Ein Stück USA am Hafen von Puerto de la Cruz
Dass die USA in den beiden Weltkriegen eine entscheidende Rolle spielten, ist unbestritten. Was jedoch auf Teneriffa für Diskussionen sorgt, ist ein unübersehbarer „pro-amerikanischer“ Enthusiasmus, der sich bei manchen Einwohnern der Insel zeigt. Ein besonders greifbares Beispiel dafür spielt sich seit Jahren an den Wochenenden am Muelle de Puerto de la Cruz ab, dem touristischen Motor im Norden Teneriffas.
Ein Jeep, viele Regierungen, eine dauerhafte Präsenz
Das Phänomen ist beständig: Egal, welche Partei gerade in der Stadtregierung sitzt – ob die Koalition aus PP und CC (2015-2019), aus PSOE und ACP (2019-2024) oder die aktuelle Koalition aus PP, ACP und CC –, immer wieder taucht derselbe offene Militär-Jeep, angeblich aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, auf. Sein Besitzer stellt das Fahrzeug auf dem Kopfsteinpflaster gegenüber der Strandpromenade zur Schau, eine Stelle, an der das Parken eigentlich nur mit spezieller Genehmigung zum Be- und Entladen für die ansässigen Geschäfte und Restaurants erlaubt ist.
Ein lokaler Polizist bestätigte auf Nachfrage, dass für das Fahrzeug genau eine solche spezielle Lizenz vorliege, auch wenn der Jeep die entsprechende Parkkarte nie sichtbar ausweise. Die aktuelle Stadtregierung reagierte auf eine Anfrage zu dem Fall mit der Aufforderung, die Informationen schriftlich und per offiziellem Register anzufordern.
Symbolik in einer veränderten Welt
Unabhängig von der rechtlichen Genehmigung stellen viele Menschen die grundsätzliche Erlaubnis für eine solche Ausstellung infrage. Diese Kritik gibt es zwar schon länger, doch in der heutigen geopolitischen Lage erhält die Präsenz eines Fahrzeugs, das dem US-Militär huldigt – angeblich für seinen Beitrag zu Demokratie und Freiheit in den 1940er Jahren –, eine völlig neue, vielschichtigere Bedeutung.
Die Welt sieht sich heute mit einem US-Präsidenten konfrontiert, der sich selbst zum Präsidenten Venezuelas ausrief nach einem Staatsstreich, der europäische und NATO-Partner mit der Annektierung Grönlands bedroht, Nachbarstaaten wie Mexiko unter Druck setzt und dessen enge Allianz mit Israels Premier Netanyahu den langjährigen Konflikt in Palästina weiter anheizt. In diesem globalen Kontext wirkt die Zurschaustellung von US-Militärmacht, selbst in Form eines historischen Fahrzeugs, auf viele nicht mehr wie harmloser Nostalgie-Patriotismus, sondern wie eine unangemessene Verherrlichung.
Touristenattraktion oder politische Provokation?
Es stimmt, dass an derselben Stelle auch andere ausgefallene Fahrzeuge zu sehen sind, die als Fotomotive dienen: Nachbildungen von „Cars“-Charakteren wie Lightning McQueen, das legendäre Gefährt der Ghostbusters oder pinke Barbie-Autos. Allerdings tauchen diese bei weitem nicht so regelmäßig auf wie der Jeep.
Und ja, Touristen und viele Residenten fotografieren sich lachend vor all diesen Attraktionen, inklusive des Jeeps. Doch für die Kritiker wiegen die Gründe, eine solche militaristische Schaustellung zugunsten einer Großmacht abzulehnen, die aktuell versucht, die Welt nach ihrem Willen zu formen, heute schwerer als je zuvor. Dies gilt unabhängig davon, wie stolz der Besitzer des Jeeps oder seine sonntäglichen Bewunderer auch sein mögen.

