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Chinas Smartphones: Überlebenswerkzeug auf der Fluchtroute zu den Kanaren

Vom Marktführer zum Überlebenswerkzeug

Dass China seine Präsenz in Afrika im Rahmen seiner globalen Strategie intensiviert hat, ist eine unbestreitbare Tatsache. Diese Einflussnahme wird heute auf dem Kontinent durch fortschrittliche Technologie greifbar, insbesondere durch Mobiltelefone, die den afrikanischen Markt dominieren. Es sind robuste Marken, die außerhalb Afrikas jedoch kaum bekannt sind. Die Geräte des Herstellers Transsion – zu dessen Portfolio Marken wie Tecno, Infinix und iTel gehören – haben sich als Marktführer etabliert. Sie sind für harte Bedingungen konzipiert und zeichnen sich durch ihre Widerstandsfähigkeit, lange Akkulaufzeit und erschwingliche Preise aus. Eigenschaften, die sie zu den bevorzugten Handys für diejenigen machen könnten, die sich auf Seerouten – wie die über den Atlantik – begeben, um Europa zu erreichen, wobei die Kanarischen Inseln eines der Hauptziele sind.

Der afrikanische Markt im Fokus

Transsion drang 2006 auf den afrikanischen Markt vor, als globale Großmarken wie Apple oder Samsung den Kontinent noch nicht im Fokus hatten und ihn als wenig profitabel wahrnahmen. Das Unternehmen passte seine Telefone damals gezielt den Bedürfnissen afrikanischer Verbraucher an: bessere Kamerakalibrierung für dunklere Hauttöne, Dual-SIM-Funktionen, langlebige Akkus und sehr niedrige Preise, in der Regel unter 90 Euro. Dank dieser auf lokale Vorlieben ausgerichteten Strategie dominieren seine drei Hauptmarken seit über einem Jahrzehnt den afrikanischen Markt, mit einem weitaus höheren Marktanteil als bei traditionellen Herstellern.

Dominante Marktanteile und lückenlose Distribution

Die Zahlen bestätigen dies: Der Umsatzanteil von Transsion liegt zwischen 47% und 51% aller auf dem Kontinent verkauften Mobiltelefone. Diese Zahlen – die das Unternehmen zudem zum fünftgrößten Telefonhersteller der Welt machen – lassen sich nicht allein durch die technische Anpassung der Produkte an den afrikanischen Markt erklären. Entscheidend ist auch ein außergewöhnlich breites Vertriebsnetz, das nicht nur Großstädte, sondern auch ländliche Gebiete, Kleinstädte und Dörfer erreicht. Hinzu kommt ein arbeitsintensives Geschäftsmodell, das auf den ländlichen Raum und einkommensschwächere Schichten ausgerichtet ist. Dies hat es dem Unternehmen ermöglicht, besonders effektiv mit der afrikanischen Jugend in Kontakt zu treten.

Das Handy als lebenswichtiger Begleiter

Genau dieser Bevölkerungsanteil ist es, der am häufigsten sein Leben riskiert, indem er sich auf gefährliche Überfahrten in Holzbooten oder Schlauchbooten Richtung Europa begibt. Der Fall der Kanarischen Inseln ist hier besonders aufschlussreich. Die meisten Menschen, die diese Reise antreten, sind junge Erwachsene, in der Regel zwischen 20 und 35 Jahre alt, was mit Migrationsmustern auf ähnlichen Routen von Afrika nach Europa übereinstimmt. In diesem Kontext gewinnt das Mobiltelefon eine entscheidende Bedeutung für diejenigen, die unter extrem prekären Bedingungen migrieren. Diese Idee gewinnt noch mehr an Gewicht, wenn man die Charakteristika der Überfahrt bedenkt: In diesem Szenario erweisen sich Geräte wie die von Transsion als ideale Option, da sie größere Garantien für Widerstandsfähigkeit und Funktionalität während der Reise bieten. Das Handy wird so zu einem Schlüsselwerkzeug, das die Überlebenschancen erhöhen kann, und ermöglicht zudem den Kontakt mit der Familie, um zu bestätigen, dass man lebend angekommen ist.

Wachsende Mobilfunkdurchdringung und chinesischer Einfluss

Die Durchdringung der Mobilfunktelefonie in Afrika wird in den kommenden Jahren weiter nachhaltig zunehmen. Laut dem Bericht „The Mobile Economy in Sub-Saharan Africa 2023“ der GSMA wird Westafrika – die Region des Kontinents mit dem größten Einfluss auf die Migrationsströme zu den Kanarischen Inseln – das Gebiet mit dem stärksten Wachstum der Handynutzung sein und bis 2030 eine Penetrationsrate von 92% erreichen. Während die Verbreitung von Mobiltelefonen auf dem afrikanischen Kontinent zunimmt, zeigen die Daten den wachsenden Einfluss Pekings in diesem Bereich. Der bilaterale Handel zwischen China und den afrikanischen Ländern erreicht etwa 260 Milliarden Euro, womit China seit 15 Jahren in Folge der wichtigste Handelspartner Afrikas ist.

Infrastrukturprojekte und geopolitische Ziele

Während die kumulierten chinesischen Direktinvestitionen auf dem Kontinent über 37 Milliarden Euro lagen, realisierten chinesische Unternehmen große Infrastrukturprojekte – wie Straßen, Eisenbahnen und Kraftwerke –, die die Konnektivität und die lokale Entwicklung transformiert haben. Das Ziel ist offensichtlich: den Zugang zu natürlichen Ressourcen – wie Öl und strategischen Mineralien – im Austausch gegen technologische Zusammenarbeit zu sichern. Dies ermöglicht es China, nicht nur mit dem Westen zu konkurrieren, sondern auch seine Präsenz auf den afrikanischen Märkten selbst zu festigen, wo wichtige geopolitische Interessen definiert werden. Diese wirtschaftliche Präsenz wiederum führt zu einem Anstieg des geopolitisch-militärischen Einflusses Chinas auf dem Kontinent.

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