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Nur 11% der Menschen mit Behinderung auf den Kanaren haben einen Job

Nur eine von zehn Personen mit Behinderung ist erwerbstätig

Auf den Kanarischen Inseln hat nur etwa jede zehnte Person mit einer anerkannten Behinderung einen Arbeitsplatz. Konkret sind es 11,2 Prozent. Dies geht aus der jüngsten Erhebung des spanischen Statistikamtes (INE) hervor. Die Studie zeigt zudem, dass 76,3 Prozent dieser Gruppe eine Rentenzahlung von der Sozialversicherung beziehen, während weitere 6,6 Prozent sowohl erwerbstätig sind als auch eine Rente erhalten. Der Wert des Archipels liegt nur knapp unter dem spanischen Durchschnitt von 11,4 Prozent, ist aber deutlich niedriger als in Regionen wie Madrid (17,9 %) oder Murcia (13,2 %). Andere Gebiete wie Galicien (7,7 %) oder Andalusien (8,3 %) bleiben sogar unter der 10-Prozent-Marke.

Leichte Verbesserung, aber historische Hürden

Auch wenn die Beschäftigungsquote nur bei etwa 11 Prozent liegt, handelt es sich dabei um den höchsten registrierten Wert seit mindestens 2016. In Übereinstimmung mit dem nationalen Trend hat sich die Arbeitssituation für Menschen mit Behinderung auf den Inseln über die Jahre leicht verbessert. Im Jahr 2023 – dem letzten verfügbaren Datenzeitraum – waren 11,2 Prozent erwerbstätig, gegenüber 10,9 Prozent im Jahr 2022 und 9,2 Prozent im Jahr 2021.

Die Fundación Adecco weist in einem aktuellen Bericht jedoch auf eine zusätzliche Barriere hin, die die volle Inklusion auf den Inseln besonders erschwert: die historisch hohen Arbeitslosenquoten des Archipels, die stets über dem nationalen Durchschnitt lagen.

Bildung als Schlüsselfaktor

Alejandro García, Integrationsberater der Fundación Adecco auf den Kanaren, nennt als Hauptproblem den Mangel an Ausbildung. „Das kommt aus einer Tradition heraus, Menschen mit Behinderung hatten kaum Zugang zu höherer Bildung; zum Glück arbeiten die neuen Generationen sehr daran und es gibt immer mehr Möglichkeiten, sowohl in der Berufsausbildung als auch an der Universität“, so sein Argument. Während 29,6 Prozent der Gesamtbevölkerung der Inseln einen Universitätsabschluss haben, sinkt dieser Anteil bei Menschen mit einer Behinderung auf 12,1 Prozent. Hinter diesen Zahlen stecke auch eine tief verwurzelte Kultur der Überbehütung.

Hohe Inaktivitätsquote und Unternehmensstruktur als Hemmnis

Die berufliche Integration wird im Archipel durch eine weitere Besonderheit erschwert: Sieben von zehn Kanaren mit Behinderung (71,6 %) sind nicht auf dem Arbeitsmarkt aktiv. Dies ist die höchste Inaktivitätsquote im gesamten Staatsgebiet. Die Inseln liegen damit weit hinter Regionen wie Kantabrien (45,1 %) oder Madrid (41,5 %), wo fast die Hälfte dieser Personen arbeitet oder Arbeit sucht. Von den 97.500 Inselbewohnern mit einer Behinderung sind nur 27.700 aktiv.

„Behinderung ist ein sehr weites Feld. In unserer Gemeinschaft haben 54,4 Prozent einen anerkannten Grad von über 64 Prozent, benötigen also für die Teilnahme am Arbeitsmarkt ein viel höheres Maß an Anpassung“, warnt García. Er betont auch, dass die Unternehmen eine Mitschuld tragen, da viele nicht für die Integration von Behinderung in ihre Teams sensibilisiert seien.

Hinzu kommt die Wirtschaftsstruktur der Inseln, die fast vollständig aus kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) mit weniger als 50 Beschäftigten besteht. Diese Unternehmen sind gesetzlich nicht verpflichtet, zwei Prozent ihrer Stellen mit Menschen mit Behinderung zu besetzen – eine Regelung, die erst ab einer Belegschaft von über 50 Mitarbeitern greift. Tatsächlich wurden im Jahr 2024 66 Prozent der Verträge für Inselbewohner mit Behinderung in speziellen Beschäftigungszentren abgeschlossen, während nur 34 Prozent in regulären Unternehmen zustande kamen.

Gemeinsame Anstrengung von allen Seiten gefordert

Für den Berater ist die berufliche Integration eine offene Baustelle, die nur „mit vier oder mehr Händen“ angegangen werden kann. Die öffentliche Verwaltung müsse alle umfassenden Beschäftigungsprogramme stärken, da vor allem junge Menschen ohne Vorbereitung in den Arbeitsmarkt einträten. Die Behörden müssten auch die Mobilität fördern, insbesondere durch den öffentlichen Nahverkehr. „Die meisten Menschen mit Behinderung besitzen kein Auto und sind daher stark auf Bus oder Straßenbahn angewiesen. Wenn es keine Verbindungen zu Touristikzentren wie Adeje oder Industriegebieten wie dem von Güímar gibt, können sie die Stelle nicht annehmen“, argumentiert er.

Auf der anderen Seite müssten die Unternehmen stärker sensibilisiert werden, um das soziale Stigma abzubauen, das die Behinderung über Jahrzehnte mit sich trug. „Manchmal braucht es nur einen Hocker oder eine andere unbedeutende Veränderung, um den Arbeitsplatz für diese Profile anzupassen – etwas, das problemlos umgesetzt werden kann“, so García.

Hier müsse das Netzwerk der Verbände durch gemeinsame Arbeit und Datenaustausch ansetzen. „Wir können nicht denken ‚das ist mein Kandidat‘; wir müssen immer den Menschen in den Mittelpunkt stellen“, betont er. Abschließend sei es auch wichtig, dass sowohl die Familien als auch die Betroffenen selbst diese Integration in den Arbeitsmarkt aktiv fördern und unterstützen.

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