Erneutes Rumoren unter dem Riesen
Dem Teide knurrt wieder der Magen. Nach zwei Tagen vergleichsweise schwacher Aktivität hat der Untergrund Teneriffas in der vergangenen Nacht neue Pulse seismischer Aktivität verzeichnet – diesmal westlich von Las Cañadas. Insgesamt wurden in den letzten 24 Stunden mehr als einhundert Erdstöße und kleine, miteinander verwobene Erschütterungen registriert. 24 davon konnten bislang lokalisiert werden, doch die Aktivität ist noch nicht abgeklungen.
Dritter Schwarm innerhalb einer Woche
Nach zwei Tagen mit relativer Ruhe in den Eingeweiden des großen Vulkans hat das Instituto Geográfico Nacional (IGN) einen neuen Anstieg der sismo-vulkanischen Aktivität unter der Insel festgestellt. Es ist bereits der dritte derartige Schub seit vergangener Woche. Seit Mitternacht wurden mehrere Aktivitätspulse gemessen, wobei der deutlichste gegen 3:54 Uhr morgens auftrat. Gleichzeitig ereigneten sich mehrere schwach ausgeprägte vulkanotektonische Beben an anderen Punkten der Insel.
Konkret wurden drei Beben in der Meeresstraße zwischen Gran Canaria und Teneriffa detektiert – in der Region des sogenannten Enmedio-Vulkans. Das stärkste erreichte eine Magnitude von 2,6. Unter der Insel selbst liegen die meisten Epizentren im Westen der Cañadas, hauptsächlich in den Gemeinden Guía de Isora und Vilaflor de Chasna.
Zwischen 10 und 16 Kilometern Tiefe
Diese ungewöhnliche seismische Aktivität – die sich unter dem Teide inzwischen zu einer Art neuer Normalität entwickelt hat – findet in einer Tiefe zwischen zehn und 16 Kilometern unter dem Meeresspiegel statt. Die Erdbeben sind, wie schon bei früheren Vorfällen, energearm. Diesmal wurden jedoch Spitzenwerte von 2,0 MbLg erreicht. Dennoch: Keines der 107 registrierten Ereignisse wurde von der Bevölkerung wahrgenommen.
Niederfrequente und hybride Ereignisse dominieren
Während dieses Aktivitätsschubes wurden Pulse unterschiedlicher Natur aufgezeichnet: Neben klassischen Erdbeben traten vermehrt niederfrequente Ereignisse (LP) sowie hybride Ereignisse auf – eine Mischform, die in diesem Prozess vorherrscht. Die aktuelle Aktivität ähnelt jener, die seit Jahresbeginn immer wieder beobachtet wird. Sie erhöht nach Einschätzung der Forscher nicht die Wahrscheinlichkeit eines kurz- oder mittelfristigen Ausbruchs auf Teneriffa.
Was steckt dahinter?
Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese seismischen Ereignisse mit der Bewegung magmatischer Fluide zusammenhängen – flüssige oder gasförmige Schmelzen, die zirkulieren und mit den Gesteinen in der Tiefe der Insel interagieren. Eine solche Seismizität bedeutet für sich genommen nicht zwangsläufig eine Entwicklung hin zu einem Ausbruch – weder mittel- noch langfristig. Die anhaltende Aktivität in ein und derselben Region sei jedoch vereinbar mit einem lokal andauernden aktiven Prozess.
Rund um die Uhr überwacht
Das IGN als zuständige Behörde für die vulkanische Überwachung in Spanien hat auf Teneriffa ein Netz von über 100 fest installierten Stationen, Messgeräten und Probenahmepunkten aufgebaut. Damit werden die wichtigsten Parameter mit modernster Technologie überwacht und ausgewertet – rund um die Uhr. Ziel ist es, jede Veränderung, Abweichung oder Anomalie in der Seismizität, den Bodenverformungen oder der Geochemie in Echtzeit zu erfassen, die auf eine Veränderung der Gefahrenlage hindeuten könnte – ob kurz-, mittel- oder langfristig.

