. Auf Teneriffa lag der Höchstwert bei 34,3 Grad, gemessen auf der Station im Llano de Los Loros in Las Mercedes.
„Die größte Hitze betrifft den Süden, die mittleren Höhenlagen und die Gipfelregionen Gran Canarias, den Süden und die Metropolregion Teneriffas sowie Fuerteventura und La Palma“, erklärt Víctor Quintero, Gebietsbeauftragter der spanischen Wetterbehörde Aemet in Santa Cruz de Teneriffa. Er betont, dass vor allem die Gemeinden im Inselinneren unter der Gluthitze leiden werden. Für diese Gebiete hat die Aemet die Warnstufen Gelb und Orange ausgerufen.
Waldbrandalarm und behördliche Maßnahmen
Die kanarische Regierung hat für den gesamten Archipel eine offizielle Hitzewarnung herausgegeben. Besonders kritisch ist die Lage hinsichtlich der Waldbrandgefahr auf den westlichen Inseln – Teneriffa, La Gomera, El Hierro und La Palma – sowie auf Gran Canaria. Um das Risiko zu minimieren, haben die Inselregierungen weitreichende Verbote erlassen. Dazu gehören ein generelles Verbot von Feuerwerken und pyrotechnischen Vorführungen, der Einsatz von Funken schlagenden Maschinen wie Freischneidern oder Schweißgeräten sowie offenes Feuer in der Natur. Auch das Rauchen ist auf Campingplätzen, in Erholungsgebieten, auf Wanderwegen, an Straßen und Aussichtspunkten untersagt.
Auf Gran Canaria gelten spezielle Einschränkungen für Waldgebiete und Forstwege. Die Behörden appellieren an die Hausbesitzer – insbesondere jene in der Nähe von Waldgebieten –, trockenes Pflanzenmaterial wie Laub, Gras, Schilf und Gestrüpp rund um ihre Gebäude zu entfernen. Auf Teneriffa hat der Inselrat im Süden und in Anaga die Fahrzeugnutzung auf Forstwegen verboten, ebenso die Jagd mit Flinten. Der Zugang zu Erholungsgebieten, Campingplätzen und die Durchführung von Sportveranstaltungen sowie Wallfahrten auf Forstwegen sind ebenfalls untersagt.
Zudem ist der Zugang zum Aussichtspunkt Chimague entlang der Straße TF-24 sowie an der Grenze des Naturparks Corona Forestal gesperrt. Auch der städtische Park Las Mesas in Santa Cruz wurde geschlossen. Die Stadt La Laguna hat ihre Überwachungspatrouillen in sensiblen Gebieten wie Las Mercedes, Anaga, Mesa Mota und El Ortigal verstärkt – in enger Abstimmung mit der Feuerwehr von Teneriffa.
Ein atmosphärischer Mix aus Calima und Passat
Die extreme Hitze wird durch die Winde eines kräftigen thermischen Tiefs über Ostafrika auf die Kanaren getragen. Allerdings ist dieses Tief in den unteren Luftschichten nicht stark genug, um die Wirkung des Passatwinds vollständig zu verdrängen. „Das Hochdruckgebiet wirkt wie ein Block, der verhindert, dass die Hitze den Archipel vollständig überrollt“, so Quintero. Gleichzeitig herrscht in den höheren Luftschichten eine gegensätzliche Wetterlage: Tiefdruck im Westen und Hochdruck im Osten sorgen für einen warmen und feuchten Luftstrom.
Dieses atmosphärische Durcheinander führt zu einer außergewöhnlich hohen Schwüle. Die relative Luftfeuchtigkeit liegt stellenweise zwischen 70 und 80 Prozent. Eine weitere Folge dieser Konstellation ist das Absinken der feuchten Schicht, die normalerweise das sogenannte Wolkenmeer oder die „Panza de Burro“ (eine tief hängende Wolkendecke) bildet. Statt in Höhen zwischen 1.200 und 1.500 Metern liegt diese Schicht in diesen Tagen nur noch 300 oder sogar nur 100 Meter über dem Meeresspiegel. Der Grund: Die warme Luftschicht ist leichter als die feuchte, dehnt sich aus und drückt diese gegen den Boden.
Wochenende bringt den Höhepunkt
Dieses erbitterte Ringen zwischen Passat und Hitze wird jedoch nicht die ganze Woche anhalten. „Es wird Tage geben, an denen sich das afrikanische Tief gegen die Blockade des Passat-Hochs durchsetzt“, prognostiziert Quintero. Das werde ausgerechnet am Samstag und Sonntag der Fall sein, was zu einem weiteren Temperaturanstieg führen wird – vor allem in den mittleren Höhenlagen und auf den Gipfeln.
Die Aemet erwartet für Samstag Höchsttemperaturen von durchschnittlich 33 Grad in der Provinz Santa Cruz de Teneriffa und 29 Grad in der Provinz Las Palmas. Am Sonntag sollen es dann 34 beziehungsweise 30 Grad sein. Das bedeutet, dass die Höchstwerte am Wochenende drei bis vier Grad über denen vom Donnerstag liegen werden. Wie Quintero voraussagt, werden Sonntag und Montag die heißesten Tage sein. Die Modelle deuten darauf hin, dass die Hitzephase frühestens am Dienstag oder Mittwoch der kommenden Woche endet.
Allerdings, so Quintero weiter, bedeute das nicht, dass es danach überall vorbei ist: „In manchen Gegenden können die Temperaturen bis Donnerstag hoch bleiben.“ Vor allem Gebiete mit besonderer Geländeform – wie Tasarte auf Gran Canaria oder Las Mercedes auf Teneriffa – brauchen nach einer langen Hitzephase oft länger, um wieder abzukühlen.
Auf dem Weg zur ersten Hitzewelle des Jahres
Obwohl dieser Hitzeabschnitt in der offiziellen Sonderwarnung der Aemet auf nationaler Ebene erwähnt wird, wurde er auf den Kanaren bislang noch nicht offiziell als Hitzewelle eingestuft. Doch die Anzeichen verdichten sich. „Die Merkmale deuten stark darauf hin, dass es so kommen wird“, betont Quintero. Sollte sich die Prognose bestätigen, wäre dies die erste Hitzewelle des Jahres 2026 auf den Kanaren.
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