Ein Boot als letzter Zufluchtsort
Margarita ließ alles zurück, was sie in Asturien hatte, und kam auf die Kanarischen Inseln, um ihren Sohn zu pflegen, dem ein Krebsleiden das Leben raubte. „Sie starb auch ein bisschen, als ihr Sohn ging“, erzählen Aktivisten der Organisationen, die für diesen Dienstag, den 13. Januar 2026, um 09:00 Uhr zu einem Protest an der Dársena I des Sporthafens von Las Palmas de Gran Canaria aufrufen. Ziel ist es, die Räumungsklage gegen eine 71-jährige Frau zu verhindern, die dadurch in eine Situation extremer sozialer Verwundbarkeit geraten und ohne Unterstützungsnetzwerk dastehen würde.
Ein Teufelskreis nach dem Verlust
„Als ihr Sohn starb, geriet sie in einen Teufelskreis aus Schwierigkeiten. Sie kaufte das Boot, nachdem sie in Hotels gelebt hatte, während ihr Sohn krank war. Es ist ihr Zufluchtsort, sie verlässt das Boot kaum. Und plötzlich kamen sie direkt zu ihrem Boot und sagten ihr, dass sie gehen müsse“, schildern die Aktivisten die prekäre Lage. Die gerichtliche Genehmigung für die Räumung wurde am 25. November 2025 erteilt, unter der Bedingung, dass die Hafenbehörde das Ausführungsdatum mindestens zehn Tage im Voraus mitteilt. Die betroffene Frau habe jedoch keine klare oder verständliche Benachrichtigung erhalten und befinde sich ohne administrative oder soziale Unterstützung in einer Situation der Isolation, in der es ihr schwerfalle, Behördengänge zu erledigen.
Organisationen kritisieren Verfahren scharf
Die Organisationen „Derecho al Techo“ (Recht auf ein Dach) und „Mi barco, mi casa“ (Mein Boot, mein Zuhause) sind der Ansicht, dass der Fall die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestgarantien verletzt. Es handle sich um eine Räumung ohne soziales Begleitprogramm, ohne institutionelle Vermittlung und ohne Wohnungsalternative. „Es geht um eine ältere Person in einer Wohnungslosigkeitssituation, deren Gesundheit und Wohlbefinden ernsthaft gefährdet sein könnten“, warnen sie. „Eine Räumung ohne institutionelle Begleitung ist soziale Fahrlässigkeit, und die Folgen können schwerwiegend und irreversibel sein“, so „Derecho al Techo“.
Streit um die Hafennutzungsordnung
Das Staatshaftengesetz (Decreto Ley de Puertos del Estado) regelt, was in einem Hafen erlaubt und verboten ist. Die Hafenbehörde von Las Palmas hat eine spezifische Ordnung für den Sporthafen erlassen, die die Nutzung von Sportbooten als Wohnraum verbietet. „Das gibt es in keinem anderen Hafen des Staates“, erklärt ein Vertreter von „Mi barco, mi casa“ den Medien. „Wir glauben, dass dahinter ein wirtschaftliches Interesse steckt, weil es mit der Vermarktung des Sporthafens zusammenfällt.“ Gegen diese Nutzungsordnung ist derzeit vor Gericht Klage anhängig. „Das Vorsorgeprinzip sollte Vorrang haben, bevor man die Nutzer ihrer Unterkunft beraubt“, lautet das Fazit der Aktivisten.

