Revolution im Hausbau: Holz-Wohnblöcke in drei Wochen fertig
Die Wohnungskrise, die Verteuerung von Bauland und Baukosten hinterlassen nicht nur einen schwierigen Immobilienmarkt, sondern fördern auch neue und innovative Alternativen im Bausektor zutage. Drei Arbeiter, drei Wochen und eine komplette Struktur – so sieht die neue Bauweise aus, mit der der Architekt Ricardo García im Stadtteil Salto del Negro der grancanarischen Hauptstadt Las Palmas arbeitet. Ein Konzept, das auf Geschwindigkeit, Wirtschaftlichkeit und Ökologie setzt.
Ein ungewohntes System für die Kanaren
„Es ist ein System, das auf den Kanarischen Inseln bisher nicht zum Einsatz kam“, erklärt García, „abgesehen von einigen Einfamilienhäusern und beispielsweise dem Kreuzfahrtterminal in Teneriffa.“ Diese Gemeinschaftswohnungen bestehen aus zwei Blöcken mit je drei Stockwerken und einer kompletten Holzkonstruktion. Im Gegensatz zu Skeletten aus Beton oder Stahl, die eine Bauzeit von mindestens zweieinhalb Monaten erfordern, ist dieser Rohbau in etwas mehr als drei Wochen fertiggestellt. Anschließend folgen der Innenausbau sowie die Installation der Elektro- und Sanitärsysteme.
Schnell, sauber und präzise
In dieser Phase bietet die Holzkonstruktion einen entscheidenden Vorteil: Es muss nicht in die Wände gebohrt werden. Es reicht, die Leitungen anzuschrauben und anschließend mit Gipskartonplatten zu verkleiden. Ein Verfahren, das „die Bauarbeiten viel schneller, sauberer und präziser macht“, betont der Architekt. Angesichts der offensichtlichen Vorteile gegenüber traditionellen Bauweisen stellt sich die Frage: Warum kommt diese Methode erst jetzt auf die Kanaren? Für den Experten ist der Hauptgrund kulturell bedingt: „Holz wird mit knarrenden Böden, alten oder ländlichen Gebäuden aus dem 18. Jahrhundert assoziiert.“ Doch das ist ein Irrtum.
Ideal für das kanarische Klima
Dieses Material hat ein „sehr gutes Verhalten gegenüber Feuchtigkeit“, weshalb das Klima des Archipels für seinen Einsatz günstig ist. In Phasen höherer Luftfeuchtigkeit absorbiert das Holz die im Luft gespeicherte Feuchtigkeit und gibt sie wieder ab, wenn – wie auf den Inseln häufig – die Calima mit trockener, staubiger Luft einsetzt. „Es befeuchtet so letztendlich auch das Raumklima der Wohnung“, so García. Zudem ist Holz feuerbeständig, einfach zu warten und aufgrund seines geringen Gewichts leicht zu verarbeiten, was zu sehr kurzen Bauzeiten führt.
Die Herausforderung: Der Transport
Das Material für diese zehn Wohneinheiten stammt von Kiefern aus dem Baskenland, und genau dieser Transport vom spanischen Festland verteuert die Konstruktion. Ohne dieses Handicap würde die Verwendung von Brettschichtholz die Baukosten senken, zumal – wie in diesem Fall – nur drei Arbeiter benötigt werden. Diese Kosteneffizienz ist einer der Gründe, warum das System bereits in Katalonien und sogar in Kanada für den sozialen Wohnungsbau genutzt wird.
Chance für eine kanarische Holzindustrie
In diesem Zusammenhang sieht García eine Geschäftschance für die Inseln: „Wir haben mit dem Forstdienst des Cabildo (Inselregierung) von Gran Canaria gesprochen, und es besteht die Möglichkeit, eine Holzindustrie auf den Kanaren aufzubauen.“ Auf Gran Canaria gibt es eine große Anzahl von Eukalyptusbäumen. Obwohl ihr hoher Wasserverbrauch der einheimischen Flora schadet und ihr ausladendes Wachstum endemische Arten verdrängt, ist ihr Holz im Holzsektor aufgrund seiner hohen Qualität sehr geschätzt.
Eukalyptus als Rohstoff der Zukunft?
Der Architekt hält es für machbar, dass Grundstückseigentümer, auf deren geschützten Flächen keine Bebauung oder andere Aktivität möglich ist, diese für Aufforstung und späteren industriellen Nutzen zur Verfügung stellen. Andererseits ist die Industrie, die benötigt wird, um diese Bäume in für den Bau verwendete Platten zu verwandeln, „relativ einfach einzurichten“, wie er feststellt.

