Handelskammer-Präsident kritisiert „neuen Raubzug“
Santiago Sesé, der Präsident der Offiziellen Handelskammer für Industrie, Dienstleistungen und Schifffahrt von Santa Cruz de Teneriffa, forderte am Dienstag (16.12.2025) den Flughafenbetreiber Aena auf, „aufzuhören, die Kanaren zu bestrafen“. Anlass ist die geplante Einführung einer neuen Gebühr für den Gelegenheitsverkehr mit Reisebussen an den Flughäfen der Inseln für die Standzeit der Busse auf dem Gelände. Sesé bezeichnete die Situation als „einen neuen Raubzug auf die Kanarischen Inseln“, da dies für die betroffenen Unternehmen einen erheblichen monatlichen Mehrkostenfaktor darstelle.
Hohe Mehrkosten für Tourismusbranche ab Januar
Die Gebühr, deren Einführung für Januar des kommenden Jahres angekündigt wurde und die schrittweise eingeführt werden soll, könnte den Transportunternehmen monatlich Tausende von Euro an Mehrkosten bescheren. Zunächst soll sie an den Flughäfen Teneriffa Süd und Lanzarote gelten, später dann an denen von Gran Canaria und Fuerteventura. Für Sesé ist dies ein „neuer Schlag“ gegen die Wertschöpfungskette des Tourismussektors. In einer Stellungnahme wies er darauf hin, dass dies nicht nur wirtschaftliche, sondern auch logistische und ökologische Nachteile mit sich bringe. „Es würde dem kollektiven Verkehr eine neue Hürde auferlegt, obwohl man eigentlich die Nutzung des öffentlichen Verkehrs als prioritäre und nachhaltigere Alternative zum Privatfahrzeug fördern und begünstigen müsste“, so Sesé.
Investitionsstau trotz hoher Passagierzahlen
Besonders gravierend sei, dass diese Entscheidungen in einem Kontext getroffen würden, in dem die kanarischen Flughäfen „offensichtliche Mängel“ bei Infrastruktur, Dienstleistungen und Wartung aufwiesen. „Trotz des hohen Passagieraufkommens und der wichtigen Rentabilität, die sie für das spanische Flughafensystem bringen, kommen die Investitionen nicht mit der Intensität und Geschwindigkeit, die ein erstklassiges Touristenziel erfordert“, erinnerte der Kammerpräsident. Er insistierte darauf, dass man die kanarischen Flughäfen nicht weiter als konstante Einnahmequelle nutzen könne, ohne dass es eine „gerechte Gegenleistung“ in Form von Modernisierung, Erweiterung und Verbesserung der Anlagen gebe.
Forderung nach kostenlosen Wartezonen
Die Inseln könnten keine weiteren wirtschaftlichen Belastungen tragen, die die Wettbewerbsfähigkeit des Tourismussektors als wichtigster Wirtschaftsmotor der Kanaren beeinträchtigen. Daher müssten operative Lösungen gefunden werden, die keine Kostensteigerung für die Unternehmen bedeuten. Sesé verwies auf Lösungen, wie sie bereits an anderen nationalen Flughäfen existieren: sogenannte „Regulierungsbecken“ (bolsas reguladoras), also angrenzende Freiflächen, auf denen Personentransportfahrzeuge kostenlos warten können, bevor sie Fahrgäste am Terminal abholen. Dort stünden ihnen typischerweise eine kostenlose Stunde zur Abholung der Passagiere zur Verfügung.
Diese Lösung wird von der Föderation der Transportunternehmen der Kanarischen Inseln vorgeschlagen und von der Handelskammer von Santa Cruz de Teneriffa unterstützt. Aus Sicht der Kammer muss jede Maßnahme dieser Tragweite mit den betroffenen Sektoren abgestimmt werden. Zudem müsse die Auswirkung auf die gesamte Wertschöpfungskette des Sektors und auf die Nachhaltigkeit – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch ökologisch – des Reiseziels berücksichtigt werden.

