mieterschock kanaren 200 euro mehr im monat

Mieterschock auf den Kanaren: Bis zu 200 Euro mehr im Monat

Mieterschock auf den Kanaren: Bis zu 200 Euro mehr im Monat

Fast 40.000 Haushalte auf den Kanarischen Inseln bangen um ihre Miete. Sie haben ihre Mietverträge im Jahr 2021 unterzeichnet und stehen nun vor einer entscheidenden Neuverhandlung. Fünf Jahre sind seit dem Vertragsabschluss vergangen – und genau diese Frist markiert eine Zäsur. Gemäß der Reform des spanischen Mietrechts aus dem Jahr 2019 können Vermieter nach Ablauf von fünf Jahren die Verträge nicht nur kündigen, sondern die Mieten auch an die aktuellen Marktbedingungen anpassen, statt sie lediglich an die Inflationsrate (IPC) zu binden.

Der Wohnungsmarkt hat sich radikal verändert

Das Problem: Die Lage auf dem kanarischen Wohnungsmarkt hat heute nichts mehr mit der Situation von 2021 gemein. Damals bremste die Pandemie die Wirtschaftstätigkeit und hielt die Preise in Schach. Heute könnte die Neuverhandlung der Mieten für die Betroffenen eine jährliche Mehrbelastung von bis zu 2.267 Euro bedeuten. Umgerechnet sind das fast 200 Euro mehr pro Monat – eine Summe, die viele Familien nicht stemmen können und die sie möglicherweise aus der Wohnung zwingt, die seit fünf Jahren ihr Zuhause ist.

Keine Alternativen in Sicht

Doch Alternativen sind auf dem kanarischen Immobilienmarkt rar gesät. Der Kauf von Wohneigentum hat einen beispiellosen Preisanstieg erlebt und rückt für die durchschnittliche kanarische Familie in weite Ferne. Gleichzeitig ist das Mietangebot knapp und für viele zu überteuerten Preisen verfügbar. Das spanische Ministerium für Soziale Rechte, Verbraucher und Agenda 2030 rechnet damit, dass kanarische Mieter die drittgrößte Mieterhöhung im ganzen Land verkraften müssen.

Diese Einschätzung überrascht nicht, wenn man bedenkt, dass der Archipel zu den Regionen gehört, in denen die Mietkosten in den letzten Jahren am stärksten gestiegen sind. Getrieben wird diese Entwicklung durch die ausländische Nachfrage, die Konkurrenz durch Ferienwohnungen und das generelle Angebotsdefizit. Die mögliche Erhöhung von 2.267 Euro pro Jahr liegt deutlich über dem landesweiten Durchschnitt von 1.735 Euro. Nur die Mieter auf den Balearen (über 4.000 Euro/Jahr) und in der Valencianischen Gemeinschaft (2.686 Euro/Jahr) könnten noch stärker betroffen sein.

Fast 100.000 Menschen direkt betroffen

Die Zentralregierung schätzt, dass auf den Kanaren 97.137 Personen von der Neuverhandlung ihrer Verträge betroffen sind. In ganz Spanien sind es 1,6 Millionen Menschen. Diese Daten stammen aus dem Haushaltspanel, das vom Nationalen Statistikinstitut (INE), der Steuerbehörde und dem Institut für Steuerstudien erstellt wird. Angesichts dieser Situation hat der zuständige Minister Pablo Bustinduy bereits Anfang des Monats die sozialistische PSOE gedrängt, die im Laufe des Jahres 2026 auslaufenden Mietverträge vorrangig und dringend zu verlängern.

Ein kleiner Lichtblick im November

Im vergangenen November gab es zumindest eine kleine positive Nachricht für Mieter: Die Kanarischen Inseln waren die einzige autonome Gemeinschaft Spaniens, in der die durchschnittliche Miete im Vergleich zum Vormonat Oktober sank. Dennoch erreichte der durchschnittliche Mietpreis in Spanien im November 14,08 Euro pro Quadratmeter – ein Plus von 1 Prozent gegenüber Oktober und satte 18 Prozent mehr als im November 2024.

Vom Übergang zur einzigen Option

Vor nicht allzu langer Zeit war das Mieten für die meisten Kanarier nur eine vorübergehende Phase im Leben, typisch für Studien- oder Jugendjahre. Viele erwarben später eine Eigentumswohnung. Heute hat sich die Realität gewandelt: Für zahlreiche Familien auf dem Archipel ist das Mieten die einzig verbleibende Alternative. Dies spiegelt sich im ganzen Land wider.

„Der spanische Mietmarkt erlebt eine beispiellose Spannung, weil das Angebot schlichtweg nicht mit der Nachfrage Schritt hält“, erklärt Ferran Font, Studienleiter von pisos.com. „Für viele Bürger ist das Mieten keine vorübergehende Etappe mehr, sondern der einzig mögliche Weg, da der Zugang zum Kauf aufgrund fehlender Ersparnisse oder knapper Gehälter unmöglich ist. Das ist besonders unter jungen Menschen spürbar, die sogar für eine Mietwohnung auf familiäre Hilfe angewiesen sind.“

Was vor einigen Jahren noch eine günstigere Übergangslösung zum Kauf war, ist heute für viele zur Pflicht geworden. Das Problem: Die Mietpreise sind so stark gestiegen, dass das Mieten in vielen Fällen nicht einmal mehr günstiger ist als der Erwerb einer Immobilie. Auch der Kauf ist jedoch aufgrund prekärer Arbeitsverhältnisse und fehlender Eigenkapitalreserven für viele unerreichbar. In diesem Immobilienkontext bleibt den Bürgern oft keine Lösung: Sie können weder kaufen noch mieten.

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