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Lehrkräfte auf den Kanaren am Limit: Umfrage zeigt alarmierende Zustände

Lehrkräfte auf den Kanaren am Limit: Umfrage zeigt alarmierende Zustände

Die Unzufriedenheit des Lehrpersonals auf den Kanarischen Inseln hat ein kritisches Niveau erreicht. Dies spiegeln die Ergebnisse der landesweiten Makroumfrage zur Situation des Lehrberufs wider, die vom STEC-IC (Sindicato de Trabajadores de la Enseñanza de Canarias) durchgeführt wurde. Die Umfrage platziert die kanarische Gemeinschaft im landesweiten Vergleich in der besorgniserregendsten Kategorie bei Indikatoren wie Klassenklima, Arbeitsbelastung und institutioneller Unterstützung. An der Umfrage beteiligten sich auf den Kanaren über 1.600 Lehrkräfte innerhalb einer landesweiten Stichprobe von mehr als 13.000.

„Arbeiten unter Grenzbedingungen“

Haridian Moreno, Sprecherin des STEC-IC auf Gran Canaria, warnt: „Die Daten stellen uns mindestens in die besorgniserregendste Kategorie.“ Sie unterstreicht, dass die Unzufriedenheit der Lehrkräfte „nicht nur existiert, sondern auf den Inseln besonders ausgeprägt“ ist. Für Gran Canaria fügt sie hinzu: „Die Realität, die wir in den Schulen erleben, ist genau die, die die Daten widerspiegeln: komplexe Situationen und das Gefühl, unter Grenzbedingungen zu arbeiten.“ Mehr als 82 % des Lehrpersonals beschreiben das Klima in den Klassenräumen als konfliktreich oder kompliziert.

Konflikte kosten wertvolle Unterrichtszeit

Moreno erklärt, dass sich diese Situation direkt auf die tägliche Arbeit auswirkt: „Die Zeit zum Unterrichten verringert sich, weil ein sehr wichtiger Teil des Tages der Bewältigung von Konflikten, ständigen Unterbrechungen und angespannten Situationen mit den Schülern und manchmal auch mit den Familien gewidmet wird.“ Die Studie zeigt auch, dass über 87 % der Lehrkräfte der Meinung sind, dieser Kontext erschwere es, die Schüler angemessen zu unterrichten, zu begleiten und zu unterstützen. Für die Gewerkschaft ist das Problem weder punktuell noch konjunkturell, sondern hat sich im Laufe der Jahre verfestigt.

Ein strukturelles Problem, keine Einzelfälle

Auf die Frage nach Übergriffen ist Haridian Moreno deutlich: „Ganz klar sprechen wir von einem strukturellen Problem, nicht von Einzelfällen.“ In ihrer Antwort weist sie darauf hin, dass „ein sehr wichtiger Teil des Lehrpersonals angibt, verbale und/oder körperliche Übergriffe seitens der Schüler erlitten zu haben“. Diese Realität äußert sich laut der Makroumfrage in Beleidigungen, Drohungen, wiederholten Respektlosigkeiten und ständiger Infragestellung der Lehrkraft, besonders in bestimmten Bildungsstufen. Diese Verhaltensweisen, so warnt die Gewerkschaft, hätten sich im Schulalltag normalisiert.

Druck von außen und emotionale Erschöpfung

Der STEC-IC warnt davor, dass diese Konflikthaftigkeit nicht auf das Klassenzimmer beschränkt ist. Die Studie verzeichnet auch Episoden von Druck seitens der Familien, öffentliche Herabwürdigungen und anhaltende Spannungssituationen, die unter dem Lehrpersonal Angst, Stress und emotionale Erschöpfung erzeugen. Das Fehlen klarer Konsequenzen und wirksamer Protokolle, so fügt der Bericht hinzu, verstärke das Gefühl der Schutzlosigkeit und trage zur fortschreitenden Verschlechterung des Schulklimas bei.

Erdrückende Bürokratie als Hauptbelastung

Eine weitere Hauptursache der Unzufriedenheit ist die Bürokratie. Die Makroumfrage zeigt, dass über 95 % des Lehrpersonals die administrative Belastung als übermäßig empfinden. Moreno fasst diese Wahrnehmung zusammen, indem sie darauf hinweist, dass „die bürokratische Überlastung einer der Faktoren ist, der die größte Erschöpfung verursacht“ und der Zeit für die Unterrichtsvorbereitung und die direkte Betreuung der Schüler raubt. Die Studie weist darauf hin, dass Berichte, digitale Plattformen und Verwaltungsaufgaben sich vervielfacht haben, ohne dass andere Funktionen parallel reduziert wurden. Dies verlängere den Arbeitstag über die Unterrichtszeit hinaus und erschwere die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.

Gefühl der institutionellen Schutzlosigkeit

Das Gefühl des mangelnden institutionellen Schutzes taucht wiederholt auf. Laut den Daten halten fast 90 % der Lehrkräfte die Unterstützung der Verwaltung bei schwerwiegenden Konfliktsituationen für unzureichend. Moreno stellt fest: „Wenn wichtige Konflikte auftauchen, hat das Lehrpersonal oft das Gefühl, mehr infrage gestellt als unterstützt zu werden.“ Hinzu komme die Wahrnehmung einer geringen gesellschaftlichen und beruflichen Anerkennung – ein Faktor, der laut der Gewerkschaft die Motivation untergrabe und zum schleichenden Verlassen des Berufs beitrage.

Professionelle Einsamkeit und fehlende Ressourcen

Die Studie spiegelt auch eine weit verbreitete Wahrnehmung professioneller Einsamkeit wider. Ein bedeutender Teil des Lehrpersonals ist der Ansicht, die täglichen Probleme ohne ausreichende Unterstützung innerhalb der eigenen Schule bewältigen zu müssen, was das Gefühl der Isolation und emotionalen Erschöpfung verstärkt. Diese Situation verschlimmere sich laut der Umfrage in Schulen mit größerer sozialer Komplexität, wo der Mangel an personellen und materiellen Ressourcen das tägliche Management zu einem Akt des Widerstands mache.

Eine Warnung an das Bildungssystem

Das Lehrpersonal beklagt, dass diese Realitäten bei der Gestaltung der Bildungspolitik nicht immer berücksichtigt werden. Der STEC-IC besteht darauf, dass die Daten nicht als konjunkturelle Beschwerde, sondern als Warnung zu lesen sind. Diesen Befund zu ignorieren, bedeute, das Risiko einzugehen, die Unzufriedenheit zu verfestigen und das öffentliche Bildungssystem weiter zu verschlechtern. Die Studie verzeichnet einen Anstieg von Gesundheitsproblemen im Zusammenhang mit Stress und emotionaler Erschöpfung. Moreno warnt: „Dieses Niveau an anhaltendem Druck ist auf mittlere Sicht nicht nachhaltig.“ Das Bildungssystem halte sich größtenteils „dank der persönlichen Überanstrengung des Lehrpersonals“ aufrecht.

Risiko des Berufsausstiegs und zentrale Forderungen

Die Makroumfrage erkennt zudem ein wachsendes Risiko des Verlassens des Berufs, mit Schwierigkeiten bei der Besetzung bestimmter Fachrichtungen, hoher Fluktuation und prekären Bedingungen unter den Vertretungslehrkräften. Eine Mehrheit ist der Meinung, dass die Vergütung weder der Verantwortung noch den aktuellen Anforderungen der Stelle entspricht. Zu den Hauptforderungen gehören die Senkung der Klassenfrequenz (Schüler-Lehrer-Verhältnis), die Verstärkung der Personaldecke, eine echte Vereinfachung der Bürokratie und die Einführung wirksamer Protokolle gegen Übergriffe. Für den STEC-IC handelt es sich dabei nicht um korporative Forderungen, sondern um Mindestbedingungen, um eine qualitativ hochwertige öffentliche Bildung zu garantieren und die Gesundheit des Lehrpersonals zu schützen.

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