Weniger Chaos als befürchtet, aber längere Wartezeiten
Die von Italien eingeführten Grenzkontrollen an der Grenze zu Spanien werden auf den Kanarischen Inseln voraussichtlich keine gravierenden Auswirkungen haben – abgesehen von den üblichen Unannehmlichkeiten durch längere Warteschlangen. An Flughäfen wie Teneriffa-Süd könnten diese jedoch bestehende Engpässe bei den Passkontrollen weiter verschärfen, die bereits seit geraumer Zeit für Verzögerungen sorgen.
Italien: Wichtiger Markt, aber nicht der wichtigste
Aktuell verbinden 37 direkte Flugrouten die Kanarischen Inseln mit Italien – das entspricht 73 Flügen pro Woche. Trotz dieser regen Verbindungen ist Italien nicht das wichtigste Herkunftsland für Touristen auf dem Archipel. Laut dem Kanarischen Institut für Statistik (Istac) besuchten im Jahr 2025 rund 834.108 Urlauber aus Italien die Inseln – bei insgesamt etwa 18 Millionen Touristen.
Doch bei den ausländischen Residenten sieht die Lage anders aus: Die italienische Gemeinschaft ist nach den einheimischen Kanarern die größte Bevölkerungsgruppe. Rund 60.000 Italiener haben sich dauerhaft auf den Inseln niedergelassen, angezogen vom milden Klima und der niedrigeren Steuerbelastung. Für sie wird das Reisen zwischen ihrer neuen Heimat und ihrem Geburtsland bis auf Weiteres etwas umständlicher – zumindest bis die reziproke Maßnahme wieder aufgehoben wird.
Teneriffa als Favorit, Fuerteventura mit Spitzenreiter
Wie gut informierte Kreise der italienischen Gemeinde auf den Kanaren dieser Zeitung am Samstag bestätigten, wächst die Zahl der Neuankömmlinge stetig. Teneriffa ist dabei die beliebteste Insel unter den italienischen Residenten. Doch den höchsten prozentualen Anteil an Italienern verzeichnet die Gemeinde La Oliva auf Fuerteventura – insbesondere in der Tourismuszone von Corralejo – knapp vor Adeje und Arona.
Genau in Arona, genauer gesagt in Playa de las Américas im Süden Teneriffas, befindet sich das italienische Vizekonsulat. Dieses ist jedoch nur von Montag bis Donnerstag zwischen 14:00 und 16:00 Uhr telefonisch erreichbar – was es derzeit unmöglich macht, die unmittelbaren Auswirkungen der neuen Maßnahme auf die Konsulatsbesucher zu ermitteln.
Italienische Präsenz auf Gran Canaria
In der Provinz Las Palmas ist Italien nur mit einer Konsularagentur vertreten, der niedrigsten diplomatischen Vertretungsstufe. Von den zehn spanischen Gemeinden mit mehr als 1.000 Einwohnern, die den höchsten Anteil italienischer Einwohner aufweisen, liegen acht auf den Kanarischen Inseln. Angeführt wird die Liste von La Oliva (16,88 %), gefolgt von Adeje (10,99 %), Antigua (9,77 %) und Arona (8,64 %).
Besonders deutlich wird die italienische Präsenz in Vecindario (Santa Lucía de Tirajana) im Südwesten Gran Canarias – der Gemeinde mit der größten ethnischen Vielfalt des Archipels. Hier ist Italienisch die zweithäufigste Nationalität nach Spanisch, gefolgt von Marokkanisch. Die neuen Grenzkontrollen werden das Leben dieser Gemeinschaft nun zumindest vorübergehend etwas umständlicher machen.
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