Miete frisst mehr als 100% des Lohns
Der durchschnittliche Lohn junger Kanaren macht es praktisch unmöglich, eine Wohnung zu mieten. Die Wohnungsnot spitzt sich in ganz Europa zu, auf dem Archipel jedoch besonders zu. Die Gründe liegen nicht nur im fehlenden Wohnungsangebot und mangelndem Neubau, sondern auch in der starken Nachfrage, die sich in einem für Ausländer attraktiven Reiseziel noch verstärkt. Viele sehen auf den Inseln eine Chance für einen Zweitwohnsitz. Obwohl das durchschnittliche Alter, in dem junge Menschen in Spanien von zu Hause ausziehen, mit derzeit 30 Jahren eines der höchsten in der EU ist, ist dies keine freie Wahl oder kulturelles Phänomen. Die Berechnung des durchschnittlichen Mietpreises pro Quadratmeter auf den Kanaren und des Grundgehalts der Inselbewohner unter 25 Jahren ergibt schlicht keine Möglichkeit, sich unabhängig zu machen.
Durchschnittsmiete liegt über 1.200 Euro
Die Wohnungen auf dem Archipel haben laut dem Immobilienportal Idealista eine durchschnittliche Größe von 80 Quadratmetern. Der Mietpreis pro Quadratmeter stieg im November auf 15,1 Euro, wie Daten desselben Unternehmens zeigen. Das ist ein Anstieg von 7,4% im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Durchschnittsmiete liegt damit über 1.000 Euro monatlich. Konkret sind es etwa 1.208 Euro für eine Wohnung. Junge Kanaren verdienten 2024 jedoch durchschnittlich nur 1.372,8 Euro brutto, wie aus der Gehaltsstatistik des Nationalen Statistikinstituts (INE) auf Basis der Arbeitskräfteerhebung (EPA) hervorgeht. Nach Abzug der Sozialversicherungsbeiträge und der Einkommensteuer (IRPF) bleiben netto etwa 1.070,17 Euro im Monat übrig.
Jugendliche müssten zusätzlich 140 Euro borgen
Die unter 25-Jährigen müssten also nicht nur 100% ihres Gehalts für die Wohnung aufwenden, sondern wären gezwungen, sich zusätzlich etwa 140 Euro zu leihen, um diese Ausgabe zu stemmen. Diese Altersgruppe hat typischerweise die niedrigsten Gehälter, unter anderem wegen eines höheren Anteils an Teilzeitstellen, befristeten Verträgen und geringerer Betriebszugehörigkeit. Hinzu kommt, dass das durchschnittliche Bruttogehalt auf den Inseln 2024 das niedrigste in ganz Spanien war. Wenn man die Verteuerung von Dienstleistungen und den Umstand berücksichtigt, dass der Lebensmittelwarenkorb auf den Kanaren einer der teuersten des Landes ist, erscheint der Gedanke an ein eigenes Zuhause fast wie eine Utopie.
Geteiltes Wohnen als einzige Alternative
Die Aussichten sind wenig ermutigend. Die Alternativen beschränken sich darauf, weiterhin bei Familienangehörigen zu wohnen oder eine Wohnung zu teilen. Dennoch zeigt der letzte Fotocasa-Bericht über Wohngemeinschaften in Spanien aus dem vergangenen Jahr, dass junge Menschen die Hoffnung nicht verloren haben. Die Umfragen deuten nicht auf Pessimismus hin: Die jüngeren Altersgruppen betrachten Wohneigentum weiterhin als Priorität. Sie verbinden ein Eigenheim mit wirtschaftlicher Stabilität und einer Möglichkeit, Vermögen aufzubauen, und vertrauen darauf, dass sie Zugang dazu erhalten werden, wenn auch erst mittelfristig.
Theorie und Praxis klaffen auseinander
Zwischen Theorie und Praxis liegt jedoch ein weiter Weg, und die Realität wird von den Preisen auf dem Wohnungsmarkt bestimmt. Ein hoher Prozentsatz junger Menschen ist gezwungen, eine Wohnung zu teilen. Das soziodemografische Profil der Nachfrager nach einem Zimmer in einer WG zeigt ein Durchschnittsalter von 33 Jahren, wobei 44% zwischen 18 und 24 Jahre alt sind. Dies ist tatsächlich die Gruppe mit dem größten Bedarf an geteiltem Wohnraum, oft aufgrund prekärer Löhne oder weil sie arbeitslos sind und von anderen Einkünften abhängen.
Besonders hart trifft es Studierende
Die Situation wird in dieser Lebensphase noch schwieriger, wenn sie mit dem Universitäts- oder Ausbildungszeitraum zusammenfällt. Viele Inselbewohner müssen dann in eine andere Stadt umziehen, um ihr Studium fortzusetzen, und haben nur die Option, eine Immobilie zu mieten. Auch wenn die Analyse die Realität in ganz Spanien beschreibt, skizziert sie grob das Profil des Mieters auf dem Archipel. Das Immobilienportal weist darauf hin, dass die Aktivität auf dem Wohnungsmarkt in der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen um fünf Prozentpunkte zurückgegangen ist – von 35% im Jahr 2023 auf derzeit 30%. Je größer die Schwierigkeiten beim Mieten sind, desto weniger Menschen erwägen einen Umzug.
Frustration und Auswirkungen auf die Lebensplanung
Das Ergebnis, so Fotocasa, spiegelt sich in der Frustration eines Teils der Bevölkerung wider. Die Unmöglichkeit, unabhängig zu werden, wirkt sich auf die persönliche Entwicklung der Bürger und den Verlauf ihres Lebenszyklus aus. Wenn das Zusammenleben aus Zwang und nicht aus freier Wahl erfolgt, leiden Aspekte wie die Geburtenrate oder die psychische Gesundheit. Diejenigen, die heute teilen, wohnten oft schon vorher zur Miete. 57% derjenigen, die in ganz Spanien ein Zimmer in einer WG mieten konnten, wohnten bereits zur Miete. Das bedeutet, dass fast sechs von zehn Personen, die 2023 in einer WG lebten, dies auch weiterhin tun. Tatsächlich ist dies ein ähnlicher Prozentsatz wie im Vorjahr. Weitere 22% wohnten in einer eigenen Immobilie und 21% lebten in einem Haus, das einem Familienmitglied gehörte und für das sie keine Miete zahlten. Der Abstand zwischen diesen beiden Optionen hat sich im letzten Jahr leicht verringert, was darauf hindeutet, dass junge Menschen mit den hohen Wohnkosten und ihren Gehältern die Kosten der Unabhängigkeit nicht bewältigen können.

