Luftaufnahmen von 1945 entlarven einen Mythos
Eine kürzlich auf Fuerteventura vorgestellte historische Untersuchung liefert neue dokumentarische Beweise, die einige der hartnäckigsten Mythen um das berühmte Haus von Cofete und die Figur des deutschen Ingenieurs Gustav Winter entzaubern. Der Forscher Luis Abaroa präsentierte bei der Vorstellung seiner Publikation „Cuando se hizo la Casa Winter“ bisher unveröffentlichte Luftaufnahmen der US Air Force vom 26. September 1945. Diese Bilder zeigen die Gegend von Cofete – ohne jede Spur des legendären Hauses oder angeblicher militärischer Infrastrukturen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs.
Kein Haus, keine Landebahnen: Was die Bilder wirklich zeigen
Laut den Forschern sind auf den historischen Aufnahmen lediglich Erdbewegungen und einige Fundamentreste zu erkennen. Dies passt exakt zu den historischen Dokumenten, die den Baubeginn der Casa de Cofete zwischen 1947 und den frühen 1950er Jahren datieren – und nicht mitten im Krieg, wie es die Volkslegende behauptet. Die Studie widerlegt auch entschieden die Existenz geheimer Landebahnen oder Nazi-Militärbasen auf der Halbinsel Jandía, einem zentralen Element vieler Erzählungen der letzten Jahrzehnte.
Der Ursprung der Legenden: Von Romanen und Gerüchten
Die analysierten Luftbilder, gestützt durch Zeugenaussagen von historischen Bewohnern der Gegend, belegen, dass es 1945 derartige Infrastrukturen nicht gab. Die heute sichtbaren Pisten entstanden erst Jahre später, in den 1950ern oder sogar noch später. Die Untersuchung geht auch dem Ursprung von Geschichten über U-Boote, Geheimgänge oder Nazi-Basen in Cofete nach. Viele davon nährten sich aus Gerüchten, Fehlinterpretationen und fiktionalen Werken. Als Beispiel wird der Roman von Alberto Vázquez-Figueroa genannt, der dieses Bild populär machte, obwohl es sich um ein literarisches und kein historisches Werk handelt. Mit der Zeit vermischten sich so Mythos und kollektive Erinnerung rund um Gustav Winter.
Gustav Winters wahre historische Bedeutung
Obwohl die Studie zahlreiche Mythen dekonstruiert, betonen die Autoren, dass die reale Lebensgeschichte von Gustav Winter aus historischer Sicht nicht weniger relevant ist. Der Ingenieur trieb im 20. Jahrhundert verschiedene Projekte in den Bereichen Landwirtschaft, Fischerei und wirtschaftliche Entwicklung auf der Halbinsel Jandía voran. Jenseits aller Legenden hat sich die Casa de Cofete als historisches und kulturelles Symbol Fuerteventuras etabliert, dessen architektonischer und kultureller Wert unbestritten bleibt.
Dokumente für die Öffentlichkeit
Das Forschungsteam arbeitet nun daran, diese Luftaufnahmen und die zugehörigen Dokumente in öffentliche Archive und nationale Fototheken zu integrieren. Das Ziel ist, der Bevölkerung Zugang zu diesen Quellen zu ermöglichen und so ein genaueres Bild der jüngeren Geschichte der Insel zu zeichnen.

