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99 Minderjährige ziehen Asylantrag zurück – aus Verzweiflung

Verzweifelte Entscheidung mit weitreichenden Folgen

Der politische Streit zwischen der Regierung der Kanarischen Inseln und dem spanischen Staat über die Verlegung unbegleiteter, minderjähriger Asylsuchender auf das Festland hat direkte und tragische Konsequenzen. Dutzende Jugendliche haben sich entschieden, auf ihr Recht zu verzichten, internationalen Schutz zu beantragen. Damit geben sie die Möglichkeit auf, in Spanien Schutz und Asyl zu erhalten, sowie den Zugang zu grundlegenden Rechten wie legalem Aufenthalt, Arbeit, Gesundheitsversorgung oder Bildung. Nach Angaben der Regionalregierung haben bereits 99 Minderjährige ihren Asylantrag zurückgezogen.

Unwürdige Zustände in staatlichen Transit-Zentren

Einer der Hauptgründe, so die Anklage der Kanaren-Regierung, sind die unzureichenden Bedingungen in den vom Staat bereitgestellten Aufnahmezentren. Diese sollen die Jugendlichen vor ihrer Weiterreise auf das spanische Festland beherbergen. Das Problem ist nicht neu. Die Regionalverwaltung hat die Mängel in den staatlichen Einrichtungen wiederholt angeprangert, insbesondere im Mega-Zentrum „Canarias 50“. Dabei handelt es sich um eine ehemalige Kaserne im Stadtteil La Isleta in Las Palmas de Gran Canaria, in der auch erwachsene Migranten untergebracht sind.

„Die Jugendlichen verstehen es nicht“

„Die Jungs verstehen nicht, warum sie ein Transit-Zentrum auf ihrer eigenen oder einer anderen Insel durchlaufen müssen – im Falle derer, die sich auf Teneriffa, La Palma, Lanzarote oder Fuerteventura befinden –, um anschließend in eine andere Region auf dem Festland verlegt zu werden“, erklärt Sandra Rodríguez, Generaldirektorin für Kinderschutz und Familien. Sie fügt hinzu, die Situation sei auf Teneriffa besonders kritisch: „Wir bitten den Staat seit Langem, sowohl auf Gran Canaria als auch auf Teneriffa stabile Zentren zu eröffnen.“

Derzeit gibt es auf Teneriffa keinerlei staatliche Einrichtungen. Die Autonomieregierung betont, der Staat habe trotz Nachfrage noch nicht mitgeteilt, wann er diese eröffnen wolle, „obwohl es bereits Minderjährige mit internationalem Schutzstatus gibt, die auf ihre Verlegung in die staatliche Netzwerke warten“.

Die Flucht vor der Unsicherheit

Angesichts dieses Szenarios und mit dem Ziel, die ständigen Verlegungen zwischen Zentren sowie die Ungewissheit des Verfahrens zu vermeiden, entscheiden sich viele Jugendliche dafür, ihren Antrag auf internationalen Schutz zurückzuziehen. Die meisten stammen aus Ländern mit prekären Arbeitsbedingungen oder berufen sich auf durch Armut verursachte Vulnerabilität, wie im Fall von Jugendlichen aus Marokko oder Senegal.

Vor diesem Hintergrund hat die Kanaren-Regierung wiederholt gefordert, die Minderjährigen in den Aufnahmeeinrichtungen zu evaluieren, in denen sie bereits untergebracht sind. Damit soll auch vermieden werden, dass sie in das Mega-Zentrum Canarias 50 verlegt werden, insbesondere wenn ihr Wunsch ist, aus Gründen der Verwurzelung auf den Inseln – auf Gran Canaria oder Teneriffa – zu bleiben.

Zwei Wochen Vereinbarung, über ein Monat Realität

Obwohl die Aufenthaltsdauer in dieser Einrichtung laut Vereinbarung zwischen den verschiedenen Verwaltungsebenen zwei Wochen nicht überschreiten sollte, hat sie sich in zahlreichen Fällen auf über einen Monat verlängert. Sozialarbeiter haben sogar berichtet, dass einige Minderjährige zeitweise in Zelten schlafen mussten und es an grundlegenden Hygieneartikeln fehlte.

Besonders schutzbedürftige Jugendliche

Die Situation ist umso gravierender, wenn man die besondere Schutzbedürftigkeit der Minderjährigen bedenkt, die ohne Begleitung eines verantwortlichen Erwachsenen an den kanarischen Küsten ankommen. Viele von ihnen – insbesondere die aus Mali – fliehen vor bewaffneten Konflikten sowie schweren Sicherheits- und politischen Stabilitätskrisen, weshalb ihr Recht auf Asyl praktisch garantiert ist.

Seit Beginn der Verlegungen im vergangenen August haben sich viele minderjährige Asylsuchende geweigert, die Kanaren zu verlassen, entmutigt durch die Langsamkeit des Prozesses. Nach Ansicht der Regionalregierung hat diese Verzögerung Misstrauen und Unsicherheit unter den Jugendlichen geschaffen.

Dreifach überbelegt, während weiterhin Boote ankommen

Das Szenario ist für die Autonome Gemeinschaft wenig ermutigend: Die Aufnahmezentren sind bereits dreifach überbelegt. Während die Verlegungen nur tröpfchenweise vorankommen, erreichen die Inseln weiterhin unbegleitete Minderjährige, die sofortige Betreuung benötigen. In den ersten Tagen des Jahres 2026 haben mehrere Holzboote (Cayucos) die Küsten des Archipels mit rund hundert Minderjährigen an Bord erreicht.

Gemäß der Reform von Artikel 35 des Ausländergesetzes sollen Jugendliche, die ohne Begleitung eines erwachsenen Familienmitglieds ankommen, innerhalb von maximal 15 Tagen von den Inseln verlegt werden. Bislang wurden diese Fristen jedoch nicht eingehalten; in einigen Fällen wurden sogar zwei Monate überschritten.

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