filmstadt adeje teneriffa projekt details kontroverse

Teneriffas Mega-Projekt: Eine Filmstadt für 689 Millionen Euro

Ein Mammutprojekt für die Filmindustrie

400.000 Quadratmeter Gesamtfläche, 13 Filmstudios, 3.200 Meter Außen-Wasser-Set, 8.800 Quadratmeter für audiovisuelle Ausbildung und eine geschätzte Wirtschaftsleistung von 689 Millionen Euro – die Zahlen rund um die geplante „Ciudad del Cine“ (Stadt des Kinos) in Adeje sind gewaltig. Das Projekt, das die Firma Imagine Green Studios SL auf dem als „Finca de Fañabé“ bekannten, landwirtschaftlich geschützten Gelände in Llano del Majano vorantreibt, will die Region zu einem Magneten für die internationale Filmindustrie machen. Angetrieben wird die Initiative von den steuerlichen Anreizen des Kanarischen Sonderstatus (REF), der bereits Produktionen auf die Inseln lockt. Während die Gran Canaria Studios bereits laufen und das Dreamland-Projekt auf Fuerteventura und Gran Canaria gescheitert ist, will die Filmstadt in Adeje nun mehr Glück haben.

Der administrative Weg und erste Widerstände

Ein erster wichtiger Schritt wurde im Juni 2023 getan, als das Projekt vom Plenum des Inselrats (Cabildo) von Teneriffa zum „Projekt von insularer Bedeutung“ erklärt wurde – damals unter der Führung von Pedro Martín (PSOE) und nur mit Gegenstimmen der Partei Sí Podemos Canarias. Ende Januar dieses Jahres erhielt es die Zustimmung desselben Gremiums, um das Umweltverträglichkeitsprüfungsverfahren bei der zuständigen Kommission (CEAT) zu beantragen. Genau in dieser Phase befindet es sich derzeit. Mit den veröffentlichten Unterlagen werden die Konturen des offiziell „Imagine Green Studios (IGS)“ genannten Vorhabens klarer.

Doch es regt sich auch Widerstand. Die Partei Sí se Puede lehnt das Projekt „frontal ab“. Sie kritisiert die Bebauung von „landwirtschaftlichen Böden von hohem Wert“, verweist auf die Lage in einem Zugweg von Zugvögeln und auf Brutkolonien von Sturmtauchern (pardelas) sowie auf die umgebenden Gebiete von besonderem Schutzstatus (ZEC).

Standortvorteile und ambitionierte Vision

Die Projektentwickler begründen die Standortwahl in ihrer Dokumentation mit den Vorzügen des Südklimas Teneriffas – essentiell für ununterbrochene Dreharbeiten –, der Nähe zum Flughafen Teneriffa Süd, der direkten Anbindung an die Südautobahn TF-1, dem einzigartigen Hotelangebot, der Erreichbarkeit von Gesundheitsdiensten sowie einem Netz aus Gastronomie, Transport und Bildungszentren.

IGS versteht sich als „kulturelle Einrichtung zur Förderung und Entwicklung der Filmkunst und anderer audiovisueller Produktionen“ und gliedert sich in zwei große Bereiche: Produktion & Postproduktion sowie Ausbildung & kulturelle Dienstleistungen. Kernziel ist die Schaffung eines spezialisierten Clusters für audiovisuelle Produktion mit „fortschrittlichster Digitaltechnologie“ für hochbudgetierte Filme und Serien, „in einer Qualität, die der der besten internationalen Studios gleichkommt oder sie übertrifft“.

Die technischen Dimensionen der Filmstadt

Das geplante Gelände umfasst exakt 400.037,58 Quadratmeter. Über 32.000 Quadratmeter sind für Dreharbeiten vorgesehen, mit 13 Studios – sechs davon doppelt, eins als Wasserstudio – mit Flächen zwischen 1.625 und 3.250 m² und 14 Metern Arbeitshöhe. Jedes Studio erhält Werkstätten für Kulissenbau und Servicebereiche (Büros, Umkleiden, Kantinen), was weitere 35.000 m² für diese Hilfsfunktionen ergibt.

Ein besonderes Highlight wird ein 2.250 m² großes Innenstudio für Unterwasser- und Trockenaufnahmen auf mehreren Ebenen sein, ausgestattet mit „spezifischer, in Europa einzigartiger Technik“. Ergänzt wird es durch ein 3.200 m² großes Außen-Wasser-Set und ein fast 70.000 m² großes Backlot (Außenkulissen) zur Nachbildung von Landschaften. Die Planung sieht außerdem vor: 4.500 m² Hallen für Kulissenbau und -lagerung, 9.300 m² für Büros und ergänzende Nutzungen, eine über 4.500 m² große Freifläche für Open-Air-Events, 1.800 m² für audiovisuelle Postproduktion, 4.200 m² für Studios für neue Technologieentwicklungen und 8.800 m² für die audiovisuelle Ausbildung. Letztere umfasst ein Hochschulzentrum für „Studiengänge und Master im Zusammenhang mit der Filmindustrie“ und ein „Berufsausbildungszentrum“ für filmrelevante Berufe.

Kontroverse: Wasserbedarf und ökologische Folgen

Einer der umstrittensten Punkte ist der immense Wasserbedarf. Die Dokumentation geht von einem jährlichen Verbrauch von 886.585 Kubikmetern Trinkwasser aus – das entspricht etwa 355 olympischen Schwimmbecken. Dies ist einer der Hauptkritikpunkte von Sí se Puede. Während die Partei vor negativen Auswirkungen auf geschützte Arten warnt, bestreitet das Unternehmen diese in seinen Unterlagen.

Wirtschaftliche Hoffnungen und politische Unterstützung

Die wirtschaftliche Impact-Studie, basierend auf Prognosen der Unternehmensberatung PwC, schätzt, dass der Komplex im zehnten Betriebsjahr einen Beitrag von 689,03 Millionen Euro zum kanarischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) generieren könnte. Die Zahl der Produktionen soll von 128 im ersten Jahr auf 206 im zehnten Jahr steigen. Der sozio-ökonomische Effekt wird auf 15.610 Arbeitsplätze beziffert, mit einem geschätzten Durchschnittsgehalt von 2.322 Euro und einer steigenden Beschäftigungsquote von Frauen in der Branche.

Die politische Unterstützung ist deutlich. Der Stadtrat von Adeje sieht in dem Projekt „eine gute Gelegenheit, den so oft geforderten Wandel des Wirtschaftsmodells voranzutreiben“, so Manuel Luis Méndez, Beigeordneter für Präsidentschaft und Raumplanung. „Es ist ein Projekt, das mit einer prosperierenden und produktiven Industrie zu tun hat, die tausende Arbeitsplätze schaffen und unsere Einkommensquellen diversifizieren kann.“ Man dürfe den Tourismus nicht vernachlässigen, aber müsse „auf neue Geschäftsfelder setzen, die Möglichkeiten in einer Industrie rund um Bild, Kommunikation und Kreativität schaffen“. Ein Ausbildungszentrum biete zudem „Zukunftsperspektiven für tausende Jugendliche jenseits des Tourismus“.

Auch vom Cabildo de Teneriffa, insbesondere von der Inseldirektorin für Strategische Projekte, Alicia Leirachá, kommt eine klare Verteidigung: „Es ist nicht nur von großer Bedeutung für die Förderung und Entwicklung der Filmkunst auf Teneriffa, sondern trägt auch zur wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung der Insel bei, sowie zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zur spezialisierten Ausbildung in diesem Sektor.“ Die Gemeinde Adeje betont, dass die Pläne der Entwickler zum gewünschten Entwicklungsmodell passen, nun aber geprüft werden müsse, ob alle rechtlichen, städtebaulichen und umweltrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Der gewählte Standort, so Méndez abschließend, „ist geeignet und würde bedeuten, ein brachliegendes Gebiet wiederzubeleben und der Gesellschaft auf produktive Weise zurückzugeben“.

Source

Nach oben scrollen
Share via
Copy link