KI hält Einzug in die Klassenzimmer der Kanaren
Wie in vielen anderen Lebensbereichen findet auch in den Schulen der Kanarischen Inseln allmählich die Künstliche Intelligenz (KI) ihren Platz. Die Bildungseinrichtungen und die Schulbehörden setzen sich derzeit mit dem Einsatz dieser Werkzeuge in jungen Jahren auseinander. Derzeit konzentriert man sich darauf, die Technologie lediglich zur Bereitstellung von Bildungsressourcen für das Lehrpersonal zu nutzen. Eine direkte Anwendung durch die jüngeren Schülerinnen und Schüler ist noch nicht vorgesehen. „Zuerst muss mit den Lehrkräften gearbeitet werden, um die KI später an die Schüler weitergeben zu können“, lautet das Fazit von Experten im ganzen Land.
Gemeinsame Strategie und sichere Räume
Diese Arbeitsweise wird zudem von den verschiedenen spanischen Regionen geteilt, die die Einführung der KI über das Nationale Institut für Bildungstechnologien und Lehrerfortbildung (Intef) koordinieren. Eine Priorität der Bildungsverwaltung ist es, einen sicheren Raum zu schaffen, um Künstliche Intelligenz in den Klassenzimmern einsetzen und gleichzeitig mögliche Nachteile dieses neuen Werkzeugs abmildern zu können. Die Bildungsabteilung der Kanaren-Regierung hat bereits einen Leitfaden zur KI veröffentlicht, der ethische Richtlinien für deren Nutzung enthält, basierend auf Berichten der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2022.
Sicherheit, Ethik, Inklusivität und Verantwortung sind Aspekte, die im Zuge des Einzugs der KI in die Klassenzimmer auf keinen Fall vernachlässigt werden dürfen. Aus diesem Grund werden unterschiedliche Ansätze etabliert, je nachdem, ob der Einsatz dieser Werkzeuge dem Lehrpersonal oder den Schülern dient. Der erste Fall ist auf den Kanaren derzeit am weitesten entwickelt.
KI als professionelles Werkzeug für Lehrer
Ivonne Rodríguez, Koordinatorin des Bereichs Bildungstechnologie in der Bildungsabteilung der Kanaren-Regierung, weist darauf hin, dass sich KI als professionelles Werkzeug für Lehrkräfte etablieren kann. Daher entwickelt die unter Bildungsrat Poli Suárez koordinierte Behörde bereits den „Plan für die digitale Bildung der Kanaren im 21. Jahrhundert“. Dieser umfasst integrierte Maßnahmen, damit die Fachkräfte in den Klassenzimmern die Technologie in den Lernprozess einführen können, während sie selbst Fortbildung und Begleitung erhalten.
Die Technikexpertin räumt ein, dass seit etwas mehr als einem Jahr eine hohe Nachfrage seitens des Lehrpersonals nach diesen auf KI fokussierten Kursen besteht. Sie geht davon aus, dass diese Kurse sicherlich in den kommenden Jahren weiterhin angeboten werden. Derzeit dringt KI auf den Kanaren allerdings nur als Unterstützung zur Generierung von Bildungsressourcen in die Klassenzimmer vor. Diese Ressourcen können an die verschiedenen Bildungsniveaus und das Lerntempo der Schülerschaft angepasst werden – „immer unter Berücksichtigung der menschlichen Aufsicht“, warnt Rodríguez. Die Koordinatorin betont auch die Bedeutung des Schutzes der Daten der Schüler.
Schüler auf ein kritisches Miteinander vorbereiten
Auf der anderen Seite, aus der Perspektive der Schülerschaft, besteht die Herausforderung darin, sie darauf vorzubereiten, mit den Werkzeugen der Künstlichen Intelligenz auf kritische, ethische und sichere Weise umgehen zu können. In dieser Linie setzen die Kanaren auf die Ausbildung in computational thinking (informatisches Denken). So sollen junge Menschen verstehen lernen, dass KI nichts weiter als eine Kombination aus Algorithmen, Daten und Mustern ist und dass sie sich auch irren kann.
Diese Schulungen werden auf verschiedenen Bildungsstufen durchgeführt, von der Vorschule bis zur Berufsbildung. Programme wie „Código Escuela 4.0“ fördern digitale Kompetenz, informatisches Denken und Robotik. In fortgeschritteneren Kursen werden spezifische Fächer mit größeren Herausforderungen angeboten.
Praxisbeispiel: KI-generierte Charaktere im Unterricht
Ana Delia Miranda ist Lehrerin an der Grundschule CEIP Maestro Félix Santana auf Gran Canaria und setzt seit dem vergangenen Schuljahr mit KI erarbeitete Bildungsressourcen ein. Sie führten das Werkzeug über ein Musical ein, für das sie die Bühnendekoration mit der Plattform generierten und die Bilder dann auf Leinwände projizierten. In diesem Schuljahr haben sie es erneut für ein neues Musical verwendet, beschlossen aber auch, diese Charaktere in den Lehrplan zu integrieren.
So setzt man darauf, Grundwissen in Fächern wie Sprache, Mathematik oder Englisch durch die mit KI erschaffenen Charaktere zu vermitteln. Possessivpronomen, Demonstrativpronomen oder die schriftliche Subtraktion werden mit diesen Videos besser verstanden, die sich zudem allen Bildungsniveaus anpassen. Miranda hat sich autodidaktisch weitergebildet, um diese Ressourcen für ihre Schüler entwickeln zu können. „Junge Menschen sind heutzutage von Bildern fasziniert, daher sind diese Werkzeuge für uns sehr wirkungsvoll“, freut sich die Lehrerin. Sie ist überzeugt, dass sogar Schüler mit besonderem Förderbedarf von diesen Fortschritten profitieren können.
„Ich glaube nicht, dass sie der Feind des Lehrpersonals ist“, erklärt Miranda, schränkt jedoch ein: „Die Schüler sind noch nicht darauf vorbereitet, KI in ihrem Alltag einzusetzen.“

