Unruhe wegen steigender Euribor-Zinsen
Nach Monaten relativer Ruhe ist der Euribor, der wichtigste Referenzwert für die meisten variablen Hypotheken in Spanien, in den letzten Wochen wieder gestiegen. Ende Februar bewegte sich der Index bei rund 2,22 %, nur wenige Tage später erreichte der Tageswert bereits 2,36 % – der höchste Stand seit fast einem Jahr. Die vorläufige Durchschnittsrate für März liegt bereits bei etwa 2,35 %. Dieser Anstieg findet vor einem Hintergrund internationaler Unsicherheit, steigender Energiepreise und der Angst vor einem neuen Inflationsschub in der Eurozone statt. Die Bewegung ist zwar noch moderat, reicht aber aus, um erneut Tausende kanarische Familien in Alarmbereitschaft zu versetzen. Besonders betroffen sind diejenigen, die eine variable Hypothek besitzen und jährliche oder halbjährliche Zinsanpassungen ihres Darlehens vornehmen müssen.
Über 100.000 variable Hypotheken auf den Inseln betroffen
Auf den Kanaren gibt es kein öffentliches Register, das die genaue Zahl der aktuell aktiven Hypotheken ausweist. Die Daten des Nationalen Statistikinstituts (INE) erlauben jedoch eine Annäherung. Die Lebensbedingungen-Erhebung zeigt, dass 19 % der kanarischen Haushalte eine Hypothek abzahlen. Hochgerechnet sind das etwa 172.200 laufende Hypotheken in der Inselgruppe. Innerhalb dieser Gruppe liegt der Fokus auf denen mit variablen Darlehen. In den letzten Jahren hat sich der Hypothekenmarkt deutlich hin zu Festzinsen verschoben. Laut den neuesten INE-Daten werden heute über 60 % der neu abgeschlossenen Hypotheken in Spanien mit einem Festzins vereinbart – eine Formel, die den Kunden vor den Schwankungen des Euribor schützt.
Doch dieser Trend ist relativ jung. Über Jahrzehnte hinweg wurden praktisch alle Darlehen mit variablem Zins und an den Euribor gekoppelt vergeben. Deshalb ist der Anteil dieser Kredite am gesamten Hypothekenbestand trotz des aktuellen Rückgangs auf etwa ein Drittel bei Neugeschäften immer noch hoch. Verschiedene Schätzungen gehen davon aus, dass rund 60 % der bestehenden Hypotheken noch immer mit einem variablen Zinssatz angepasst werden. Auf den Kanaren bedeutet das ein erhebliches Potenzial: Bei etwa 170.000 laufenden Hypotheken wären über 100.000 Darlehen direkt den Bewegungen des Euribor ausgesetzt.
Besondere Verwundbarkeit der kanarischen Haushalte
Auf den Kanaren, wo die Durchschnittslöhne zu den niedrigsten in Spanien zählen, hat jede Zinsänderung eine direktere Auswirkung auf die Haushaltskasse. Ein Anstieg des Euribor um nur wenige Zehntelprozent kann sich für Haushalte, deren Hypothek in den kommenden Monaten angepasst wird, in zig Euro mehr pro Monat niederschlagen. Der Anstieg des Indikators hängt stark mit dem neuen internationalen Wirtschaftsszenario zusammen. Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten haben den Ölpreis über 100 US-Dollar getrieben und die Angst vor einer neuen Inflationswelle geschürt. Sollten die Preise wieder stärker steigen, könnte die Europäische Zentralbank gezwungen sein, ihre Geldpolitik zu verschärfen und die Leitzinsen anzuheben.
Genau dieses Szenario antizipieren bereits die Finanzmärkte, was die jüngste Volatilität des Euribor erklärt. Ein Indikator, der nicht alle Eigentümer gleichermaßen betrifft, aber einen bedeutenden Teil der Hypothekennehmer erneut unter Druck setzt. Die Verteuerung der Hypotheken betrifft nicht nur Kanaren, die bereits einen Kreditvertrag haben, sondern könnte auch Auswirkungen auf den angespannten Immobilienmarkt haben, der bereits strukturell unter Angebotsknappheit leidet.
Gründe für vorsichtigen Optimismus
Trotz dieses Unsicherheitsszenarios in der Eurozone gibt es einige Faktoren, die zur Vorsicht mahnen, bevor man einen neuen, langanhaltenden Zinsanstiegszyklus vorhersagt. Die jüngste Entscheidung der US-Notenbank (Federal Reserve), die Zinsen unverändert zu lassen, zeigt, dass die Zentralbanken weiterhin auf gemessene Schritte setzen und die Entwicklung der Inflation genau beobachten. Eine Strategie, die, wenn sie auch in Europa beibehalten wird, dazu beitragen könnte, abrupte Euribor-Sprünge zu verhindern und den Haushalten in den kommenden Monaten eine gewisse Stabilität zu geben.

