HUC-Notaufnahme erneut Spitzenreiter bei Patientenbeschwerden
Das Hospital Universitario de Canarias (HUC) auf Teneriffa ist zum zweiten Jahr in Folge die Notaufnahme mit den meisten Patientenbeschwerden in ganz Spanien. Dies geht aus dem Jahresbericht der spanischen Patientenvertretung „El Defensor del Paciente“ hervor. Als Hauptgrund für die Klagen wird eine mangelhafte Steuerung des Patientenzuflusses genannt. Das tinerfenische Krankenhaus liegt damit erneut vor anderen großen spanischen Kliniken wie La Paz in Madrid, der Virgen Macarena in Sevilla oder dem Hospital de Cruces in Bilbao.
Ein landesweites Problem mit ähnlichem Muster
Die Patientenvertretung sieht in allen genannten Krankenhäusern ein ähnliches Muster, das das Chaos erklären könnte: Überfüllung aufgrund von Platzmangel, knappe Ressourcen, zu wenige Betten, sehr lange Wartezeiten bis zur Behandlung und ein deutlicher Kollaps des Systems. Im Laufe des Jahres 2025 gingen bei der Organisation hunderte Beschwerden von Patienten ein, die sich über die Behandlung in den Notaufnahmen beklagten. Die am häufigsten geäußerte Kritik war der Mangel an Menschlichkeit beim medizinischen Personal.
„Einige Mitarbeiter sind demotiviert und ausgebrannt, aber der Patient kann nicht für ein schlechtes Management büßen. Das Schlimmste ist, dass diese Entmenschlichung sich zu normalisieren beginnt“, warnten die Autoren des Berichts.
Zahl der Behandlungsfehler auf Zehnjahreshoch
Der Kollaps des öffentlichen Gesundheitswesens hat auch zu einer Zunahme von Versäumnissen geführt. Der Defensor del Paciente verzeichnete im Jahr 2025 insgesamt 14.986 Anzeigen wegen medizinischer Kunstfehler – der höchste Wert im letzten Jahrzehnt. Davon wurden 320 in Krankenhäusern der Kanarischen Inseln registriert, 31 mit tödlichem Ausgang. Die Hauptgründe sind Fehldiagnosen und der Verlust von Therapiechancen. Fälle von Fehlbehandlungen – schlecht durchgeführte Operationen, überstürzte Entlassungen, mangelhafte Versorgung, Infektionen, Verzögerungen bei Rettungswagen – sind ebenfalls sehr häufig.
Teneriffas Krankenhäuser im kritischen Fokus
Die westliche Provinz (Teneriffa, La Palma, La Gomera und El Hierro) schneidet mit 191 Fällen am schlechtesten ab, da zwei tinerfenische Krankenhäuser unter den drei am meisten beanstandeten Komplexen der Kanaren zu finden sind. Das HUC führt die Rangliste an, gefolgt vom Doctor Negrín auf Gran Canaria auf Platz zwei und dem Hospital Universitario Nuestra Señora de Candelaria auf Teneriffa auf Platz drei. Auf den Positionen vier und fünf liegen zwei Zentren aus Las Palmas: das Materno Infantil und das José Molina Orosa auf Lanzarote.
Im Bericht wird betont, dass sich „das Klima der Anspannung im kanarischen Gesundheitswesen“ aus dem Kollaps der Notaufnahmen, den „inakzeptablen“ Wartelisten und dem Defizit an Ressourcen und Personal entlädt. „All dies ist wiederum das Ergebnis jahrzehntelanger Kürzungen und der Vernachlässigung des öffentlichen Systems“, kritisierte die Vereinigung.
Leicht steigende Beschwerden, aber strukturelle Probleme
Das Jahr 2025 schloss mit 13 Beschwerden mehr als das Vorjahr (2024), was einem Anstieg von 4 % entspricht. Trotz dieses Anstiegs liegt die Zahl innerhalb der normalen Parameter, nur sechs Fälle über den 314 Schreiben, die den nationalen Durchschnitt des letzten Jahrzehnts auf dem Archipel markieren.
Wartelisten bleiben die größte Herausforderung
Der Defensor del Paciente unterstrich, dass „die größte Herausforderung“ des Kanarischen Gesundheitsdienstes (SCS) die chirurgische Warteliste sei. Obwohl sie einen rückläufigen Trend aufweise, liege sie weiterhin über 31.800 Personen und hundert Tagen Wartezeit. Konkret warten die Inselbewohner durchschnittlich etwa 109 Tage auf eine Operation. Diese Situation verschärft sich besonders in den Fachgebieten Plastische Chirurgie, Neurochirurgie sowie Angiologie und Gefäßchirurgie. Auch die Orthopädie/Unfallchirurgie und die Wirbelsäulenchirurgie weisen lange Verzögerungen auf.
Kritik an mangelnder Transparenz
Ohne „katastrophisch“ wirken zu wollen – wie sie selbst im Text klarstellten –, stellte die Organisation fest, dass das öffentliche System der Inseln in einer tiefen Krise stecke. Sie kritisierte die Daten scharf: „Auch wenn die Regierung dies auf eine höhere chirurgische Aktivität schiebt, ist die Wahrheit, dass Patienten, die von der offiziellen Liste auf die nicht-strukturelle Liste verlegt werden, nicht erfasst werden. Darüber hinaus ist die Weigerung, die Wartelisten für Operationen alle sechs Monate zu veröffentlichen, ein Zeichen völliger Transparenzlosigkeit.“
Notaufnahmen als wunder Punkt
Aus Sicht der Patientenvertretung sind die Notaufnahmen „das andere wackelige Bein der Bank“ auf den Kanaren, da es Dienstleistungen seien, die dringend revitalisiert werden müssten. Die des HUC seien dabei das größte Chaos. „Sie bleiben ein Beispiel für Entmenschlichung und Kollaps“, heißt es in dem Bericht. Die Krankenhäuser des Archipels bräuchten nicht nur eine Reform, sondern vor allem mehr Fachkräfte, insbesondere Hausärzte und Kinderärzte. Diese würden sich laut Bericht aufgrund des Mangels an Stellenangeboten und der „schlechten“ Arbeitsbedingungen nicht verpflichten lassen.
„Das Urteil ist ein glattes ‚Ungenügend‘ für die kanarische Gesundheitsversorgung“, lautete das abschließende Fazit.

