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Plus-Ultra-Ermittlungen: Razzien auf Teneriffa führten zu Festnahmen

Festnahmen bei Plus Ultra: Ursprung lag in Hausdurchsuchungen auf Teneriffa

Die Operation der Nationalpolizei, die zur Festnahme des Präsidenten und des CEO der spanischen Fluggesellschaft Plus Ultra führte, hat ihren Ursprung in einer Reihe von Hausdurchsuchungen im Jahr 2024. Diese fanden auf Teneriffa, in Madrid und auf Mallorca statt. Auslöser waren Warnungen der spanischen Anti-Korruptionsstaatsanwaltschaft, die von Schweizer und französischen Behörden aufgrund verdächtiger Bankbewegungen eingingen. Diese Bewegungen wurden mit einem Geldwäsche-Netzwerk in Verbindung gebracht, das mit dem venezolanischen Chávez-Regime verbunden ist.

Internationale Ermittlungen führen nach Spanien

Die französischen Behörden beantragten Hausdurchsuchungen in Wohnungen in Madrid, Pozuelo und auf Teneriffa. Die Schweizer Ermittler forderten die Durchsuchung eines Anwesens auf Mallorca. In allen Fällen handelte es sich um Immobilien, die mit Partnern in Verbindung standen, die das untersuchte Geldwäsche-Netzwerk leiteten oder mit ihm zusammenarbeiteten – ein Netzwerk, das wiederum mit der Fluggesellschaft Plus Ultra verknüpft war.

Durch diese Durchsuchungen nahm die Anti-Korruptionsstaatsanwaltschaft die Fluggesellschaft Plus Ultra ins Visier. Konkret wird untersucht, ob das Unternehmen einen Teil der 53 Millionen Euro an staatlichen Rettungsgeldern abgezweigt hat, die ihm die spanische Regierung nach der Pandemie zur Verfügung stellte. Der Verdacht lautet, dass diese Gelder zur Geldwäsche venezolanischer Kapitalien über Frankreich, die Schweiz und Spanien genutzt wurden.

Die kanarische Verbindung: Maskenflüge während der Pandemie

Die Verbindung der Fluggesellschaft zu den Kanarischen Inseln reicht bis in die Gesundheitskrise durch Covid-19 zurück. Damals vergab die kanarische Regionalregierung ohne Ausschreibung zwei Direktflüge nach China, um Schutzmasken zu beschaffen. Diese Flüge wurden von Maschinen der Plus Ultra durchgeführt, die von dem Unternehmen One Airways gechartert wurden.

Ein komplexer juristischer Weg

Die Anzeige der Staatsanwaltschaft wurde zunächst beim Nationalen Gerichtshof (Audiencia Nacional) eingereicht. Dieses Gericht lehnte die Übernahme jedoch mit der Begründung ab, nicht zuständig zu sein. Daraufhin wandte sich die Staatsanwaltschaft an das Ermittlungsgericht Nr. 15 in Madrid, das bereits ein Verfahren zu diesen Rettungsgeldern eröffnet hatte, es aber vorläufig eingestellt hatte. Genau dieses Gericht ordnete schließlich die Durchsuchung des Firmensitzes der Fluggesellschaft und die Festnahme ihrer Führungskräfte an.

Die Ermittlungen der französischen und Schweizer Staatsanwaltschaften führten zur Bitte um Zusammenarbeit mit Spanien. Grund war die Existenz einer kriminellen Organisation zur Geldwäsche, die auf spanischem Territorium operierte und unter Verdacht stand, Straftaten der Veruntreuung in Venezuela und des Insiderhandels in Frankreich begangen zu haben.

Ermittlungen laufen unter strenger Geheimhaltung

Die Untersuchung der Aktivitäten von Plus Ultra ist noch immer offen und unterliegt dem Untersuchungsgeheimnis. Daher ist die Identität der Eigentümer der durchsuchten Immobilien – darunter die auf Teneriffa – sowie deren genaue Rolle in dem international untersuchten Geldwäsche-Netzwerk noch nicht öffentlich bekannt.

Chronologie: Verdächtige Bewegungen seit 2021

Der zeitliche Ursprung der Ermittlungen geht auf das Jahr 2021 zurück. Damals meldete die Schweizer Geldwäsche-Meldebehörde verdächtige Bankbewegungen, die sich 2023 wiederholten. Ebenfalls 2021 eröffneten die französischen Finanzbehörden (Parquet National Financier) ihre eigene Untersuchung. Die Staatsanwaltschaft von Genf richtete ihre Ermittlungen unterdessen auf vier Verdächtige und ein Unternehmen, das im Steuerparadies Mauritius ansässig ist. Die Konten dieses Unternehmens sollen Begünstigte mit „internationalen Sanktionen“ haben.

Die französischen und Schweizer Behörden wandten sich an die spanische Anti-Korruptionsstaatsanwaltschaft mit der Bitte, eine Reihe von Hausdurchsuchungen auf Teneriffa, Mallorca und Madrid durchzuführen. Nach Auswertung der gesammelten Informationen zeigte die Staatsanwaltschaft Plus Ultra an, weil das Unternehmen die staatlichen Rettungsgelder für das Geldwäsche-Netzwerk genutzt haben soll.

Verdacht fällt auf Chávez-Funktionäre und Goldverkäufe

Die Ermittlungen konzentrieren sich auf Funktionäre des Chávez-Regimes, die mit staatlichen Grundnahrungsmittelprogrammen, den sogenannten „Comités Locales de Abastecimiento y Producción“ (CLAP), und mit Goldverkäufen der Bank von Venezuela in Verbindung stehen. In einem Beschluss des Nationalen Gerichtshofs heißt es, dass in dieser mutmaßlichen kriminellen Organisation im Ausland geborene, inzwischen eingebürgerte Spanier und mindestens ein spanischer Anwalt aktiv sein sollen.

Die Untersuchung dieser illegalen Gelder führte schließlich zur Anzeige der Anti-Korruptionsstaatsanwaltschaft wegen des mutmaßlichen Missbrauchs spanischer Staatshilfen – konkret der 53 Millionen Euro, die Plus Ultra im März 2021 durch einen Beschluss des Ministerrats erhielt.

Komplexes Geflecht aus Krediten und Rücküberweisungen

Der Fluggesellschaft wird vorgeworfen, als Unterzeichnerin und Begünstigte mutmaßlicher Kreditverträge mit drei Gesellschaften der kriminellen Organisation aufgetreten zu sein, die in den Goldhandel verwickelt sind. Diese Verträge dienten ihrerseits als Deckung für entsprechende Rückzahlungen durch Plus Ultra. Diese Zahlungen erfolgten kurz nach Erhalt der staatlichen Hilfe auf Auslandskonten von Unternehmen, die Teil der kriminellen Organisation sind.

Die in der Anzeige der Staatsanwaltschaft genannten Verzweigungen sind vielfältig. Sie beziehen sich auch auf den Verkauf von Gold im Wert von 30 Millionen Euro an ein Unternehmen in den Vereinigten Arabischen Emiraten und auf die Weiterleitung von Beträgen durch dieselbe Gesellschaft an ein weiteres Unternehmen auf ein Konto in Panama. Einige der mutmaßlichen Kunden dieses Geldwäsche-Netzwerks haben polizeiliche und gerichtliche Vorstrafen in Spanien. Für diese illegale Aktivität soll auch der Verkauf von Luxusuhren genutzt worden sein.

Die Staatsanwaltschaft sieht es als Betrug am Staat an, dass Plus Ultra einen Teil der erhaltenen staatlichen Hilfen auf Auslandskonten von Unternehmen abgezweigt hat, die zur untersuchten kriminellen Organisation gehören.

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