Polizeiaktion gegen Sekte in La Esperanza
Beamte der spanischen Nationalpolizei haben eine Sekte zerschlagen, deren Verantwortliche sich seit einigen Jahren auf Teneriffa niedergelassen hatten. Die Ermittlungen und die Durchführung der Operation wurden von Spezialisten der Comisaría General de Información (etwa: Generaldirektion für Informationen) übernommen, die eigens aus Madrid angereist waren, um gegen Mitglieder dieser Gruppe vorzugehen.
Afrokubanische Rituale als Deckmantel
Die Sekte führte mutmaßlich afrokubanische Rituale oder Santería-Zeremonien durch, mit denen sie offenbar eine Reihe von Straftaten verschleierte. Nach den wenigen durchgesickerten Informationen wurden diese Praktiken der Yoruba-Religion an die Interessen des Anführers angepasst. Bei diesem handelt es sich um einen Mann mittleren Alters, der in der Gegend von La Esperanza in der Gemeinde El Rosario lebte.
Festnahme des Anführers
Die Polizeiaktion wurde in dieser Woche gegen eine nicht allzu große Gruppe durchgeführt. Dabei wurde der mutmaßliche Anführer festgenommen. Einige Personen wurden offenbar angeworben, um mit dem Anführer und seiner Partnerin in derselben Wohnung zu leben. Der Sektenchef soll einen großen Einfluss auf die Entscheidungen einiger seiner Anhänger in so relevanten Fragen wie Gesundheit oder wirtschaftliche Angelegenheiten gehabt haben.
Ermittlungen unter Geheimhaltung
Mehrere Quellen bestätigten, dass die Ermittlungen weiterlaufen und vorerst die richterliche Geheimhaltung (secreto de sumario) aufrechterhalten wird. Die ersten Ermittlungen wurden von Beamten der Informationsbrigade der Nationalpolizei in Santa Cruz de Tenerife aufgenommen, die den Fall dann an ihre Kollegen der Generaldirektion in Madrid weiterleiteten.
Experte: Fokus liegt auf Straftaten, nicht auf Religion
Der Psychologe Manuel Pérez Torres, ein Experte für Sekten und Vertreter von Opferverbänden, erklärt, dass sich Polizeiaktionen nicht gegen religiöse Praktiken richten, sondern gegen mutmaßliche Straftaten, die parallel von einigen Verantwortlichen begangen werden. Pérez Torres erinnert daran, dass die Santería auf den Kanaren „sehr normalisiert und verbreitet“ sei; „sie gehört fast zu unserer Kultur“. Er stellt klar, dass „einige dieser Praktiken einen sektenähnlichen Charakter annehmen können“.
Ursprünge und Entwicklung auf den Inseln
Der Experte weist darauf hin, dass die Auswanderung einer beträchtlichen Zahl von Kanaren in Länder, in denen die Yoruba-Religion sehr verbreitet ist, und ihre Annäherung an diese dazu geführt habe, dass diese Bürger nach ihrer Rückkehr auf den Archipel mit solchen Praktiken fortfuhren. Parallel dazu habe die Einwanderung von Menschen aus diesen lateinamerikanischen Ländern auf die Kanaren ebenfalls zur Entwicklung solcher Riten auf den Inseln beigetragen. Aus Sicht des Spezialisten kommt es in einigen dieser Gruppen zu Druck oder Erpressung von Mitgliedern, um bedeutende Geldsummen für die Durchführung bestimmter Praktiken zu erlangen.

